Verfasst von: Barbara & Didier | Mai 16, 2017

Bye Bye New Zealand, Hello Switzerland!

Dear Followers

Jetzt haben wir Euch ganz schön lange warten lassen auf diesen letzten Post. Back home hat uns der Alltag ohne Rücksicht sofort in Beschlag genommen und zum Bloggen fehlt plötzlich die Zeit. Oder stüdelen wir einfach die Tatsache heraus, dass sie nun entgültig fertig ist, unsere grosse Reise? Wie auch immer, hier noch der (vorläufig) letzte Teil.

Damals am Ohope Beach, es fühlt sich jetzt schon an als sei seither eine halbe Ewigkeit vergangen, kam das Wochenende und mit ihm so viele Camper, dass uns der Abschied nicht allzu schwer fiel. Weit kamen wir allerdings nicht, zu gross die Verlockung, nach nur gerade dreissig Minuten pfusbüsslen rechts abzubiegen um uns auf dem altbekannten Matata Camping einzuquartieren. Natürlich sind wir wieder drei Tage hängen geblieben, natürlich gab es wieder Fish&Chips aus fangfrischem Snapper und natürlich ging oben im Dorf wieder mitten in der Nacht der Alarm der Freiwilligenfeuerwehr los. Hakuna Matata!

Sandelen am Ohope Beach. 

Matata wir sind wieder da! 

So ohne Cooks und Debbies war es wettertechnisch schon fast etwas eintönig geworden, was uns allerdings ganz gelegen kam. Mit so gegen 20 Grad, viel Sonne und wenig Wind liess es sich hervorragend cämpelen und die herbstlich gefärbte Landschaft lud förmlich zu einem letzten Roadtrip ein. Also auf über Land zum Lake Rotorua, an dessen Ufer entlang und weiter nach Tirau. Das Dorf soll berühmt sein für seine Wellblechbauten, nur wo waren die? Ausser dem als Schaf getarnten Visitorzentrum war nichts zu sehen und der gelangweilte Herr, der sozusagen im Schafsbauch hinter dem Schalter sass, meinte denn auch mit entschuldigender Miene, dass da tatsächlich nicht viel mehr sei. Wir sollen besser nach Hobbiton fahren, das sei interessanter. Das Filmset von «The Hobbit» haben wir schon vor längerem von der Liste gestrichen, aber so ein Lunch bei Frodo und Co, warum nicht? Es war schliesslich kurz vor Zwölf und die Mägen knurrten. Wir staunten nicht schlecht, als uns das schiere Ausmass dieser Touristenattraktion bewusst wurde. Unzählige grüne Hobbiton-Reisecars chauffierten pausenlos Menschen zum hermetisch abgeriegelten Hobbiton-Filmset. Im hoffnungslos überfüllten Hobbiton-Souvenirshop wurde gerempelt und gestossen um völlig überteuerte (und recht bescheuerte) Hobbiton-Andenken zu bezahlen. Didier flüchtete schnurstracks ins Hobbiton-Restaurant für einen Hobbiton-Lunch, Lysa hingegen kümmerte der Rummel überhaupt nicht. Dank idealer Körpergrösse kriegte sie keinen einzigen Ellbogen in die Rippen und bald hatte sie etwas im Arm, das sie nicht wieder hergeben wollte. Nun, immerhin war es kein Plastikgollum oder Dragon-Inn-Bierhumpen, sondern ein durch und durch Hobbiton-freies Plüschschaf. Das Mami konnte nicht nein sagen, wie wir allerdings den mittlerweile recht stattlichen Plüschzoo je in unsere zwei Reisekoffer bringen sollten, blieb ein Rätsel. Das Hobbiton-Essen war übrigens ausgezeichnet. 

Da hinten liegt Hobbiton. 

Nach der Hobbiton-Überdosis, ohne überhaupt Hobbiton gesehen zu haben, rollten wir der Goldminenstadt Waihi entgegen. Währenddessen lief hinter dem Fahrersitz Lysas neues Trinkfläschli komplett aus. Das Abendprogramm war also vorgegeben und Didier montierte nach Wanaka zum zweiten Mal den Fahrersitz zwecks Trocknungsaktion heraus. Immerhin wusste er nun wie und der Sitz war pünktlich zur Schlafenszeit wieder drin. Wo allerdings der halbe Liter Wasser war, blieb ein Rätsel.

Die Goldminentour am nächsten Vormittag barg eine Überraschung. Statt den Monstertrucks in der offenen Mine beim Laden und Fahren zuzusehen, da waren nämlich keine, blieb unser Blick auf einem riesigen Schutthaufen haften. Es ist noch nicht lange her, da stürzte eine Seite der Mine komplett ein, zum guten Glück für die Arbeiter mitten in der Nacht. Ein solches Bild hätten wir in Afrika oder Bolivien erwartet, aber in Neuseeland? Unser Tourguide chauffierte das kleine Grüppchen schliesslich noch zur Untertagsmine, wo wir zwar nicht reindurften, aber zu Juliens grosser Freude ein paar Monstertraxe (was ist die Mehrzahl von Trax?) unterwegs waren.

Shit happens!

Stilgerechtes Outfit. 

Dann war sie da, die letzte Campingplatzübernachtung. Jaja, da kam schon Wehmut auf, während wir so zum letzten Mal in Neuseeland über dem Benzinkocher Teigwäreli kochten und nun plötzlich auch zu denen gehörten, die ihre Vorräte links und rechts verschenkten. Immerhin lernten wir im campingeigenen Thermalbad noch ganz interessante Menschen kennen, bevor wir am nächsten Vormittag zum dritten und letzten Mal auf dieser Reise das Büro vom Verschiffungs-Agenten ansteuerten. John begrüsste uns mit den Worten: «I didn’t want to tell you by e-mail, but there is a little problem». Es hätte uns ja gewundert, wenn die perfekt aufgegleiste Verschiffung für einmal einfach so reibungslos klappen würde! Auf jeden Fall konnten wir nun den Pfusbus nicht wie geplant im Hafen abgeben und dann zu Fuss ins gebuchte Hotel schlendern. Wegen dem Frachtschiffstau im Hafen musste unser Bössli erst am anderen Ende der Stadt zwischengelagert und dann auf ein Transporter geladen werden um so zum Hafen zu gelangen. Ihr dürft einmal raten, wer für den ganzen Zirkus zu bezahlen hat. Als alte Hasen im Geschäft galt es also wieder einmal, einfach lässig mit der Schulter zu zucken, und das Ganze abzuhaken.

Noch war er ja bei uns, der Pfusbus. Er fand den Weg zu Valerie und Pats Haus schon fast alleine und wir stellten fest, dass wir uns in Auckland schon ziemlich heimisch fühlten. Die Hausherren weilten gerade für zwei Wochen im Iran und Sohn Nick war am Housesitten. Ob wir sie damals in London mit unserer Liebe zum Iran für diese Reise inspiriert haben? Die grosse Pfusbusputzete und Kofferpackete begann. Und wollte und wollte nicht mehr aufhören. Nach zwei Tagen schliesslich aber hatte jeder der gefühlten 10’000 Gegenstände vom Pfusbus ein neues Plätzchen gefunden, entweder in unseren Koffern, im Pfusbus selber, im Hause Alley oder im Müll- und Recyclingcontainer. Dann lieferte Didier unser treues Zuhause auf Rädern im Lager ab und fuhr per Taxi zurück zur restlichen Pfusbuscrew.

Pfusbusputzete. 

Bye bye Pfusbus, we are looking forward to see you soon in Bremerhaven! 

Wie wir da nun vor unserem riesigen Gepäckberg standen und kurz davor waren, mit dem ÖV in die Stadt zu fahren, meinte Didier plötzlich: «No way!» und rief dasselbe Taxiunternehmen an. Eine kluge Geste, wurden aus den doch etwas angespannten Eltern sofort total entspannte Eltern mit zwei total zufriedenen Kindern, die vor Aufregung keine Minute still sein konnten: Erst durften sie wie die Grossen, sprich ohne (!) Kindersitz, zum allerersten Mal in ihrem Leben Taxi fahren, dann wägelete ein Hotelboy sämtliches Gepäck durch die Lobby, der Glaslift rauf in den 21. Stock bot eine Wahnsinnsaussicht, das Zimmer ebenso und als Tüpfchen auf dem i war da noch ein grosser Fernseher im Raum. Und dann erst das Frühstück am nächsten Morgen! Das Buffet musste dem asiatischen, orientalischen und westlichen Gaumen gleichermassen gerecht werden und war dementsprechend abwechslungsreich. Wir staunten nicht schlecht, was da alles in den kleinen Kindermäulern verschwand. 

Petrus präsentierte uns zum Schluss nochmal so richtig typisches NZ-Wetter und so verzogen wir uns ins unterirdische und somit trockene Sealife, bevor wir Manoj zu Bier, Burger und einem ausgiebigen «Was seither geschah»-Gespräch trafen. Manoj war damals in Bolivien mit auf dieser unvergesslichen Jeeptour im Altiplano (der treue Leser erinnert sich).

21. Stockwerke weiter unten war eine Baustelle. Wer braucht da noch einen Fernseher? 

Und gegenüber der Skytower, aufgenommen von Jungfotograph Julien. 

Der Babyccino war ein Hit. 

Staunen im Sealife. 

It was great to meet you again Manoj. All the best for your future! 

Am nächsten und letzten Morgen wurde es kurz hektisch, als Barbaras Hotelzimmermagnetkarte untertauchte, dann aber waren alle ready für die Heimreise. Lysa fand die Taxifahrt zum Flughafen diesmal überhaupt nicht toll, so tief unten im Ledersitz sah sie nämlich nicht zum Fenster raus. Irgendwann öffnete der Fahrer das Fenster und wollte von uns wissen, ob die Kleine kotzen muss. Nein Nein, sie beschwert sich nur, dass sie die Baustellenfahrzeuge nicht sehen kann. Der Fahrer, selber Vater von einem Zweijährigen, traute der Sache aber nicht, das Fenster blieb offen.

Was nützen Ledersitze, wenn man nicht aus dem Fenster sieht?

Die riesige Menschenschlange vor dem Check In war schuld, dass wir mit einem Kind an der einen und einem Takeawayburger in der anderen Hand zum Boarding sprinteten, statt gemütlich im Restaurant zu essen und dann die letzten Dollars in den Souvenirshops zu verprassen. Der erste Flug verging fast wie im Flug, jedenfalls wurde uns trotz einer Flugzeit von sage und schreibe 18 Stunden nie langweilig. Ungefähr sechs Stunden davon waren ziemlich wild und sämtliche Passagiere und das Personal mussten angegurtet sitzen bleiben. Bis auf Barbara, deren Gurt war nämlich defekt. Sie war nicht sonderlich amused, worauf die eine Flightattendant schliesslich doch noch auf die Idee kam, in der Businessclass nach einem Ersatzgurt zu suchen. Ab diesem Zeitpunk kam kein einziges Luftloch mehr. Defekt waren auch die Bedienungselemente der Boardunterhaltung und auch sonst machten Flieger und Service mehr schlechte als rechte Werbung für Qatar Airways. Bis Lysa 20 Minuten vor der Landung (der Taxifahrer würde sagen doch noch) kotzte. Sofort war uns die ungeteilte Aufmerksamkeit sämtlicher Flightattendants garantiert. Die ca. 100 geschenkt gekriegten Erfrischungstüchlein füllen jetzt unseren Badezimmerschrank, Lysa war nach dem Zwischenfall nämlich zu unserer grossen Erleichterung wieder topfit.

Das Umsteigen in Qatar war ungleich entspannter als fünf Monate zuvor, standen doch bei Ankunft Kinderbuggies bereit und mit zwei Stunden Aufenthalt hatten wir auch doppelt so viel Zeit zur Verfügung. Flieger Nummer zwei war um einiges moderner und die verbleibenden sechs Flugstunden vergingen zwar nicht gerade wie im Flug, aber doch recht angenehm. Dann berührten die Räder Schweizer Boden, nach fünf wunderbaren und unvergesslichen Monaten hat uns die Heimat wieder.

Nachdem uns die Zöllnerin auf Schweizerdeutsch begrüsst und das Gepäckband unsere Taschen ausgespuckt hatte, wurden wir von den beiden Grosis, Götti Roland und Grosstante Lotti herzlich in Empfang genommen. So schön! Im Spielwagen nach Bern bandelte Julien sofort mit den anderen Kindern an. Wie sehr sich unser Bub doch verändert hat! Aus dem Sprint zum Anschlusszug wurde nichts, standen nun auch noch die beiden Gottis und der kleine Cousin Leo auf dem Perron. Natürlich musste das Wiedersehen mit einem Kafi gefeiert werden, bevor es weiter ging zum Endbahnhof. Dort wartete der Grossvater mit dem frisch eingelösten und geputzten Familienauto und Daheim schliesslich eine blitzblanke Wohnung, ein voller Kühlschrank und frisch angezogene Betten. Und die Regendusche, die hat Didier am meisten vermisst!

Danke Euch allen für diesen herzlichen Empfang! Wir sind gerne wieder da, wenn auch ein Teil von uns gleich morgen wieder aufbrechen würde. Einmal Pfusbüssler – immer Pfusbüssler.


 

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Responses

  1. Ihr Lieben,
    So schön, dass ihr auch diesen wichtigen Abschnitt noch mit uns allen geteilt habt, wo sich Wehmut mit Freude mischt. Allein das Lesen eures Heimkehrens hat bei mir ein Kribbeln im Bauch ausgelöst – bei uns ist es in 10 Tagen soweit.
    Wir freuen uns jetzt schon, euch zurück in der Heimat zu treffen, um gemeinsam in Erinnerungen und Fernweh zu schwelgen!
    Herzliche Grüsse aus Koh Phangan, Thailand


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