Verfasst von: Barbara & Didier | Januar 7, 2017

Waitomo and Tongariro

Hello out there!
Seid ihr alle gut ins 2017 gestartet? Wir ziemlich stürmisch, wortwörtlich gemeint. Aber blenden wir noch kurz ins alte Jahr zurück: Nach zwei Stunden Kilometerfressen gemeinsam mit halb Auckland, so schien es wenigstens, lichtete sich der Verkehr endlich. Die Neuseeländer bogen zum Sommerferienstart Richtung Coromandel Peninsula ab, wir steuerten Otorohanga an. Zeitig am nächsten Tag verschwand Didier in Waitomo zum Blackwaterrafting unter Tags, während Barbara ganz spontan für den Rest der Sippe die familienfreundliche Führung durch die Glowworm Caves buchte. Der junge Mann am Schalter meinte es gut und verkaufte uns gleich Tickets für die nächste Tour, aber alleine mit zwei Kids innert 15 Minuten beim Höhleneingang parat zu sein, notabene noch fünf Autominuten vom aktuellen Standort entfernt, war eine relativ sportliche Angelegenheit. Just in Time standen wir vor der Höhle parat, zusammen mit 25 anderen Touristen. Der amüsante Guide, ein Maori, führte uns zur Cathedral Cave, schön zwar, aber nicht wahnsinnig beeindruckend. Beeindruckend war dann aber seine Gesangseinlage, ein traditionelles Maorilied, zwecks Demonstration der Akkustik. Dann leuchteten in einer dunklen Ecke die ersten Glühwürmchen, und als der Guide schliesslich das Licht anmachte, konnte man die langen, schleimigen Fäden der Larven sehen, deren Ende im Dunklen eben leuchtet. Julien meinte, das müsse er sofort dem Papi erzählen, dass er nun wirklich ganz echte Glühwürmchen gesehen habe. Die, die man im Dunklen sieht, die sind äbä nicht ganz echt… Dann wurden wir auf einem unterirdischen See in ein Boot verladen und mussten mucksmäusschen still sein. Die Glühwürmer, die Verniedlichung schien nun irgendwie nicht mehr so passend, mögen nämlich keinen Lärm. Julien und Lysa machten bei der wackligen und finsteren Aktion zum guten Glück tapfer mit und waren dann auch merklich beeindruckt, als abertausende von Glühwürmer über uns an der Höhlendecke funkelten. Oder eben tausende Larven an schleimigen Fäden… Schön war es sowieso. Wieder am Tageslicht verbrachten wir die Wartezeit auf dem Spielplatz, um dann zurück beim Ausgangspunkt einem geschafften aber glücklichen Papi von den echten Glühwürmern erzählen zu können. Nach dem checken der Wetterapp war der Fall sonnenklar: Sofort weiter zum Tongariro Nationalpark, morgen tut sich ein Schönwetterfenster auf!

Und was für eines! Um 05:45 war Tagwacht und keine einzige Wolke am Himmel. Schnell die noch verschlafenen Kinder mit einem Güezi in die Kindersitze stecken und los zum Ausgangspunkt für das Tongarirocrossing, der wohl spektakulärsten Tageswanderung ganz Neuseelands. Barbara erinnert sich an die Wanderung mit Pesche, Jeannette und Simu vor 15 Jahren als wäre es gestern gewesen, denn damals tat sich nach vielen Tagen Sturm und Regen ebenfalls ein Schönwetterfenster auf, allerdings erst auf halbem Weg. Temperaturen um die Nullgradgrenze, null Sicht, eisige Sturmböen, waagrechte Eiszapfen an den Felsen und Wanderer, die auf der Krete nur noch auf allen vieren krochen. Jetzt war Didier an der Reihe, um 06:45 zog er bei perfekten Bedingungen los. Der Rest der Familie kümmerte sich erst Mal ausgiebig um die knurrenden Mägen, wobei die Umgebung spektakulär schön, aber die Temperatur rekordverdächtig tief war… Aber dann blinkten die ersten Sonnenstrahlen über den Vulkan und alles wurde gut, sogar die Laune der Kinder. Immer noch karrten unzählige Busse Wanderer den Hügel rauf und die parkierten PWs bildeten eine lange Blechschlange entlang der ohnehin schon engen unbefestigten Zufahrt. Diejenigen, die erst um diese Zeit ihre Autos parkten, mussten bestimmt schon über eine halbe Stunde marschieren, ehe die Wanderung überhaupt anfing. Die drei Verkehrsleiter hatten die Lage aber im Griff und dirigierten uns dank Walkietalkies wieder den Hügel runter ohne zwischen Bussen blockiert zu werden. Über 2000 Leute, sagten sie, wollen das Schönwetterfenster nutzen! Didier war also nicht ganz der einzige, zum Glück aber einer der ersten und nahm die Wanderung gewohnt zügig in Angriff, um den Massen zu enteilen.

Wieder auf der Hauptstrasse bog Barbara mit einem Hintergedanken im Kopf statt nach rechts nach links, da waren nämlich am morgen Früh irgendwo zwei Sportflugzeuge auf einem Feld parkiert gewesen. Flieger war zwar keiner mehr da, aber wir hatten ja Zeit. Als sie dann landeten meinte der junge Pilot „what a crazy day“, es laufe grad alles aus dem Ruder und ja, eigentlich seien sie ausgebucht aber wenn wir vielleicht etwas Geduld hätten, dann vielleicht um fünf, aber eben, das Wetter, das könne vielleicht noch ändern, einfach vielleicht noch ein bisschen warten bitte. Nun, wir hatten ja Zeit, im Gegensatz zu allen andere Touristen, die meisten mussten noch ihr Tagespensum von 200 km oder mehr bewältigen. Und plötzlich kam die Bestätigung: Take Off 17:00 pm. Doch noch eine Chance für uns drei Nichtwanderer, die spektakuläre Vulkanlandschaft zu sehen! Und eine Überraschung für den nichtsahnenden Papi. Lysa wollte ihn gleich mit dem Flugzeug abholen gehen und war gar nicht einverstanden, sich nochmals in den Pfusbus zu setzen. Da nutzte aber alles sträuben nicht, wir mussten auf dem Landweg los, um Didier am anderen Ende des Crossings abzuholen. Auch dort war alles zugeparkt, aber die drei Verkehrsleiter liessen uns sofort durch die Strassensperre, man kennt sich ja schliesslich. Da kam uns auch schon ein geschaffter aber glücklicher Papi entgegen, statt den angegebenen 7 bis 8 Stunden brauchte er knappe 5. Und dabei kam auch das Fotografieren nicht zu kurz:

Der Nga-something (Mount Doom) im ersten Sonnenlicht.

Und hier die Aussicht. Weit im Hintergrund der Mt. Taranaki.


Noch mehr Krater auf dem Weg.

Die Emerald Lakes.

Fauchende Fumarolen.

Immer noch war der Himmel blau und Barbara fuhr die drei müden Mitfahrer einmal rund um die drei Vulkane Ruapehu, Tongariro und Ngauruhoe. Alle drei sind sehr aktiv, der Ruapehu rumpelte zuletzt 2007 und der Tongariro 2012. Dann war Zeit für ein Glacé respektive Kaffee wobei auch der Pfusbus die Aussicht genoss:

Der Ngauruhoe. Ein Vulkankegel wie aus dem Bilderbuch.

Keine zwei Minuten später war der Ngauruhoe komplett in Wolken gehüllt: Oh No! Wenig später zurück im Häusschen der beiden Piloten war die Stimmung gar nicht gut, alle Passagiere mussten Wartezeiten in Kauf nehmen, es war wie gesagt ein crazy day und alles lief schief. Ausser für uns! Pünktlich um fünf musste der schwerste von uns auf den Copilotensitz, der Pilot setzte Julien auf zwei Kissen und Lysa auf Mamis Schoss und schon waren wir in der Luft! Die kleine Maschine wurde ganz schön durchgeschüttelt und wir mit ihr. Immer höher gings, über die Vulkanflanken bis zu den Fumarolen, Schwefelgeruch in der Nase, Schmetterlinge im Bauch. Einmal rund um den Vulkankegel, weit und breit keine einzige Wolke mehr, freier Blick in den Krater. Ein wahrlich unbezahlbarer Moment!

Wieder mit Boden unter den Füssen machten wir uns glücklich und zufrieden auf zum selben Pfusplätzchen wie die Nacht zuvor, wo anstelle einer warmen Dusche zwar nur ein eisiger Bach wartete, dies aber mitten in der Wildnis und weitab der Zivilisation. Genau so wie wir das mögen. Was für ein perfekter Tag!

See ya,

Die Pfusbüssler


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