Verfasst von: Barbara & Didier | März 17, 2012

Von Cafayate bis San Pedro de Atacama

San Pedro de Atacama, 17.03.2012, 45‘600km

Hola chicos, que tal?
Natürlich nutzten wir die Zeit in der Region Cafayate ausgiebig, um Wein zu probieren und auf der Plaza zu Empanadas dem Treiben der Einheimischen zuzuschauen. Die meisten Bodegas der Region bieten mehr oder weniger interessante Führungen durch ihre Produktionsstätten an und lassen einem teilweise auch die produzierten Weine degustieren. Zu den in der Schweiz bekanntesten gehören wohl die Bodegas Etchart und Colomé. Erstere liegt 2km ausserhalb Cafayates und war somit einfach zu erreichen, die andere jedoch in einem völlig isolierten Tal und nur schwer zugänglich. Wie schwer, das sollte sich noch herausstellen. Wer aus Cafayate nach Norden fährt, hat ein Dilemma zu lösen. Die beiden möglichen Strassen sind in hartem Wettstreit um die exklusivere und eindrücklichere Szenerie. Wir beschlossen also, einen Teil auf der östlichen geteerten Strasse zu fahren, dann zurück und wieder nach Norden auf der abgelegenen, ungeteerten. Die Felsen, Schluchten und Flüsse waren auf beiden Seiten unglaublich beindruckend, es fiel uns schwer, uns noch auf die Strasse zu konzentrieren.


Hmmm, Erdbeere?, Pfirsich?, Melone? Oder doch Traube und Alkohol?


Relaxtes Treiben auf der Plaza von Cafayate.


Strasse 1 mit Prima-Felsformationen?


Oder doch Strasse 2 mit Prima-Felsformationen?


Hier war definitiv kein Benzin zu haben.

Die ungeteerte Strasse führte uns schliesslich nach Molinos, wo wir nach zusätzlichen 18 km die Bodega Colomé erreichen wollten. Dieser Besuch war Pio und Inger leider nicht vergönnt gewesen, hatten ihnen doch schwere Unwetter einen mächtigen Strich durch die Rechnung gemacht. Obwohl für uns die Sonne schien, kam der Pfusbus das erste Mal auf dieser Reise an sein Limit. Aufgrund des Regens war ein Fluss in Molinos immer noch so hoch angeschwollen, dass für uns definitiv kein Durchkommen war. Nur noch die grossen Pickups liessen sich von Traktoren durch den Fluss ziehen, alle anderen machten kehrt. Dank ein paar Pesos, Sergio, seinem Jeep und Traktor ging es für uns am nächsten Tag trotzdem in Richtung Colomé. Je weiter wir durch die Gegend holperten, desto froher waren wir, unseren Pfusbus hier zu schonen. Die Bodega gehört dem Schweizer Donald Hess (neben anderen in Südafrika, Kalifornien und Australien) und ist nicht nur für ihren Wein bekannt, sondern auch für ein hochexklusives Hotel und ein eigenes Kunstmuseum. Das Hotel wird nur noch an Gruppen vermietet, aber ein Doppelzimmer wäre für uns sowieso budgetmässig definitiv ausser Reichweite gewesen. Wir wurden aber kompetent durch Bodega und das Museum geführt und genossen anschliessend ein Glässchen Wein auf der Terrasse mit Sicht auf Reben und Berge. Als wir auf der Rückfahrt unsere Freude an den riesigen Kakteen erwähnten, machte Sergio eine Vollbremsung, legte den Rückwärtsgang ein, rollte ein paar Meter zurück und meinte dann: „Schaut hier hat es ganz kleine, nehmt doch einen mit nach Europa“.  Wir dankten und schmunzelten, liessen es aber sein, den Mann über Naturschutz und Zollvorschriften aufzuklären. Denn hier in Molinos ist die Welt noch in Ordnung.


Nur so geht’s: Traktor mit Ballast und wir schleifen hinterher…


Der Weg zur Bodega Colomé führt durch wunderschöne Landschaften.


Hier lagert der edle Tropfen.

Zum ersten Mal in Südamerika gefallen uns die Städtchen und Dörfer hier im Nordwesten Argentiniens so richtig. Bisher waren sie entweder übertouristisch (z.B. El Calafate, Bariloche, Pucon oder Ushuaia) oder einfach nicht wirklich Bijous (alle anderen). Darum quartierten wir uns ab und zu wieder einmal auf einem Campingplatz ein, um das Kleinstadt- bzw. Dorfleben ein bisschen zu geniessen. Wir machten nach Cafayate noch halt in Molinos, Cachi und danach Purmamarca. Dazwischen besuchten wir auch Salta, nur um wieder einmal herauszufinden, dass das argentinische Grossstadtleben einfach nicht so unser Ding ist. Vermutlich hat auch nicht geholfen, dass der Campingplatz die ganze Nacht von einer Monster-Karaoke-Party von nebenan beschallt wurde. In Cafayate und Cachi hätten wir Landeier uns aber sofort einleben können.


Nightlife auf der hübschen Plaza von Cachi.


Könnte fast St. Petersburg sein, ist aber Salta.


Purmamarca beeindruckt vor allem mit seiner Lage inmitten von farbigen Felsen.


Wir haben den Grössten (entdeckt).


Jubiläum. Im besten Alter, unser Pfusbus.

Eine spannende Angelegenheit war der Paso de Jama, die Hauptverbindung zwischen Argentiniens Nordwesten und Chile. Der Höhenmesser zeigte bis 4800 M.ü.M., der Pfusbus kam dabei schon ein bisschen ins keuchen und wir auch… Die Landschaften waren fantastisch und die Strasse, wenn nicht gerade von Erdrutschen und Flüssen weggeschwemmt oder von umgekippten LKWs versperrt, in einem Topzustand. Die beiden Zollstationen, mit 160 km Niemandsland dazwischen, passierten wir auch souverän und von Zöllner Gino haben wir nun sogar die Natelnummer, im Fall der Fälle. Er ist Münzensammler und hatte uns nach einer Schweizer Münze gefragt. Wir versorgten ihn zusätzlich mit Münzen aus Zentralasien. Das wird ihn in der lokalen Sammlerszene sicher in neue Sphären heben.

San Pedro de Atacama ist eine Oase am Nordrand der Atacama-Wüste, nördlich davon beginnt das chilenische und bolivianische Altiplano. Es ist eines der Standardtouristenziele Chiles und bietet in der Umgebung Vulkane, Geysire, Salzseen, Lagunen, Oasen, Felsformationen und mit Vicuñas, Lamas und Flamingos auch viel Wildlife. Das Dorf beherbergt nebst der einheimischen Bevölkerung viele Hippies und Aussteiger aus der ganzen Welt, welche heutzutage sehr gezielt das Maximum aus den Touristen herausholen: Alles kostet, und zwar richtig viel. Auch der Pfusbus wurde zu einer Art Touristenattraktion, immer wieder sprachen uns neugierige Schweizer an und knipsten Fotos von unserem vierrädrigen Zuhause. Gratis natürlich.


Wow, wieder Höhenrekord!


Wüste auf 4000 M.ü.M.


Surreale Landschaften aus Wasser, Sand und Bergen.


Salzige Angelegenheit auf den Salinas Grandes.


Wo das wohl hinführt? Der Cerro Chajnantor mit 5639 Meter nicht gerade ein Winzling. Diese Strasse haben wir aber trotz 4WD sein lassen.


Über der Atacama thront der Prachtsvulkan Licancabur mit 5916 Metern.

Unsere erster Ausflug aus San Pedro hinaus führte uns der bolivianischen Grenze entlang nach Norden zu den Tatio-Geysiren. 90 km Holperpiste von 2300 bis auf 4300 Meter hinauf wären an sich schon genug Herausforderung. Der momentane allabendliche Regen verwandelt die Strecke je nach Höhe zusätzlich entweder in einen See, Matsch, Schneematsch oder Glatteis. Doch wenn es jeden Morgen früh (dann ist die Szenerie am imposantesten) zwei Dutzend Touristenbusse und mindestens so viele Jeeps dort hoch schaffen, dann sollte das ja für den Pfusbus kein Problem sein. Wir liessen uns viel Zeit. Was die meisten Touris in sieben Stunden schaffen, machten wir in drei Tagen, genossen dabei das chilenische Altiplano und wunderschöne Pfusplätze mit Aussicht auf die Atacama-Wüste und schneebedeckte Berge und Vulkane. Dank antizyklischem Verhalten kamen wir just bei den Geysiren an, als die letzten (vorher im Schlamm stecken gebliebenen) Touribusse wieder abzogen. Prima. Wir hatten das gesamte Geysirfeld inklusive der 35° warmen Badequelle den ganzen Nachmittag für uns alleine, herrlich. Fies war einzig das Aussteigen aus dem Pool und das Umziehen, auf 4320 Meter über Meer weht ein kaltes Lüftchen. Nach Sonnenuntergang sackte die Temperatur erst richtig in den Keller. Nach einem Abend in der ungeheizten Küche der Parkverwalter ging‘s in voller Montur ab in den Schlafsack, um um sechs in der Früh wieder rauszukriechen und bei klirrender Kälte Zeugen eines tollen Naturschauspiels zu werden. Während wir uns in der Höhe erstaunlich fit fühlten, bekam sie dem Pfusbus leider nicht so gut. Einmal abgekühlt wollte er morgens partout nicht mehr anspringen, angesichts unserer doch ziemlich isolierten Pfusplätze eine jeweils ungünstige Situation. Man(n) liess sich jedoch nicht ermutigen und seit Didiers Erste-Hilfe-Kur für alle Kontakte springt der Motor auch in der Früh wieder wie gewohnt an, muy bien! Übrigens, so ganz ab vom Schuss wie gedacht sind wir manchmal wohl doch nicht. Nach einem Besuch des verträumten Inka-Dorfes Caspana, der Schulleiter wollte Didier gleich als Englischlehrer einstellen, fanden wir abends einen wunderschönen Pfusplatz auf einem Hochplateau. Dort hinauf waren wir mehr zufällig als geplant gelangt, denn auf der haarsträubenden Piste durch einen Canyon war umkehren plötzlich keine Alternative mehr. Also Kriechgänge rein, Augen zu und durch. Tags darauf gerade gemütlich am Frühstücken, rumpelte und röhrte es plötzlich aus dem Canyon herauf und wir staunten nicht schlecht, als kurz darauf ein Polizeiauto auftauchte. Oh oh, doch glücklicherweise waren die beiden Carabinieros nicht an uns, sondern an einem weissen Pickup interessiert, welchen sie verzweifelt mit dem Fernglas suchten. Wir steuerten ein überzeugendes „Hier ist in den letzten 12 Stunden garantiert niemand vorbeigekommen“ zu den Ermittlungen bei und durften ruhig weiteressen. So geht das.


Es brodelt, sprudelt, dampft und stinkt, alles äusserst effektvoll.


Der höchste Geysir schafft nur gerade 150 cm, lässt aber ganz schön Dampf ab.


Dieser Pfusplatz schaffte es auf Anhieb in die Top 10.

Wer grosse Lastwagen liebt und gerne im Sandkasten spielte, würde in Chuquicamata auf seine Kosten kommen. Die grösste Tagbau-Kupfermine der Welt lässt sich hier besichtigen. Jede Menge Erde wird täglich aus drei Riesenlöchern herausgebuddelt und mit Riesencamions aus der Mine gefahren, daraus entstehen 1500 Tonnen Kupfer täglich. Imposant. Die äusserst negativen Einflüsse auf die Natur wurden auf der Tour allerdings nicht angesprochen: Astronomischer Wasserverbrauch, vergiftete Abwasser, völlig umgepflügte Landschaft, um nur einige zu nennen.


5km lang, 3km breit und 1km tief. Die grösste der drei Minen von Calama. Jede der sichtbaren Linien entspricht ca. 20 Höhenmetern!


So ein Laster kann das Gewicht von 160 Pfusbussen (400t) transportieren, braucht aber 3l Diesel/Minute!

Zurück in San Pedro liebäugeln wir mit einem Abstecher ins bolivianische Altiplano. Ob wir es tun oder nicht, mehr dazu im nächsten Post.
Hasta luego, die Pfusbüssler

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