Verfasst von: Barbara & Didier | Februar 19, 2017

VIP in Milford

G’day everybody

How are you? Uns sehr gut, wir haben gerade den allerersten Sommerabend seit Reisebeginn erlebt: Mit einem Becher Wein aber ohne Hühnerhaut und Faserpelz draussen sitzen bis die Sonne im Meer versinkt. Wunderbar.

Life is good.

Jetzt aber zuerst ein Blick zurück in kältere und nässere, aber durchaus auch gute Zeiten. Die knapp zweistündige Fahrt nach Milford Sound am späten Nachmittag war sehr entspannt, kein Regen und Verkehr nur auf der Gegenfahrbahn. Die allermeisten der jährlich 500’000 Touristen fahren am gleichen Tag hin und zurück, Milford Sound ist eine Sackgasse. Eine sehr schöne allerdings. Wir wurden von unserer alten Südamerikabekanntschaft mit offenen Armen empfangen. Emma ist mittlerweile Managerin der einzigen Lodge bzw. des einzigen Campingplatzes des Ortes und Blake ist Kapitän auf einem der Touristenboote. Ehe wir uns versahen, chauffierte uns Emma zur Anlegestelle. Dort durften wir mit dem Capt’n an Bord, vorbei an der wartenden Menschenschlange, wo uns die Crew herzlich begrüsste. Dann hätte Julien im Maschinenraum die Motoren anwerfen dürfen, hätte er sich getraut. Die Rundfahrt verbrachten wir mit Blake auf der Brücke, wenn wir uns nicht gerade die Bäuche am Buffet vollschlugen. Didier übertraf sich selber und probierte sogar eine Muschel, die erste und bestimmt auch letzte in seinem Leben. Natürlich sicherte uns der Capt’n auch den besten Platz, als plötzlich eine Gruppe Delfine in den Bugwellen mitsurften. Die Tiere kommen nur alle paar Wochen so weit in den Sound rein, wieder einmal waren wir richtige Glückspilze! Dank Blakes Connections nahm uns Miriam, Skip auf dem Milford Track-Schnellboot, am nächsten Tag mit zum Endpunkt der weltberühmten Mehrtageswanderung. Da gab es tatsächlich Leute, die unsere Kids fotografierten: So jung und schon den Milfordtrack gewandert, awesome!

Mit Chauffeur Emma.

Blakes Arbeitsplatz.

VIP indeed!

​Surf the wave.

Milford Sound.

Auf dem Milford Track.

Auch an Land ging es uns ausgezeichnet. Entweder verwöhnten uns Emma und Blake mit selbstgefischtem Bluecod und selbstgejagdtem Wild. Oder wir feierten bei einer Angestelltenparty mit. Oder wir durften einfach die Annehmlichkeiten ihrer kleinen Wohnung mit warmer Dusche, Waschmaschine und Küche geniessen, was wir während den drei Tagen Dauerregen sehr zu schätzen wussten. Zum Abschied drückte uns Blake seinen Hausschlüssel vom nigelnagelneuen Daheim in Wanaka in die Hände: Mi casa es tu casa! Wir sagen: Muchissimas gracias amigos!

Trotz monsunartigem Regen erspähten wir bei der Rückfahrt ein paar Keas. Neuseelands Bergpapagei ist ein äusserst schlaues Tier und überhaupt nicht menschenscheu. Gummi findet der Kea unwiderstehlich, seine Lieblingsbeschäftigung ist den auch das Herumknabbern an Autos, Zelten und Wanderschuhen.

Typisch Fjordland.

Wasserfester Kea.

Hier geht einer seinem Hobby nach.

Dank Blakes Tipp nahmen wir ganze 40 km Gravelroad oneway unter die Räder, um bei den Mavera Lakes zu campen. Was für ein Ort! Nichts brachte uns von da so schnell wiederweg, weder Nächte unter Null Grad Celsius (ohne Heizung notabene) noch Sandflyschwärme oder Sturmwinde. Der DOC Camping, einzige Einrichtung ein Plumpsklo, schaffte es sofort in die Top drei aller je gesehenen offiziellen Campingplätzen. Die Kids waren ununterbrochen am Holzsammeln und Füürlen und abends fast nicht mehr in den Bus zu kriegen.

Camping: $8 pro Person. Lage: unbezahlbar.

Irgendwann ging uns dann allerdings das Essen aus und ohne Fischrute bzw. Jagdgewehr kommt man bei den Mavera Lakes eben nur schlecht über die Runden. Also weiter nach Queenstown, Geburtsort von Bungjeejumping und anderen adrenalinfördernden Vergnügungen sowie Neuseelands Touristenhochburg schlechthin. Nach einem Besuch auf dem Spielplatz und im Lebensmittelladen hielt uns dort nichts mehr auf, stattdessen genehmigten sich drei von uns vier ein Bad im eiskalten Lake Wakatipu.

Arrowtown, eine ehemalige Goldgräberstadt und ebenfalls sehr touristisch, hat uns da mit den historischen Häuschen und den schönen Cafes viel besser gefallen. Immer noch gibt es einige wenige Kauze, die ihr Geld mit der Suche nach Gold verdienen. Natürlich versuchten auch wir unser Reisebudget aufzubessern. Leider war es vergebene Mühe, das Resultat nach einer Stunde harter Arbeit: 1 winzigkleines Stückchen Gold. Wir haben uns trotzdem einen Lunch im Restaurant gegönnt.

Duschersatz.

Der Wille war da.

In Wanaka verbrachten wir die eine Hälfte der Zeit mit Auto flicken bzw. Abklappern von Autogaragen, Heimwerkerläden etc. und die andere Hälfte auf dem fägigen Spielplatz. Die Details ersparen wir Euch, immerhin gingen am dritten Tag Airbags und Standheizung wieder. Wohnen durften wir in Emma und Blakes neuem Zuhause, ein kleines aber feines Bungalow in einem Neubaugebiet. Eines der Zimmer bewohnten Georgie und Joe aus England, welche ihr Reisebudget in Wanaka mit besser rentierender Arbeit als Goldwaschen aufstockten.

Unpfusbarer Pfusbus.

In Schwung auf dem Lieblingsspielplatz.

Nach einem wärmenden Kaffee bzw. Tee im Cafe von Kellner Joe, es regnete in Strömen, nahmen wir die Westküste unter die Räder. Ein kleines bisschen wärmer und trockener durfte es allmählich schon werden, fanden wir. Beim Foxgletscher imponierte weniger der Gletscher, viel eindrücklicher war der wilde, von Schwemmholz übersääte Strand. Der perfekte Ort, um beim Spielen mit den Wellen nasse Schuhe zu kriegen und mit der weit herumgekommenen Familie Schmid Dietschi über das Reisen und die Welt zu philosophieren.

On the road.

Gillespies Beach.

Hokitikas gemütliche Ausstrahlung und die vielen kleinen Gallerien mit Jadeschmuck und anderem luden geradezu zum Lädelen ein, sogar Didier war mit dabei. Sämtliche Rohrers haben nun ein schönes Andenken mehr für um den Hals und Didier auch ein neues Veloleibchen. Der Vorsatz ist da. Dann luden wir den Pfusbus bis unters Dach voll mit Fressalien und installierten uns für ein paar Tage bei den Pancakerocks exakt auf dem selben Plätzchen wie fünf Wochen zuvor. Und wie fünf Wochen zuvor meinte es das Wetter sehr gut mit uns, daran erinnerte sich sogar noch der junge Typ an der Reception (und an unseren coolen Pfusbus mit dem Pop Up Roof und den Solar Panels).


Liebe Grüsse aus den Sommerferien senden euch die Pfusbüssler.

Verfasst von: Barbara & Didier | Februar 1, 2017

Wildlife in the South

Hallo Zusammen,

Eines schönen Abends, es regnete in Strömen, machten wir uns auf zur Pinguinexpedition. Ein voller Erfolg, gleich sechs Yellow Eyed Pinguins zeigten sich uns! Diese stark bedrohte Pinguinart ist die drittgrösste nach den Kaiser- und Königspinguinen. Es gibt nur noch wenige 100 Tiere in Festlandkolonien. Der grösste Feind ist der Mensch bzw. die von ihm auf Neuseeland eingeführten Tiere wie Hunde, Katzen und Possum, aber auch Begegnungen mit Fischernetzen können tödlich enden. Nicht zu vergessen sind all jene Touristen, die den Pinguinen viel zu nahe kommen und dadurch bei den Tieren gefährlichen Stress verursachen. Kein Wunder sind die meisten Brutplätze nicht mehr öffentlich sondern nur noch geführt zugänglich.

 
Yellow Eyed Pinguin. 

Seehund am Pfusen. 

In Duniden, es regnete in Strömen, hielt uns nicht viel auf, zumal die VW-Califonia-Bekanntschaft von den Pancakerocks das geplante Date kurzfristig platzen liess. Auf der Otagopeninsula kam dann aber tatsächlich wieder einmal die Sonne raus, also sofort eine Tour zur Albatroskolonie buchen! Laut dem Webeflyer ist es die einzige Kolonie von Albatrossen auf dem Festland. Hmm, seit wann ist die Südinsel ein Festland? Werbegag hin oder her, so ein Riesenvogel fliegen zu sehen wär schon schön. Bei schönstem Wetter hörten wir am nächsten Tag also die junge Tourguidin sagen „Bei diesem Wetter fliegen Albatrosse leider höchst selten, es ist viel zu schön!“. Nun, mit einem Gewicht von 5 bis 7 Kilo braucht es trotz einer Flügelspannweite von 3 Metern schon ein bisschen Wind, damit der Königsalbatros vom Boden wegkommt, das können wir verstehen. Um so schöner das Gefühl, als tatsächlich ein Albatros  zwei Runden vor der Beobachtungsstation drehte! 

Königsalbatros am Brüten.

Königsalbatros am Fliegen.

Die Gruppenführung wurde ein paar Minuten später zur Privatführung. Wir vier waren die einzigen, die sich auch noch für das Fort interessierten. Was für ein glücklicher Zufall! Nicht wegen der Führung an sich, aber wie wir da so mit Sommer ins Gespräch kamen, gab sie uns einen unbezahlbaren Tip mit auf den Weg. Über kleine und kleinste Gravelroads ging es also weiter zum wunderschönen und fast menschenleeren Allens Beach, wo die Kinder wortwörtlich zwischen Seelöwen sandeleten! Ein Spektakel der Sonderklasse (die Seelöwen, nicht die Kinder)!

Seelöwen sind nicht menschenscheu. Dieser Teenieboy kam grad aus dem Wasser.

Am Posen für das Fotoshooting.

Fischen macht müde.

So viel Glück mit Pinguinen, Albatrossen und Seelöwen macht seelig und wir werden diese wunderbaren Begegnungen für immer in Erinnerung behalten. Aber das war noch nicht alles! Während wir so in den Catlins herumcruisten, mal da eine Wanderung zu einem Leuchtturm oder Wasserfall machten, mal dort an einem Strand am Sandelen waren, landeten wir eines Tages in der Porpoise Bay. Und wie wir da so die Füsse ins Meer hielten und ein paar Meter weiter draussen ein paar Leute im Neoprenanzug herumplantschten, kamen zwei der ganz seltenen Hectordelfine angeschwommen! Es war kaum zu glauben, aber die beiden neugierigen Tiere schwammen immer wieder kreuz und quer zwischen der kleinen Menschengruppe hindurch.Wir waren schlussendlich mittendrin, mit den Kleidern notabene.

Links die drei Rohrers, rechts die zwei Rückenflossen.

Am Surfen.

Nugget Point.

Hectordelfine kommen einzig vor Neuseeland vor und es gibt nur noch zwischen drei und viertausend Tiere. Die Porpoise Bay ist gemäss Infotafel weltweit der einzige Ort, wo sich Delfine ohne von Menschen mit Futter angelockt zu werden so nah an einem Badestrand tummeln.

Der südlichste Punkt der Südinsel schien uns ein guter Ort zum Frühstücken nach einer sehr nassen Nacht auf einem sehr nassen Feld mit Fellowcampern, die lieber ihre Fahrzeuge im Schlamm versenkten, als vorher die Hirnzellen einzuschalten. Eine Regenpause kam uns sehr gelegen für einen Ausflug zum Waipapa Point, where you can tip toe around Sealions, gemäss Reiseführer. Seelöwe war grad keiner in der Nähe, aber zum Sandelen und Muschelsuchen war der wilde Strand perfekt, zumal endlich wieder Mal die Sonne zwischen den Regenwolken hervorlugte. Auf einmal kam unweit von Barbara und Lysa ein Seelöwenmännchen aus dem Wasser, rollte sich im Sand hin und her und legte sich dann zum Pfusen nieder. Lysa schaute dem Bigboy eine Weile zu und rannte dann Papi und Julien entgegen, die nahe der windgeschützten Klippe am Baggeren waren. Kurz vor dem Ziel ein Stolperer und Lysa lag flach auf dem Boden. Der Sprint von Barbara um Lysa aufzuheben schien Didier dann völlig übertrieben, war doch gar nichts passiert, oder? Wenige Sekunden später donnerten gegen 400 Kilogramm Seelöwe eine zwei Meter hohe Steilwand runter auf den Sand, so ziemlich genau dort, wo unsere Tochter vorher lag! Lysa schien wenig beeindruckt, wir haben unsere Lektion allerdings gelernt: Unterschätze nie einen Seelöwen! Noch heute können wir nicht begreifen, wie so ein Koloss diese Klippe raufkam. Warum er runter kam, war schnell klar, er musste vis-à-vis dem Neuankömmling Präsenz markieren. Nach ein paar Brüllern und Boxen war die Sache erledigt und beide Seelöwen legten sich zum Pfusen in den Sand, der eine ausgerechnet auf Juliens Baustelle! „Seelöi fas uf Lysa achepolet“ ist seither Lysas Lieblingsgeschichte. Hier die Fotostory:

 


In Invercargill war aus wettertechnischen Gründen shoppen angesagt, die Kinder kriegten je zwei lange Thermoshirts, Julien eine dichte Regenjacke und Barbara neue Wanderschuhe. Wir sind jetzt Member von dem Laden…

Meet the Locals auf dem Stadtcamping.

Wegen dem nassen und kalten Wetter machten wir am letzten Strand vor dem Fjordland nur eine Mittagsrast statt wie vorgehabt ein, zwei Tage sun, fun and nothing to do. Die Wetterprognose lies leider keine Hoffnung auf Besserung zu. Also fuhren wir landein Richtung Te Anau. Unterwegs durften wir ein paar Jungs beim Schafschären zuschauen. Beim ziemlich ab vom Schuss gelegenen Monowai See landeten wir nach zwei Monaten cämpelen auf dem allerersten Platz, wo füürle erlaubt war! Wir parkten den Pfusbus mitten im Wald neben eine Feuerstelle und machten uns sofort an die Arbeit. Nach zwei Stunden brannte schliesslich unser Lagerfeuer auch mit nassem Holz und bei Nieselregen wunderbar, nur war dann leider schon fast Schlafenszeit. A propos schlafen, es wurde wieder einmal eine kurze Nacht. Um halb fünf erwachte Barbara wegen einem ungewöhnlichen Geräusch. Vermutlich verfetzte gerade ein Tier den Abfallsack, der draussen am Auto hing. Also raus aus den Federn und nachgucken gehen. Fehlanzeige, da war kein Tier. Wieder drinnen im Schlafsack aber wieder das Geräusch: Ein Tier am Nagen oder am Herumrennen, wir waren uns nicht einig. Aber eindeutig ein Tier im Auto. Nur wo? In der Standheizung? Die ging nämlich nicht mehr! Immerhin sprang der Pfusbus noch an. Didier nahm im Dunkeln das halbe Auto auseinander, leider erfolglos. Und Kollegen machten wir uns mit dem Lärm auch nicht. Aber das Lebewesen nagte munter weiter! Um halb sieben die nicht gerade ermutigende Feststellung, dass die Bordbatterie völlig leer war. Was zum Donner war hier los? Uns reichte es, wir legten uns nochmals eine Stunde schlafen. Neben Barbaras Ohr knabberte es derweilen fröhlich weiter…

Nach einer genauen Analyse unserer Lage und einem weiteren Automechanikereinsatz von Didier am nächsten Vormittag lag die Vermutung nahe, dass die Boardbatterie defekt war, weswegen auch die Standheizung nicht mehr funktionierte. Probleme hin oder her, wir hatten am Abend eine Verabredung im Milfordsound und wollten weiter. Zu fünft, unser neues Haustier beschloss nämlich, mitzukommen.

Byebye, die Pfusbüssler

Verfasst von: Barbara & Didier | Februar 1, 2017

Adventure at Aoraki

Dear all

Höher geht es nicht: Der Aoraki bzw. Mt Cook ist mit 3754 M.ü. M. der höchste Berg Neuseelands. Hoch war auch der Abenteuerfaktor während unserem Aufenthalt an seinem Fuss. Fast hätte es gereicht, um die ‚Wirsindsoebenmitdemlebendavongekommen’-Ovoschoggi, die während grösseren Reisen standartmässig an Bord ist, anzuknabbern.

Wir haben es mehrmals gehört: Am Südende vom Lake Pukai gibt es einen Gratiscamping mit super Sicht auf den Mt Cook. Nun ja, bei Regen war die Sicht nicht gerade berauschend, also konnten wir die restlichen fünfzig Kilometer bis Mt Cook Village auch gleich unter die Räder nehmen. Regen sei Dank war kein Gedränge auf dem einzigen Camping im Tal dem White Horse Hill vom DOC. Wir stellten den Pfusbus auf ein Kiesplätzchen, schalteten zum ersten Mal überhaupt die Standheizung ein und verbrachten den ganzen Abend indoor. Während die Temperatur immer mehr sank, regnete es munter weiter. Wir waren parat für eine kalte Nacht. Im luftigen ersten Stock steckten wir Lysa im Langarmfliespyjama inklusive Thermohose, Faserpelzjacke und Mütze in den dicken Schlafsack, während im Erdgeschoss wegen der Standheizung zumindest Jacke und Mütze weggelassen werden konnten. Irgendwann mitten in der Nacht dann die Feststellung: Es hat aufgehört zu regnen, alles ist ganz still. Viel zu still eigentlich! Um halb fünf erwachte Barbara, weil es eiskalt war im Parterre. Die Standheizung hatte wohl keinen Bock mehr auf Arbeit und es war nicht sofort klar, ob Julien tiefgefroren oder im Tiefschlaf war. Also erst Mal auch im Erdgeschoss mit warmer Kleidung aufstocken. Deswegen erwachte auch Didier, zum Glück! Einzig die aufeinandergestapelten Kleiderkisten bewahrten Lysa und ihn im ersten Stock davor, plattgewalzt zu werden: Das Hochstelldach war kollabiert! „Holy shit!“ hätte Mark Watney gesagt. Ein Blick aus dem Fenster lieferte die Erklärung: Es schneite! Es schneite grosse pflotschige Scheeflocken. Nach dem ersten Schrecken fanden Lysa und Julien diese Tatsache super im Gegensatz zum Papi, der gar nicht amused war, morgens um fünf Schnee vom Pfusbusdach zu räumen. Das Dach hielt trotzdem nicht mehr, aber hey, die markwatneymässige Reperatur verhalf unserem 7 Wochen alten Sonnenschirm zu seinem allerersten Einsatz! Wer jetzt nicht weiss, wer Mark Watney ist, dem sei das Buch „The Martian“ zu empfehlen, sehr gute Story! Item, die Kids freuten sich auf die Schneeballschlacht und schlummerten wieder ein und die Standheizung machte sich auch wieder an die Arbeit.

Pfusbusschlafzimmerblick 6:00 am.

Aushilfsjob für die Sonnenschirmstange.

Um 9:00 am wurde es wieder lauter, es regnete…

Und es regnete munter weiter. Die sms von Guide Charly war dann auch keine Überraschung, die gebuchte Glacier Seekayaking Tour war gecancelled. Wegen so ein bisschen Wind und Regen liessen wir uns aber den Tag nicht verderben. In Vollmontur wanderten wir zum Tasman Glacier View Point und spätnachmittags gleich noch zum Kea Point. Die Kinder sind mittlerweile beide richtige Weitwanderer und sind fast immer für die schönen Kurzwanderungen zu haben, von denen es hier in Neuseeland an jeder Ecke welche gibt. Und sollten mal Lieder singen, diverse selbsterfundene Spielchen spielen und gutes Zureden nicht mehr helfen, dann hat es im Rucksack ein Kuukiduuki (Schokoladencookie) zur Konsumation am Ziel. Erfolgsfaktor: 100%.

Aussicht vom Kea Point.

Hooker Valley Track.

Und vom Tasman Glacier View Point.

Eisberge auf dem Tasman Lake.

Auch die nächste Nacht war nicht zum Durchschlafen. Plötzlich war es auch ohne Heizung viel zu warm im Pfusbus und wir mussten uns tatsächlich mitten in der Nacht aus den Icebreaker-Thermokleidern schälen, was für ein verrücktes Wetter hier beim Aoraki! Und dann ein Weltklassestart in den nächsten Tag: Zmörgelen im T-Shirt, das konnten wir schon seit Wochen nicht mehr! Diesmal keine Textmessage von Charlie, also die Wanderschuhe schnüren und ins Village laufen. In der Mountaineers Hut gönnten wir uns einen köstlichen Burger, dann wanderte Didier mit den Kids zurück zum Cämpeling und Barbara machte sich mit Charlie und einem Paar aus Arizona auf zu den Eisbergen. Es kam wie es kommen musste, der Boss nahm hinten im Kayak platz und Barbara vorne. So gesehen sicher der sicherste Platz, aber definitiv auch der anstrengenste: „Pull hard, Barbara, pull! Nice long strokes, Barbara! Pull hard!“ So einen kleinen Eisberg von nah zu sehen und gar anzufassen war eindrücklich. Von den grossen mussten wir aber gebührenden Abstand halten. Kippt ein Eisberg oder brechen grössere Stücke ab will man lieber nicht in der Nähe sein, denn ein Bad im Gletschersee hätte üble Folgen. Auch Flutwellen von Gletscherabbrüchen sind gefürchtet, insbesondere wenn man sich in Ufernähe aufhält. Infolge vom Christchurch-Erdbeben brach vom Gletscher ein 30 Mio t grosses Stück ab und schickte 3 Meter hohe Wellen über den See! Nach ein paar eindrücklichen Stunden auf dem Wasser ging es zu Fuss zurück zum Pfusbus, wo gut gelaunte Kinder warteten und Didier bereits am Abendessen kochen war. Die beiden offenen Blasen an den Daumen werden noch lange an diese verrückte Kayaktour erinnern.

What a view! Links der Mt Cook.

Auf Tuchfühlung mit den Eisbergen.

Die nächste Nacht dann war moderat und bestens zum Durchschlafen geeignet. Der Campingplatz platzte nun aber aus allen Nähten und wir machten den Schönwettertouristen platz. Ein Fahr- und Supplytag war angesagt. Mit vollem Tank und voller Kühlbox stellten wir den Pfusbus in Moeraki auf ein windgeschütztes Plätzchen und gönnten uns wiedermal den Luxus einer Dusche und unseren Kleidern ein paar Umdrehungen in der Waschmaschine. Das Kleidertrocknen war eine sportliche Angelegenheit, Sonne und Regen wechstelten sich im Stundentakt ab. Unerwarteterweise blieben wir in diesem winzigen Hafenkaff mehrere Tage stecken. Der Camping war nur halbvoll und angenehm ruhig, das Pupessen in der Taverne erinnerte an Good Old Scottland und Strand und Spielplatz waren in bequemer Kinderspazierdistanz. Ein bisschen weiter weg waren die Moerakiboulders, der Hinweg via Beach sind die Kinder selber gewandert, der Rückweg dann waren sie auf unseren Schultern. Ein bisschen Tempo war angesagt, sonst hätte uns die Flut den Weg abgeschnitten. Es hat halt sehr lange gedauert, um diese paar Bilder mit Steinkugeln, aber ohne andere Touris knipsen zu können:



Jetzt wünschen wir Euch eine gute Zeit! Wir melden uns wieder ganz aus dem Süden. 

See ya, die Pfusbüssler

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