Verfasst von: Barbara & Didier | April 20, 2017

East Cape

Hey Ya

Nachdem wir das Grosi am Flughafen verabschiedet hatten und die Tränen abgewischt waren, rollten wir wieder in der Standardformation weiter. Es war wegen der Winterzeit plötzlich schon erschreckend früh dunkel und die Fahrt vom Flughafen zu Pat und Valerie dauerte wegen Regen, Dunkelheit, Baustellen und einem unfreiwilligen Umweg etwas länger als gedacht. Familie Alley empfing uns wie alte Freunde. Nach einer dank Zyklon Debbie sehr regenreichen Nacht auf ihrem Vorplatz mit Aussicht auf noch mehr Regen, musste uns Valerie nicht lange überreden, noch einen Tag zu bleiben. Thank you again so much for your hospitality, dear Valerie and Pat! Debbie zog langsam südwärts und wir gegen Osten. Unser Ziel war der Campingplatz in Matata, auf dem wir drei Wochen zuvor schon einmal genächtigt hatten. Die erste Hälfte der Fahrt war abgesehen von einem zum Bach umfunktionierten Strassenabschnitt problemlos gewesen, dann aber wurde es unangenehm. Debbie beschloss nämlich über der Bay of Plenty zu wüten und monsunartiger Regen und überschwemmte Strassen veranlassten uns, so zügig wie möglich bis nach Matata zu fahren. Dort angekommen war auf den ersten Blick klar, dass die Zufahrt zum Campingplatz nicht mehr passierbar war. Weiter zum nächsten Camping oder zurück war nun die Frage. Da der nächste in einer Ebene mit Fluss war, entschieden wir uns, umzukehren. Ein weiser Entscheid, wie sich herausstellen sollte. Während wir glücklicherweise dreissig Meter vor dem ersten Erdrutsch quer über die Strasse nach rechts auf einen Stellplatz abbiegen konnten und dort den Pfusbus 15 Stunden lang nicht mehr verliessen, wurde nämlich auf der anderen Seite von Matata der Notstand ausgerufen. In Edgecombe brach der Damm, die ganze Gemeinde wurde überflutet und die Strassen waren unpassierbar. Schliesslich zog Debbie doch noch gen Süden und am nächsten Vormittag schien die Sonne, als wäre nichts gewesen. Nach einer aufregenden Flussfahrt mit dem Pfusbus richteten wir uns für ein paar Tage auf dem altbekannten DOC-Camping in Matata ein, bis sich die Lage wieder normalisierte.

Da war es noch lustig.

Da nicht mehr.

Die Ruhe nach dem Sturm.

Immer noch Gummistiefelobligatorium.

Nach dem Barfusstest gab Didier das OK für die «Flussfahrt» zum Matata Camping.

Die Zeit verging trotz dem vielen Nichtvieltun wie im Flug, wir genossen den menschenleeren Strand, Fish&Chips von der Fischbude im Dorf, ab und zu ein Gespräch mit den pensionierten Campingnachbarn und angenehm ruhige Nächte. Mit einer Ausnahme, nämlich als der Sirenenalarm im Dorf zwischen 21 Uhr abends und 3 Uhr in der Nacht drei Mal losging. Das erste Mal dermassen lange, dass wir uns bei einem Nachbarn nach dem Grund erkundigen gingen. Er meinte, es handle sich um den Alarm für die Freiwilligenfeuerwehr und nicht um eine Tsunamiwarnung. Das war ja schon mal eine gute Nachricht. Wie wird denn bei einem Tsunami gewarnt, wollten wir weiter wissen. Er: „I have no idea. But I guess we would find out together“. Witzbold, unser Nachbar. Tatsächlich haben wir die Gefahr eines Tsunamis immer im Hinterkopf, wenn wir direkt am Meer campen. Vielerorts sind Evakuierungspläne und Warnschilder angebracht. Unsere Sicherheitsvorkehrungen beschränken sich auf drei Massnahmen: 1. Store abends einfahren. 2. Auto so parken, dass eine Flucht nach vorne möglich ist. 3. Schlüssel steckt über Nacht im Schloss. Was uns möglicherweise überhaupt nichts helfen wird, aber so what?

Vor drei Wochen stand genau da Camp Pfusbus.

Einer der permanenten Bewohner vom Matata Camping: Pukekos.

Es war kaum zu glauben, aber unsere schlaue Wetterapp kündigte bereits einen weiteren Zyklon an. Cook sollte noch schlimmer als Debbie sein, und ganz Neuseeland bereitete sich die nächsten sechs Tage darauf vor. Für uns blieb genug Zeit, um das abgelegene East Cape zu umrunden und um noch vor dem Weltuntergang bei Claires Cousine Sally in Gisborne Unterschlupf zu suchen. Wie ihr merkt, ging die Welt dann doch nicht unter, allerdings erneut ganze Landstriche auf der Nordinsel.

Das East Cape ist unserer Erfahrung nach die untouristischste Gegend von Neuseeland überhaupt. 80% der ohnehin wenigen Bewohner sind Maori und nebst schönen Buchten passierten wir viele Marae mit wunderschönen Schnitzereien. Apropos schönen Buchten: Diejenige in Maraehako gehört einer Maorifamilie, die dort schon seit vielen Jahren einen einfachen Campingplatz führt. Wir durften den Pfusbus direkt an den Strand stellen und, da privat, so viel Feuer machen, wie wir wollten. Das Schwemmholz brannte ausgezeichnet und wir taten denn auch nichts anderes als Füürlen, zum Zvieri, zum Znacht und zum Zmorgen.

Ein wunderbarer Pfusplatz in Maraehako.

Aussicht auf White Island. Wer genau hinschaut, sieht wie der Vulkan räuchelt.

Am arbeiten.

Am geniessen.

Gibt es etwas schöneres als ein Feuer am Strand?

Beim Leuchtturm am östlichsten Zipfel waren wir zwar nicht «The First to See the Sun», dafür war es schon zu spät am Tag. Schön war es trotzdem so hoch über dem Meer, wo man angeblich am Morgen wegen der Datumsgrenze als allererster Mensch die Sonne sehen kann. Der Campingplatz gleich in der Nähe hat seinen Namen eigentlich nicht verdient. Die hügelige Matte mit ein paar Kühen und jeder Menge Kuhfladen bot nebst einem auch für Hartgesottene ziemlich üblen Plumsklo gar nichts, nicht einmal Natelempfang. Aber die Lage! Direkt am Meer, mit einem von Treibholz übersääten Strand so weit das Auge reicht und mit nichts als grünen Hügeln hintenum. Wir wären wohl ewig geblieben, aber Zyklon Cook sass uns im Nacken. Auf jeden Fall durfte Julien am dritten Tag noch seine Geburtstagsgeschenke öffnen, bevor es über die Gravel Road zurück auf die Küstenstrasse ging. Bis zum nächsten und wohl einzigen Pub in der Gegend waren gute 1.5 Stunden zu fahren. Endlich dort angekommen, bestellte ein rundum zufriedenes Geburtstagskind Fish & Chips und auch der Rest der Familie lies es sich gut gehen.

Mal was anderes.

Strassensperre am East Cape.

800 Treppenstufen waren nötig für dieses Foto.

We’re lovin’ it!

Dann kamen Wind und Regen und Juliens neues Fischernetz konnte nur kurz getestet werden. Immerhin gab es im Pfusbus Kuchen und Kerzen und eine Runde gamen auf dem iPad. Ende gut, alles gut.

Am nächsten Vormittag wollten wir uns den Drehort von «Whale Rider» angucken. Beim Abzweiger zur Maorisiedlung Whangara stand kein Ortsschild, was für so ein gut ausgeschildertes Land schon mal speziell war. Richtig komisch war dann ein Schild beim Dorfeingang mit der Message, dass Besucher nicht willkommen sind. Den Grund haben wir nicht herausgefunden.

Erst vier und für die Geburtstagsfeier schon ins Pub.

Unser Big Boy.

Der Whale Rider Drehort aus der Ferne, zwangsläufig.

Jetzt geht es auf nach Gisborne. Zyklon Cook ist im Anmarsch!

Bis zum nächsten Mal,

die Pfusbüssler

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