Verfasst von: Barbara & Didier | Februar 20, 2012

Von San Martin nach Santiago

Santiago de Chile, 20.02.2012, 42‘390 km

Hola chicos!
Wir grüssen Euch aus Santiago de Chile, welches momentan eine Doppelrolle als Hauptstadt und als Backofen spielt. Wettertechnisch waren die letzten Tage und Wochen eine Achterbahn, von 5 – 35° Grad und Regen und Nebel bis zu strahlendem Sonnenschein gab es alles. Von San Martin de los Andes ging es bei schönstem Wetter hoch zum Paso Carriniñe, mit Stopover an der wunderschönen Laguna Verde mit Lavastrand. Die Abfertigung beim argentinischen Zollhäusschen in der Grösse einer Telefonkabine dauerte rekordverdächtige 60 Sekunden, danach investierten wir nochmals 120 Sekunden zum Abklären, ob es wirklich kein Problem ist, bei den chilenischen Zöllnern erst einen Tag später vorbeizugehen. Immerhin lagen fast 100 km Niemandsland vor uns. Je höher es rauf ging, desto weniger glaubten wir der Chica vom Tourismusbüro in San Martin, dass diese Passstrasse auch für PWs problemlos zu bewältigen sei. Wir waren alles andere als unglücklich über die 4×4-Fähigkeiten des Pfusbus. Zwischendurch erhaschten wir aus dem dichten Wald einen Blick auf den perfekt geformten Vulkankegel des Lanin: Sehr, sehr eindrücklich. Kurz nach der Passhöhe erwarteten uns am nächsten Tag drei freundliche, aber leider übermotivierte Zöllner. Nachdem der Papierkrieg erledigt war – ohne Computer wird man auch nicht mit Afghanen verwechselt – wies uns der eine Zöllner an, den ganzen (!) Pfusbusinhalt auf zwei Tischchen auszubreiten. Auf Didiers Bemerkung, das werde aber ganz schön lange dauern, holte er ohne mit der Wimper zu zucken seine Kollegen zur Verstärkung. Einmal leer Schlucken und tief einatmen, dann starteten wir erfolgreich ein Ablenkungsmanöver mit viel Lob über Chile und der einen oder anderen Anekdote aus dem Overlanderleben und bald hatten die drei Señores vor lauter Diskutieren kein Interesse mehr am Durchsuchen, ufffff… In Chile zeigte sich der Vulkan Villarica von seiner schönsten Seite, die Region war aber dermassen mit Touris überfüllt, dass man fast Angst bekam. Wir hatten zum Glück einen Joker im Ärmel. Marcella von der Riverraftingfirma in Futaleufu hatte uns nämlich angeboten, dass wir ein paar Tage auf ihrem Grundstück in Pucon campen dürfen. Dieses Angebot nahmen wir dankend an, leider hat sie vergessen zu erwähnen, dass das an einem Hang gelegene Häusschen nur via eine haarsträubende 4×4-Piste erreichbar ist. Einmal oben war klar, so schnell fahren wir hier nicht wieder runter. Blöd nur, dass in der Kühlbox gähnende Leere herrschte und auch die Wassertanks nur noch halb voll waren. Auf mehreren Streifzügen im Stil von Indiana Jones durch das verwilderte Gebiet suchten wir vergebens nach Wasser, kehrten aber mit zerrissenen Hosen, zerkratzten Beinen und kiloweise Brombeeren und Äpfel zurück zu unserem Basislager. Dank Rationierung des Wassers (über-) lebten wir wunderbar, es lebe das Selbstversorgerleben! Nach drei Tagen liessen wir Chiles Ferienregion Nummer eins mit überfüllten Nationalparks und entsprechenden Nebenerscheinungen hinter uns.


Perfekte Figur: Vulkan Lanin.


Lava als Strand, Asche in der Luft an der Laguna Verde.


Auch der Villarica ist nicht von schlechten Eltern.

Also steuerten wir der Küste entgegen und verbrachten auf der Fahrt in den Norden einige Tage am Meer. Der Pazifik mit seinen schwarzen Stränden, den Klippen und den beeindruckenden (und saukalten) Wellen war der Hammer. Das Inland jedoch ist eine einzige Pinien- und Eukalyptusplantage und zusammen mit den Cellulosefabriken alles andere als eine Augenweide. Krass, wie die Natur hier ausgebeutet wird. Auch die Siedlungen machten nur wenige Kilometer von den Tourismuszentren entfernt einen ziemlich ärmlichen Eindruck, dafür fielen auch die Preise von Lebens- und Genussmitteln deutlich und die Menschen waren freundlich und aufgestellt. Die Gegend ist noch von vielen Mapuche, einem Urvolk, bewohnt und wir Blondinen mit der komischen Autonummer waren wieder einmal richtige Exoten. Zwischendurch wurden wir auf ein Glas Wein eingeladen und stets ergaben sich spannende Gespräche.


Wunderbarer Outdoor-Werkplatz.


Abend am Strand.


Ohne Worte.


Der Pazifik tobt sich aus.


Wenn auch nur drei Sekunden: Wir waren drinn!!


Jaja, hier wird noch mit Ochsen gearbeitet.

Telefonisch erreichten wir Luis und Maria Elena, welche wir auf der Osterinsel kennengelernt hatten, gerade noch knapp vor ihren Ferien und so machten wir uns schleunigst auf in Richtung Santiago. Wir trafen die beiden in einem Aussenquartier der Grossstadt und wurden zuerst zu Maria Elenas Wohnung eskortiert. Während wir drinnen duschten, assen und relaxten verursachte der Pfusbus vor der Siedlung einen Aufruhr. Ein Nachbar glaubte seine Ausfahrt von diesem Ausländer versperrt und alarmierte die Polizei. Als wir ahnungslos aufbrachen, fuhren die Carabineros tatsächlich gerade vor, hatte aber für den Choleriker nur ein Kopfschütteln übrig. Sie erklärten, dass ginge sie also wirklich nichts an und die Ausländer seien ja schon daran, wegzufahren. Auf dem kleinen Vorplatz war es Didier problemlos möglich, den Pfusbus zu wenden und man fragte sich, weshalb der Mann hier mit seinem Kleinauto nicht hätte herausfahren können.  Maria Elena blieb aber eine lange Diskussion mit dem Herrn Nachbarn nicht erspart. Parkiertechnisch ging es sogleich weiter mit Herausforderungen. Wir erreichten das Haus von Luis und seiner Mutter Soledad und machten uns daran, den Pfusbus in der engen Einfahrt zu parkieren. Nach einigen Versuchen gelang dies schlussendlich und wir hatten so unseren Campingplatz für die nächsten paar Tage in Santiago gefunden.


Perfekt eingepasst.


Das Häusschen von Luis und Soledad steht in einem typischen Aussenquartier.

Den nächsten Tag starteten wir mit Sightseeing. Luis, Maria Elena und ihr Kollege Sergio nahmen extra einen Tag frei und zeigten uns die Innenstadt Santiagos in einem perfekten Mix aus touristischen und unbekannten Attraktionen. Wir trotzten der brütenden Hitze mit Pausen unter Palmen und Mote con Huesillo, dem chilenischen Nationalerfrischungsgetränk aus Pfirsich und Weizen. Wie konnte es anders sein, beendeten wir den Tag spät am nächsten Morgen mit einer Parilla.


Palacio de La Moneda. Hier wurde Allende 1973 geputscht.


Über die Millionenstadt…


…wacht die die Jungfrau auf dem Cerro San Cristobal.


Zwei Touristen mit drei Guides: Sergio, Luis, Maria Elena und wir. Muchas gracias, chicos!


Parilla-Jefe Luis.


Der Marktstand von Soledad mit ihrem Papi.

Luis und Maria Elena reisten am nächsten Morgen früh ab in die Ferien, während wir herzlich als Ersatz-Kinder aufgenommen und von Soledad, einer richtigen chilenischen Mammi, kulinarisch verwöhnt wurden. Im Gegenzug kochten wir die eine oder andere Schweizer Spezialität. Während den folgenden Tagen genossen wir die Vorzüge einer Dusche, nutzten ausgiebig die Waschmaschine und unternahmen alleine oder mit Soledad und Sergio immer wieder kleine Ausflüge in die Nachbarschaft. Spannend war es auf der Feria, einem kunterbunten Strassenmarkt, wo Soledad einen Stand betreibt und von Secondhand-Kleidern über Duschbrausen bis zu lebenden Küken und Wassermelonen alles feilgeboten wird. Einladungen zum Essen beim Grossvater und weiteren Bekannten der Familie und die Einweihung in Geheimnisse der chilenischen Küche rundeten unsere Integration ins chilenische Familienleben wunderbar ab. Und die ganze Zeit assen wir Avocados bis uns die Ohren wackelten, miamm!

Liebe Grüsse!
Barbara und Didier

PS: Schaut euch hier den Film von unseren Kletterfreunden aus El Chaltén an. Der Anfänger mit der gelben Jacke ist Didier.

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Verfasst von: Barbara & Didier | Februar 8, 2012

Von der Carretera Austral bis San Martin de los Andes

San Martin de los Andes, 08.02.2012, 40’900 km

Buenos dias señoras y señores!
Was ist mit Chaiten? Gibt es das Dorf noch? Ist dort nur noch Mondlandschaft? Hat die Regierung wie angedroht alle Einwohner zwangsumgesiedelt? Die Reisebücher waren veraltet, Blogberichte von anderen Reisenden ebenfalls und die Chilenen selbst übertrafen einander mit Gerüchten und Halbwahrheiten. Fest stand nur, in Chaiten steht einer der zurzeit aktivsten Vulkane der Erde. Also nichts wie hin. Tatsächlich gibt es Chaiten noch. Alles ist im Wiederaufbau und Benzin und Lebensmittel waren problemlos aufzutreiben. Hoch über dem Dorf thront der stets mehr oder weniger rauchende gleichnamige Vulkan, ein Berg von dem die meisten Einheimischen nicht einmal wussten, dass es ein Vulkan ist. Der Ausbruch von 2008 machte das Dorf weltbekannt, glücklicherweise kamen damals keine Menschen ums Leben.


Schafft das der Pfusbus? –klar!


Spuren des Vulkanausbruchs in Chaiten.


Klar mussten wir den Abstecher nach Santa Barbara machen.


Santa Barbara Beach.

Das nächste Mysterium: Wo ist der Pumalin Park? Dieser Park wurde von Doug Tompkins, dem Gründer von Esprit und Northface initiiert. Er und reiche Mitstreiter kaufen so viel Land wie möglich auf, um es als Naturpark vor dem Zugriff der Menschen zu schützen. Bedrohungen gibt es in dieser Gegend genug: Pläne sind vorhanden und teilweise schon in der Umsetzung, neue Strassen zu bauen oder alles zwecks Energiegewinnung unter Wasser zu setzen. Immer wieder werden neue Rohstoffe entdeckt und ohne Rücksicht auf Verluste ausgebeutet. Was die Natur freut, ärgert die Politiker und Industriellen, weshalb Pumalin mit jeder Menge behördlicher Wiederstände zu kämpfen hat und auch in keiner staatlichen Touri-Info auftaucht. Wir fanden den Park trotzdem und waren auf Anhieb fasziniert. Von der Ordnung auf den (obligatorischen, aber günstigen und superschönen) Campingplätzen, vom parkeigenen Supermarkt (welcher gebaut wurden, als die Regierung die Gegend von der Aussenwelt abschneiden liess), von der Kompetenz der Park Ranger (da hatten wir ja schon anderes erlebt), vom Konzept Gratiseintritt für jedermann, von den Naturlehrpfaden, von der Schönheit der Natur und den faszinierenden aktiven und inaktiven Vulkanen. Höhepunkt war die Besteigung einer Flanke des Chaiten-Vulkans in einer saumässig steilen Wanderung. Zwei Schritte rauf, einen runter, das Bimsstein-Asche-Kieselgemisch hatte es in sich. Der Lohn waren eine wunderbare Aussicht bis zum Meer, eine faszinierende Mondlandschaft um uns herum und der Vulkanschlot zum Greifen nah. Wie in solchen Fällen typisch, war in Sachen Rauchproduktion allerdings just als wir oben waren, tote Hose und dem Vulkan entstieg nur ein warmes Lüftchen. Am nächsten Tag sah dies schon wieder ganz anders aus und nur unsere müden Beine verhinderten einen erneuten Aufstieg zu Fotozwecken.


Tag 1: Der Chaiten gibt Vollgas.


Die Vulkanasche vergiftete oder erstickte ganze Waldstücke.


Spielverderber. Nur warme Luft, als wir oben sind!


Tag 3: Wieder vergnügt am Räuchlen.

Beim Einkaufen trafen wir auf Kiki und Peco aus Futaleufu, welche uns eine Ermässigung und gratis campen bei ihrer Lodge anboten, wenn wir bei ihnen eine Riverraftingtour buchen. Futaleufu gilt als das Whitewater-Paradies schlechthin. Also nichts wie hin, es regnete seit zwei Tagen in Strömen (das erste Mal überhaupt auf der Carretera!) und nass wird man beim Rafting ja eh. Wir parkten den Pfusbus im Garten der Lodge, um uns Tags darauf in die Fluten zu stürzen. Unserem wachsamen Auge entging allerdings nicht, dass der Wasserpegel deutlich gestiegen war seit dem Vorabend. Kein Wunder nach drei Tagen Dauerregen. Die Crew meinte dazu lachend, erst jetzt sei der Futaleufu der richtige Futaleufu. Wegen der langen Trockenperiode sei er in den letzten Tagen so zahm geworden, dass sie sogar mit Familien auf den Fluss gingen. Dass unser Boot aus Sicherheitsgründen noch von zwei Kajaks und einem Rafting-Katamaran begleitet wurde, hat uns dann doch etwas zu denken gegeben. Aber wie sagt man so schön: No risk, no fön. Die erste halbe Stunde war der Hammer. Wir fetzten durch die wilden Wellen, das Adrenalin rauschte durch den Körper und auch als unser holländischer Mitpassagier Bastian nach einem Tauchgang erfolgreich zurück im Boot war, waren alle noch am Lachen. Das änderte sich allerdings schlagartig, waren wir doch plötzlich unter dem gekippten Boot statt drin und die Luft ging schneller aus, als einem lieb war. Bis Barbara es endlich hervor schaffte, dauerte es eine gefühlte Ewigkeit. Die folgende Szene war denn auch filmreif. Es fehlten nur wenige Zentimeter bis zu Didiers rettender Hand, bevor es wasserrutschbahnmässig doch alleine weiter den Fluss ab ging. Kanute Adam half schliesslich aus der Patsche. Nur zehn Minuten später ging die ganze Crew erneut über Bord. Diesmal schafften es die Guides Josh und Peco sowie Barbara zurück ins Boot, doch Didier verbrachte die beiden folgenden Stromschnellenserien im bzw. unter Wasser. Mit einer Einstufung von 4+ ein wilder Ritt! Auch dem Riverrafting erprobten Bastian verging das Lachen, war er doch über 12 Sekunden in einer Wasserwalze und fürchtete um sein Leben. Zurück in der Lodge gab es einen wohlverdienten Spaghettiplausch und beim Fachsimpeln mit den Wildwassercracks fühlten wir uns fast ein bisschen wie in den guten alten Zeiten in El Chalten, nur dass sich damals alles ums Bergsteigen drehte.


Vorher. Das Abenteuer ruft.


Unsere Sicherheitseskorte. Braucht‘s das wirklich?


Während. Hier kippt es uns das zweite Mal. Ab genau diesem Moment waren wir die nächsten Minuten mit „Oben bleiben“ und Wasser schlucken beschäftigt.


Nachher. Ohne Worte.

Der Grenzübertritt nach Argentinien versprach zur Abwechslung wieder einmal etwas Spannung.
Der Herr Beamte (freundlich): Von wo kommt ihr?
Wir (freundlich): Aus der Schweiz.
Er: Im Computer steht Afghanistan.
Wir (erstaunt): Nein, wir sind aus der Schweiz!
Er (streicht sich nachdenklich am Schnauz): In dem Fall seid ihr Schweden.
Wir (bestimmt freundlich): Nein, in dem Fall sind wir Schweizer!
Er: Aber im Computer steht Afghanistan!
Wir: ???!
Er zu seinem Kollegen: Was sind denn Schweden?
Der Herr Kollege: Schweden sind die aus Schweden, Schweizer die aus der Schweiz.
Er (rückt Lesebrille zurecht): Grummel, grummel…
Schliesslich druckte der Herr Beamte die Papiere aus, wie sie waren, strich Afghanistan von Hand durch und schrieb Schweiz hin. Ob Afghanen, Schweden oder Schweizer, Hauptsache Europäer!

Voller Elan steuerten wir den Pfusbus (nach einem kurzen Boxenstopp wieder mit funktionierenden Kilometerzähler und Tacho) in den Nationalpark Los Alerces. Die Baumriesen mit dem selben Namen können bis zu 4000 Jahre alt werden, die Bestände wurden aber früher wegen der hervorragenden Holzqualität radikal gerodet. Der Nationalpark ist dazu da, die verbleibenden Wälder zu schützen. Nachdem man von uns Gringos an einer Barriere einen saftigen Eintrittspreis verlangte (für die Einheimischen ist es gratis), die Ernüchterung: Im ganzen Park gibt es gerade mal zwei Alercen zu sehen, die eine blutjunge 300 und die andere jugendliche 800 Jahre alt! Als man uns auf einem Parkplatz nochmals Pesos abknöpfen wollte, verstanden wir plötzlich kein Wort Spanisch mehr. Pesos? Ist das etwas zum Essen?


Die 300 Jahre junge Alerce.


Zirkus-Kleinkunst auf dem Hippiecamping.

Weiter zog es uns ins ehemalige Hippiedorf El Bolson, heute ein buntes Gemisch aus Althippies, Möchtegernhippies und vor allem vielen Touristen. Nach ein paar Stunden auf dem berühmten aber irgendwie nicht sonderlich beeindruckenden Artesania-Markt zogen wir uns auf einen abgelegenen Hippie-Campingplatz zurück, wo die kleinste Verkaufseinheit vom selbstgebrauten Bier eine Literflasche ist und ein Zweipersonenzirkus abends den wenigen Anwesenden unter freiem Himmel eine herrlich naive Show bot.

Der Entscheid, um das Touristenmekka Bariloche einen Bogen zu machen, fiel uns leicht: Erstens hatten wir in El Bolson bereits wieder genug Zivilisationsluft geschnuppert und zweitens warnten uns Einheimische und Touristen gleichermassen davor, den Pfusbus in Bariloche auch nur drei Sekunden aus den Augen zu lassen. Aber erstens kommt es anders, und zweitens, na Ihr wisst schon. Schliesslich waren wir drei Tage dort, und was für welche. Am ersten Tag feierten wir ein freudiges Wiedersehen mit Anouk und Bram, welche nicht nur wieder ohne Rob, sondern auch ohne Landrover unterwegs waren. Es war nach zwei Jahren Overlanderleben ihr erster Tag als Backpacker, und bereits hatten sie die Nase voll. Können wir gut verstehen! Morgens um drei waren wir dann alle voll, allerdings in anderem Sinn. Tags darauf ging es Schlag auf Schlag: Erst wurde der Pfusbus mit den zwei Backpackernovizen und ihren beiden Rucksäcken beladen. Dann füllten Anouk und Barbara wieder mal einen Einkaufswagen, mittlerweile sind die beiden ja alte Hasen in diesem Geschäft. Schliesslich verluden wir auch noch Patricia, Barbaras Busenfreundin aus der Heimat, und ihren Freund Philipp mit ihren beiden Rucksäcken in den Pfusbus, was definitiv zu einem neuen Laderekord führte! Reif für das Guinnessbuch der Rekorde war es trotzdem nicht, in Zentralasien hätten mindestens noch 15 Personen mehr reingepasst. Zu sechst machten wir uns also auf die Suche nach einer Cabaña, so nennt man die südamerikanischen Ferienhäusschen. Um Bariloche gibt es sicher eine Million davon, wegen dem Asche spuckenden Vulkan Puyehue stehen aber auch jetzt mitten in der Hochsaison viele frei, sehr zum Leidwesen der Besitzer. Das ist vor allem auf die viele Negativwerbung zurückzuführen, denn meistens ist die Luft rein. Die Suche war dann trotzdem nicht ganz so einfach, weil meistens vier der sechs Betten für Kinder gedacht sind, wo nur Barbara reingepasst hätte, die einzige in der Gruppe unter 1.80 Meter! Schliesslich kamen wir in einer hübschen Cabaña von Lucia und ihrem Mann unter und verbrachten eine wunderbare Zeit mit Quatschen, einer Parilla und Geburtstagstorte essen.


Nesthäkchen Anouk feiert Geburi.


War toll, Euch alle zu sehen! Hasta luego!

Die Stunden vergingen viel zu schnell und schon hiess es wieder Abschied nehmen: Für Anouk und Bram ging es nach zwei Jahren on the road langsam aber sicher Richtung Heimat, Patricia und Philipp setzten ihre Südamerikareise fort Richtung Süden und wir rollten weiter in den Norden. Auf der Routa de los Siete Lagos ging es zuerst mal rein in die Aschewolke vom Puyehue, die regelmässig den südamerikanischen Flugverkehr lahmlegt, als hätte dieser nicht schon so genug Probleme mit der Zuverlässigkeit. Der Spuk war schon nach wenigen Kilometern vorbei und wenigstens visuell lange nicht so schlimm, wie uns immer wieder weis gemacht wurde. Das ganze Gebiet ist ein einziger riesiger Nationalpark und campen nur an ausgewiesenen Plätzen gestattet. Der erste Stellplatz war paradiesisch, direkt am See, weit und breit keine Menschenseele und wundersamerweise nicht zugemüllt.


Blick aus dem Pfusbus-Schlafzimmer. So macht aufstehen Spass!


Geisterstimmung in der Aschewolke.

Der zweite Platz war ebenfalls wunderbar gelegen, hatte aber wie die allermeisten Plätze, wo die Argentinier und Chilenen mit dem Auto hinkommen, zwei Haken: Erstens war alles mit Abfall übersät und zweitens ist es insbesondere Nachts lauter als in einer Disco. Da helfen nicht einmal mehr die Oropax! Wir werden nie verstehen, wie man in dieser wunderbaren und friedlichen Umgebung jeglichen Müll inkl. menschliche Aussonderungen einfach liegen lassen kann, Bäume zur Feuerholzgewinnung massakriert werden und die Musik rund um die Uhr aus den Boxen dröhnt, ohne jegliche Rücksicht auf Natur und andere Camper. Zum allerersten Mal auf unserer Reise krochen wir mitten in der Nacht wieder aus den Schlafsäcken, um ein anderes Pfusplätzchen zu suchen. Es war dann zwar illegal, aber herrlich ruhig!
Gute Nacht und bis zum nächsten Mal, die Pfusbüssler


(Foto zur besseren Illustration geringfügig nachbearbeitet)

Verfasst von: Barbara & Didier | Januar 22, 2012

Von Ushuaia auf die Carretera Austral

Puyuhuapi, 22.01.2012, 39’810 km

Was tut man, wenn man bis ans Ende der Welt fährt und merkt, dass dort eigentlich gar nichts besonderes zu finden ist?

Wir hatten ja ganz genau auf der Karte nachgeschaut und gemerkt, dass die wunderschöne und wilde Gegend hinter der Estancia Harberton (siehe letzter Blog) südlicher liegt, als das eigentlich als Ende der Welt angepriesene Ushuaia. So gesehen, konnte es nach unseren Tagen in der Einsamkeit eigentlich nicht mehr südlicher und nicht mehr besser kommen, als wir in Ushuaia einfuhren. Leider wurden wir nicht positiv überrascht, die Stadt hat uns nicht sonderlich gut gefallen. Das obligate Foto „Fin del Mundo“ liessen wir uns natürlich trotzdem nicht entgehen, auf die sonst touristisch obligatorischen Bootstouren in den Beaglekanal verzichteten wir aber dankend. Wir hatten vorher schon alle dort eventuell sichtbaren Tiere mit Hilfe des Pfusbus oder per Pedes gesehen und liessen die Pesos dort wo sie waren, in unseren Portemonnaies. Eine richtige Tour in die Antarktis wäre hingegen schon was gewesen, allerdings reichte dafür unser Budget nun doch nicht mehr aus; ab 4000 USD pro Person, last Minute versteht sich.


Touristisch gesehen jetzt erst am Ende der Welt.


Könnte auch Bümpliz sein, ausser dass es am Ende der Welt liegt: Ushuaia.


Der Hafen hingegen, der hat Charme.

Wir beschlossen nach Ushuaia einige Tage den Bleifuss einzulegen, um baldmöglichst in Chile die Carretera Austral in Angriff nehmen zu können. Die Nationalparks im Südwesten hatten wir ja alle schon wohlweislich vor der Tourismushochsaison besucht, weshalb wir dem Atlantik folgend nach Norden und dann wieder westlich in Richtung Anden fuhren. Wie schon in Asien folgten wir also auch in Südamerika stilistisch und geografisch einer 8, wieso jetzt noch etwas neues anfangen? Begleitet wurden wir für zwei von drei Autotagen von John und Micah aus Texas. Die beiden Hitchhiker verdienten sich ihre Passage, indem sie während der Fahrt stets für frischen Mate oder Kaffee sorgten. Sowieso liess sich die öde Pampa Patagoniens zu viert psychologisch einfacher durchqueren, konnten doch drei Passagiere gleichzeitig den gelangweilten Fahrer vor Kurven warnen (im Schnitt etwa zwei Kurven pro Tag). Der die ganze Zeit über hartnäckige Gegenwind trieb den Pfusbus zu Höchstleitungen an, wir hätten nie geglaubt, dass unser Kleiner so viel saufen kann. Aber das ist ausnahmsweise ok, schliesslich fährt er uns seit bald 40‘000 km souverän durch die Welt. Tanken ist in Argentinien übrigens so was wie eine Lotterie: Die Hälfte aller angepeilten Tankstellen – und wir peilen mittlerweile jede an – haben keinen Sprit. Das macht das Leben on the road zwar nicht einfacher, aber definitiv spannender. Die nötigen drei Grenzübergänge bis nach Chile Chico absolvierten wir und der Pfusbus souverän, einzig eine Zwiebel musste daran glauben. Sie wurde vor der fachgerechten Entsorgung noch grammgenau gewogen und protokolliert, soviel Korrektheit muss in Chile schon sein. Unsere Alibipackung abgelaufenen Parmesan, welche wir immer allen chilenischen Zöllnern proaktiv entgegenstrecken, haben wir hingegen immer noch in der Kühlbox!


Technisch schwierigste Passage in der Pampa: Kurve und Hügel gleichzeitig.


Mateista und Barista John macht sich gut im Pfusbus.

Bevor die eigentliche Carretera Austral beginnt, folgt die Strasse zuerst noch dem Lago Buenos Aires auf argentinischer Seite, respektive dem Lago General Carrera auf chilenischer Seite (es handelt sich natürlich um den gleichen See, den zweitgrössten in Südamerika). Barbaras Magen nutze unseren ersten Pfusplatz auf chilenischer Seite, um zu rebellieren, worauf wir einen Tag aussetzten und Didier aus Langeweile jede Menge am Pfusbus und Inhalt verbesserte oder flickte. Wir sind am Zeitpunkt, wo sich zeigt, welches Material auch nach fast einem Jahr Dauereinsatz noch nicht schlapp macht. Blöderweise muss jedes schlapp machende Teil geflickt, ersetzt oder im Notfall ignoriert werden, was uns auf Trab hält. Ein Hoch auf die Erfinder von Nadel und Faden, Klebeband, Silikon, WD40 und Flüssigmetall. Und ja, auch das Swiss Army Material hält nicht immer durch, wenigstens war es im Gegensatz zu einigem hochtechnologischen Trekkingmaterial billig.


Der Weg ist das Ziel am Lago General Carrera.


Bootsfahrt zu den Catedrales de Marmol mit…


…exklusivem Badevergnügen.

Die Carretera Austral bietet dem Auge allerlei; verschneite Gipfel, hängende Gletscher, stahlblaue Seen, üppiges Grün. Ganz so abenteuerlich wie nach all dem Gelesenen und Gehörten angenommen, ist sie allerdings nicht (mehr). In den Dörfern gibt es alles zu finden, was der Reisende begehrt, das Verkehrsaufkommen ist überraschend gross (und aggressiv) und schier jeder Fleck ein Privatgrundstück. An der nonstop abgezäunten Carretera ein schönes Pfusplätzchen zu finden, wird des Öfteren zur Herausforderung, damit haben wir nicht gerechnet. Aber wer sucht, der findet. Zum Beispiel auf einem Abstecher ins Valle de los Exploradores. Dort liess es sich wunderbar wild campen, was wir bei schönstem Wetter auch ausgiebig taten. Direkt am Fluss, umgeben von dichtem Urwald und steilen Bergen mit 100 Meter hohen Wasserfällen fühlten wir uns wie in der Wunderwelt von Avatar, herrlich.


Unterwegs im Tal der Entdecker.


Blaue Wesen sind keine aufgetaucht.


Lagerfeuerpizza.

Nebst der schönen Umgebung sind es aber vor allem die Begegnungen mit den Einheimischen, die unsere Reise immer wieder so speziell machen. Zum Beispiel mit dem achtzehnjährigen Miguel, der uns gleich einlud mit seinem Vater, den Brüdern und einem Freund des Vaters auf einem herrlichen Privatgrundstück direkt am Fluss zu campen. Wir haben mit den Jungs über dem Feuer Marshmallows gebraten und bis spät in die Nacht über Gott und die Welt und Fussball und Fischen diskutiert. Oder mit einem Gaucho, der uns zu einem Glas Wein viel über sein Leben erzählt hat, wir aber wegen dem Tempo und der undeutlichen Aussprache leider nur ungefähr die Hälfte mitgekriegt haben. Natürlich musste sich Barbara beim Verabschieden noch auf das Pferd setzen, das kennen wir doch von irgendwo her? Hier in Südamerika treffen wir aber verhältnismässig auch auf sehr viele Europäer mit eigenen zwei oder vier Rädern. Auf der Carretera Austral ist der Fahrradfahreranteil auffällig hoch, Chapeau sagen wir bei diesen Schotterpisten und unzähligen Hügeln da nur. Schade einfach, dass wir unsere Sprachschulgspändli Anna und Beni aus Basel verpasst haben, die beiden radeln jetzt wohl schon durch Feuerland.


Grasen in unserem Garten: Alpakas.


Südamerikanischer Cowboy.


Miguel und seine Männer. Es fehlt Boxerhündin Mafalda.

In Cohayque machten wir wiedermal ein paar Stunden in einer Garage rast, der Motor benötigte neues Öl und die Federung dringend neue Gummipuffer. Die Mechaniker kümmerten sich zu viert um den Pfusbus und unser Mechanikerspanischwortschatz nahm innert kurzer Zeit erstaunliche Ausmasse an. Im topmodernen Heimwerkerparadies kaufte sich Didier schliesslich das längst gewünschte Werkzeugset und glücklich und zufrieden cruisten Pfusbus und Crew über die tadellose Teerstrasse gen Norden. An einer der sehr seltenen Kreuzungen war dann urplötzlich fertig lustig und Didier manöverierte den Pfusbus über eine enge, kurvenreiche Holperpiste mitten hinein in dichten Dschungel. Da hat uns unsere Strassenkarte ja wiedermal einen schönen Streich gespielt, rechneten wir doch noch mit 200 Kilometer mehr auf Teer.


Dschungelpfusplätzchen mit Rund-um-die-Uhr-Unterhaltung: Erst die Vögel, dann die Frösche.


Size matters!


Wasserfall, Gletscher, Urwald, alles auf einmal.

Eine ausgediente Schuttablage auf einer winzigen Lichtung im dichten Urwald wurde dank der Pflanzen- und Vogelwelt zu einem der exotischsten Pfusplätze überhaupt. Fasziniert von der Umgebung machten wir uns am nächsten Tag auf zu einer Wanderung. Erst ging es durch dichten Urwald, dann wurde auf einmal der Blick frei zu einem hängenden Gletscher mit riesigem Wasserfall. Auf der anderen Seite Fjorde des Pazifiks; schon verrückt, was die Natur auf engstem Raum alles bietet. Wir sind gespannt, was noch kommen wird!

Tschau, Barbara und Didier

Verfasst von: Barbara & Didier | Januar 5, 2012

Bis ans Ende der Welt

Ushuaia, 05.01.2012, 37’200 km

Hola a todos!
Wir melden uns gesund und zufrieden aus Ushuaia oder, wie man so schön sagt, vom Ende der Welt. Dass dem so ist, ist nicht selbstverständlich, gerieten wir doch wegen einem Waldbrand im Torres del Paine Nationalpark das erste Mal so richtig in Schwierigkeiten. Im Nachhinein fühlt es sich an wie ein schlechter Film, aber zum Glück einer mit Happy End!

Jetzt knüpfen wir aber zuerst an den letzten Post an: Nachdem wir uns schliesslich von El Chalten und dem Centro Alpino lösen konnten, rollten wir mit Lorenz als Passagier aus dem Dörfchen heraus und wen sehen wir da vor dem Parkrangerhaus? Den Dodge von Manu und Kai! Zu gerne hätten wir erneut ein paar Tage miteinander verbracht, aber uns zog es in den Süden, sie in den Norden. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge ging es dann endgültig los nach El Calafate, nicht ohne dass uns Lorenz unterwegs in der legendären Estancia La Leona noch eine Empanada spendierte. Tags darauf hiess es schon wieder Tschüss sagen, Lorenz flog nach Hause und wir fuhren dem Perito Moreno Gletscher entgegen. Waren die Touribusse erst mal weg, hatten wir den 5 Kilometer breiten und 60 Meter hohen in einen See kalbenden Gletscher für uns alleine. Was für ein Schauspiel uns da geboten wurde! Die Eismassen ächzten und knarrten, immer wieder fielen riesige Brocken ins Wasser, beim Aufprall tönte es wie Feuerwerk. Ab und zu brachen ganze Wände weg, dann zerriss die Luft wie bei einem heftigen Donnerschlag. Erst kurz bevor sich die ersten Erfrierungserscheinungen bemerkbar machten, verzogen wir uns in das zum guten Glück windstille Pfusbusinnere, nur um am nächsten Morgen sofort wieder Zeugen des faszinierenden Schauspiels zu werden.


Nach Perito Moreno Dorf und Perito Moreno Nationalpark also auf zum Perito Moreno Gletscher.


Judihui, hier wird ganz grosses Gletscher-Kino geboten!


Flutwelle nach Monsterabbruch.

Irgendwann haben wir uns dann doch losreissen müssen, hatten wir doch am 23. Dezember in Puerto Natales ein Rendezvous mit unseren holländischen Freunden. Denn wo sonst wenn nicht in Puerto Natales trifft man sich für Weihnachten? Doch vorher noch eine kleine Nebenbemerkung zum Grenzübergang: Man hört ja allerhand haarsträubende Geschichten über die chilenischen Zöllner betreffend Lebensmittel- und Drogenkontrollen. Denn mal abgesehen von den naheliegenden Dingen wie Waffen und Drogen ist in diesem Land auch die Einfuhr von Früchten, Gemüsen, tierischen Produkten, Holz, Steinen etc. streng verboten. Für unseren ersten Grenzübertritt entschieden wir uns für eine offensive Strategie und legten den Rest Parmesan, eine halbe Zwiebel und zwei Kartoffeln gut sichtbar bereit, damit der Kontrolleur hoffentlich vor einer gründlicheren Durchsuchung absieht. Nach rekordverdächtigen fünfzehn Minuten waren wir mit (!) Parmesan, Zwiebel, Kartoffeln, Geburtstagsgratulationen für Didier und Kugelschreiber für Barbara im neuen Land. Bienvenidos en Chile!

Nach einigem Herumkurven in Puerto Natales fiesen Einbahnstrassen fanden wir schliesslich den grünweissen Landrover mit seinen Besitzern Anouk und Bram sowie ihrem temporären Reisegspändli Rob. Nach einem grossen Hallo stürzten sich die Mädels in den rammelvollen Supermarkt um 90 Minuten später einen überquellenden Einkaufswagen rauszukarren. Das arme Ding stand kurz vor dem Kollaps. Den Jungs war sofort klar: Uns wird an nichts mangeln während den Festtagen! Auf einer kleinen Waldlichtung auf einem Hügel nahe der Laguna Sofia richteten wir zu fünft unser Weihnachtscamp ein. Der mit viel Liebe und noch viel mehr Phantasie geschmückte Tannenbaum war in Wahrheit eine 20-Meter-Buche und hätte besser zu einer Hippie-Party als an ein Weihnachtsfest gepasst. Egal, die Festivitäten starteten sowieso mit Didiers Geburtstag. Die gegrillten Hamburger waren klasse und das Camp wurde umgehend auf den Namen Hamburger Hill getauft. Die Ideen für neue Toasts wollten und wollten nicht ausgehen, genauso wie das etwas überdimensional geratene Lagerfeuer. Dementsprechend spät endete der erste Abend. Das Niveau von Stimmung, Alkohol- und Nahrungszunahme blieb auch am 24. und 25. Dezember konstant hoch, einzig das Feuer wurde aus Sicherheitsgründen ein bisschen redimensioniert. Auch wenn es nicht wirklich weihnachtete, die Tage auf Hamburger Hill waren wunderbar entspannend und lustig. Die Sonne schien, der Wind war gnädig und nebst gut Essen und Trinken blieb auch immer mal wieder Zeit um ein Backgammon zu spielen oder eine Seite zu lesen. Irgendwie verständlich, dass Overlander-Novize Rob sich nach den drei Tagen nicht erklären konnte, warum wir vier zwischendurch über das ach so strenge Overlanderleben jammern…


Trotz vollem Einsatz: 9 von 10 Flamen und 1 von 2 Ballons überlebten den Gang bis zum Geburtstagskind nicht…


Hamburger Hill.

Am 26. Dezember um 9 Uhr morgens erwartete die Pfusbuscrew im Hafen von Puerto Natales die Fähre aus Puerto Montt, auf welcher sich aller Wahrscheinlichkeit nach Lukas und sein Bike befinden sollten. Die Fähre liess sich um 17 Uhr am Horizont blicken, war um 18 Uhr im Hafen, spuckte um 19 Uhr die Rucksacktouristen aus, um 20 Uhr einige Camions und um 21 Uhr – wir wagten kaum mehr daran zu glauben – Lukas und seinen Drahtesel. So viel zu chilenischer Schiffsfahrt. Immerhin lernten wir dank unseren holländischen Freunden während der Warterei ein neues Kartenspiel kennen mit dem passenden Namen Shithead… Die Idee, zu sechst in den Nationalpark Torres del Paine zu fahren, mussten wir begraben, aber immerhin reichte es noch für eine gemütliche Hamburgerbrätlerei an der Laguna Sofia.


Studententreff in Patagonien.


Viel Betrieb an der Laguna Sofia.

Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns von Lukas und unser holländisch-schweizerisches Reisegrüppchen holperte den berühmten Torres del Paine im gleichnamigen Nationalpark entgegen. Der Ausflug sollte zum bisher aufregendsten Abenteuer unseres Trips werden. Am Lago Grey erblickten wir als erstes das Opernhaus von Sydney, ob die drüben in Australien es nicht vermissen? Der riesige Eisberg hatte genau dieselbe Form! Dank weiblichem Charme willigten die Parkranger ein, dass Rob sein Zelt trotz Zeltverbot in der Nähe von unseren Fahrzeugen aufschlagen durfte. Leider missachteten am anderen Ufer des Sees vier stupide Touristen das Feuerverbot im furztrockenen Wald, weshalb jeden Augenblick die Feuerwehr auf unserem Parkplatz erwartet wurde. Die Bomberos trafen denn auch ruckzuck ein: Am nächsten Morgen um 6 Uhr! Sie schienen überhaupt nicht gestresst, machten Fotos von sich und unseren exotischen Autos und waren um 8 Uhr, als wir schliesslich aufbrachen, immer noch da. Konnte also nicht so tragisch sein, das mit dem Waldbrand.


Die Cuernos, vorne rechts das Opernhaus von Sydney.


Windsurfen geht hier auch ohne Wasser.

An alle unsere Leser mit schwachen Nerven, jetzt bitte einen Kamillentee trinken oder das nächste Kapitel überspringen!

Für uns alle stand fest, die berühmte fünftägige W-(Völker-)-Wanderung im Park wollten wir uns ersparen, aber zu einem Zweitäger waren alle einverstanden. Die 30 minütige Überfahrt mit dem Katamaran zum Ausgangspunkt riss ein tiefes Loch in unsere Portemonnaies, das Spektakel war dank Orkanböen, Flutwellen und Wassereinbruch schon beinahe das Geld wert. Nett, dass man erst auf der Fähre erfuhr, dass der Wanderweg zum Lago Grey wegen dem Feuer geschlossen sei. Die wissen schon wie zu Geld kommen, die Chilenen. Nachdem wir wiederum gegen gutes Geld unsere Zelte beim Refugio Paine Grande aufgeschlagen hatten, holten wir uns wie es sich als verantwortungsbewusste Wanderer gehört, bei den Rangern Infos zum Wanderweg ins Valle Frances. No problem, no problem hiess es da. Zum ersten Mal hatten wir Rauchgeruch in der Nase, aber hej, das Feuer war ja auf der anderen Seite und meilenweit entfernt. Beim ersten Aussichtspunkt angekommen, machte Barbara wegen dem Knie wie abgemacht kehrt, ein 8-stünder ist einfach noch zu viel des Guten. Didier und Bram entschieden sich mitzugehen, während Anouk und Rob noch bis ganz nach oben wollten. Während der Rückkehr überholte uns ein Päärchen im Stechschritt und erklärte uns, das Refugio Paine Grande würde soeben evakuiert und die letzte Fähre gehe um 18 Uhr. Wir staunten, evakuiert man in Chile nach dem regulären Fahrplan? Eins war klar, bis um sechs würden wir es eh nicht schaffen, und etwa eine Marschstunde hinter uns waren noch Anouk und Rob. Wir nahmen es mit Humor, dann Galgenhumor, und irgendwann versiegte auch dieser. Eingehüllt in dickem Rauch brannten Augen und Lungen, unsere Schritte wurden schneller, die Blicke abwechselnd rechts zum Brand oder nach vorne und hinten gerichtet. Links war der See, das Feuer durfte uns nicht einschliessen! Endlich, wir erreichten den Campingplatz, aber unsere Zelte und das Gepäck waren weg, Scheisse! Beim Refugio herrschte Chaos, die vermeintlich letzte Fähre war gerade am Ablegen. Bram weigerte sich mitzugehen, wir blieben bei ihm. Zuerst mussten wir wissen, wo Anouk und Rob waren. Wurden sie wirklich beim Campamento Italiano aufgehalten, so wie die Ranger sagten? Warum aber wurden wir nicht aufgehalten? Geht denn tatsächlich niemand den Weg ab um sicherzustellen, dass keine Personen mehr unterwegs sind? Warum ist kein Ranger fähig, sich per Funk im Campamento Italiano über den Verbleib von Anouk und Bram zu informieren? Wenn Bram sagte, seine Freundin sei 1.80 Meter gross, dann funkten sie 1.50, wenn er sagte, die Vermissten seien Holländer, dann funkten sie Schweizer etc. etc. Es war zum Verzweifeln. Während Bram und Didier in der Rangerstation schier eine Schlägerei anzettelten, versuchte Barbara ihr Glück bei einer hilfsbereiten Angestellten des Refugios. Doch auch hier: Funkstille. Immerhin kriegte sie Staubmasken gegen die Asche, und auch die Zelte und das Gepäck konnten aus einem grossen Materialhaufen gerettet werden. Der Rauch, beim Refugio anfangs noch erträglich, wurde immer dichter. Nach fast zwei Stunden kam endlich die Fähre zurück, gleichzeitig sagte man uns, Anouk sei sicher im Campamento Italiano. Stimmte das, oder wollte man uns nur ruhigstellen? Bleiben war keine Option, zusammen mit den Angestellten wurden wir als letzte evakuiert, das Refugio verschwand in orangem Dunst. Auf dem Boot herrschte bei den meisten Freude über die Rettung, bei anderen rannen die Tränen. Verzweiflung wegen dem verlorenen Job, der verlorenen Existenz? Angst um andere Menschen, so wie bei uns? Wir wussten es nicht, aber Barbara hätte dem schamlos fotografierenden Fotografen am liebsten die Kamera zertrümmert. Zurück bei den Autos fuhren wir zur nächsten Rangerstation, aber auch die dort erhaltenen Infos schienen uns viel zu wässrig als dass sie beruhigten. Wir verbrachten eine kurze und schlaflose Nacht auf dem Parkplatz vom Hotel Torres. Um 6 Uhr wollte Bram los, um Anouk und Rob von der anderen Parkseite her entgegenzulaufen, um sicher zu sein, dass seine Freundin wohlauf war. Didier ging mit, während Barbara bei den Autos wartete. Um 10 Uhr hatten sich die vier unterwegs getroffen, um 15 Uhr waren wir alle wieder vereint bei den Autos, endlich konnte auch Barbara aufatmen. Was für eine Erleichterung! Wir erfuhren die Geschichte von Anouk und Rob; ein Guide hatte sie unterwegs aufgesammelt und ihnen mitgeteilt, dass ein Weitergehen lebensgefährlich war. Daher blieben sie über Nacht im Campamento Italiano, wurden von hilfbereiten Menschen aufgenommen und mit Essen und einem Plätzchen im Zelt versorgt. Was sie nicht wussten war, ob wir es geschafft hatten. Also versuchten auch sie Mithilfe eines überforderten Rangers und eines hilfsbereiten Guides verzweifelt, mit uns in Kontakt zu kommen, vergebens. Auch für Anouk und Rob war es eine schlaflose Nacht.


Ankunft beim Campamento: Zelte weg, Rauch da.


Endlich auf dem Schiff. Letzter Blick auf Refugio und Rangerhäusschen, beide werden in Flammen aufgehen.

Wir fuhren so schnell wie möglich weg aus dem Park und richteten unser Lager an der Laguna Azul ein. Nach dem Abendessen war es an der Zeit, die zehn Monate alte „Wir-haben-gerade-ein-wahnsinns-Abenteuer-überlebt-Ovomaltineschokolade“ von Familie Etter aus der Kühlbox zu holen. Barbara erzählte die Geschichte dazu, dann haben wir sie verspiesen, die Überlebens-Ovoschoggi. Danke liebe Etters, die Schoggi war herrlich! Auf das Waldbrandabenteuer hätten wir aber gerne verzichtet. Der Abend verging im Nu, immer wieder diskutierten wir über die Vorkommnisse, man merkte richtig, wie alle fünf das Erlebte verarbeiten mussten. Völlig auf den Felgen wollten wir uns früh zur Ruhe legen, da sahen Anouk und Bram orange Wolken am Himmel, die immer dunkler und dunkler wurden. An der folgenden Krisensitzung wurde mit Karte und Kompass die Distanz zum Feuer errechnet, Windrichtung und –Stärke einbezogen und schliesslich beschlossen, alle zwei Stunden die Lage anhand von klar definierten Regeln zu analysieren. Mit Schlaf nachholen war nichts, wenigstens holte uns auch das Feuer nicht ein. Nachdem am folgenden Morgen Mechaniker Rob zusammen mit Bram und Didier den Pfusbus unter die Lupe genommen hatten, machten wir uns auf in Richtung argentinische Grenze, erneut mit Rauchgeruch in der Nase. Die Rauchwolke von riesigem Ausmass zog sich durchs ganze Tal. Beim Grenzposten nahmen wir schweren Herzens Abschied voneinander, die drei Holländer zogen weiter nach Norden, wir wollten gegen Süden. Eins ist sicher: Wir freuen uns auf ein Wiedersehen in Europa, ob mit oder ohne Robusto!


Abenteuer mit Happy End!


Bald olympisch: Synchronkochen mit Anouk und Barbara.


Buschmechanik mit Rob und Bram (unter Auto).

Wir wollten nur noch eins: So schnell wie möglich so viel wie möglich schlafen! Also fuhren wir zum altbekannten Hamburger Hill, immerhin fast 100 km vom Waldbrand entfernt, und verkrochen uns dort in unsere Schlafsäcke. Geschlafen haben wir mehr schlecht als recht, und beim Frühstücken zogen die ersten Rauchschwaden über die Hügel, das durfte doch nicht wahr sein! Also nichts wie los nach Puerto Natales: Einkaufen, Tanken, mit den Eltern skypen und dann so weit wie möglich weg. Von Rauch und Feuer hatten wir endgültig die Nase voll. An der Magellanstrasse fanden wir ein wunderbar einsames Pfusplätzchen, das Silvestermenu bestand aus Pasta und einem Glas Wein und lange bevor die Uhr Mitternacht schlug, waren wir eingenickt. Im neuen Jahr sind wir trotzdem gut angekommen, und das erst noch einigermassen ausgeruht.


Silvesterstimmung an der Magellanstrasse.


Die Könige der Pinguine.

Trotz vollem Einsatz taugten die von anderen Reisenden erhaltenen Tipps, um gratis Königspinguine zu sehen nichts und wir fanden uns mit gezücktem Portemonnaie vor einem eingezäunten Grundstück wieder. Die Besitzerfamilie verdient sich mit den Pingus ein goldenes Näschen, entschieden sich die 46 Königspinguine vor zwei Jahren gerade ausgerechnet für diesen Flecken Erde. Im Moment brüten 6 Päärchen je ein Ei aus. Während die Mama sich zwei Wochen lang im Meer den Bauch füllt, wärmt der Papa das Ei, dann wird gewechselt. Gleichberechtigung nennt man das wohl.

In Rio Grande mussten wir mit dem Pfusbus zum Toyotadoktor (für Experten: Ein Radlager musste angezogen werden), füllten Tank, Kühlbox und Vorratskammer und weiter ging es flott Richtung Süden. Die Pampa wich Bäumen und Bergen und nach unzähligen Holperkilometern war der Weg plötzlich fertig und es war vor uns, das Ende der Welt (=der südlichste per Auto erreichbare Punkt). Wie es aussieht? Ein Häusschen der Küstenwache und ein Fussballtor! Die drei netten Navy-Señores winkten uns sofort herein, zeigten uns die vorsintflutlichen Arbeitsgeräte und erklärten ihren Job, während auf dem riesigen Flachbildschirm Johnny Depp gerade am Seeräuberlis spielen war. Auf unsere Frage betreffend Übernachtungsplatz meinten sie sofort, natürlich dürft ihr unten am Strand campen, und Feuer machen dürft ihr auch. Wir dankten herzlich fürs erste Angebot und schlugen das zweite bestimmt aus. Feuer? Nein Danke!


Sepp Blatter hätte seine Freude: Am Ende der Welt, ein Fussballtor.


Offensichtlich, woher der Wind hier weht.


Abendstimmung am Arsch der Welt.

Das Pfusplätzchen direkt am Beaglekanal war trotz gelegentlichen Regenschauern wunderschön. Am nächsten Tag schien pünktlich zum Frühstück die Sonne, wir genossen Brötchen und Rührei am Strand während zwei Delphine sich ein paar Meter weiter draussen im Meer die Bäuche vollschlugen. Am nächsten Morgen wiederholte sich das Schauspiel, herrlich. Zur Abwechslung statteten wir der Estancia Harberton einen Besuch ab, der ältesten von Weissen gegründeten Siedlung in Feuerland. Die Führungen, eine über die Siedler aus England, eine über die Meeresbewohner, waren interessant und auch geruchlich abwechslungsreich, besuchten wir doch nebst dem Garten und der Schreinerei auch das Knochenputzhaus. Dort werden die Überreste von angeschwemmten Tieren gesäubert, um dann von Biologen im Labor untersucht zu werden. Die in alten Lebensmittelkartons gelagerten Wal-, Delphin- und Pinguinreste boten doch eher einen makaberen Anblick. Am nächsten Morgen fühlte sich die Temperatur gefährlich nah an der Nullgradgrenze an, und ehe wir uns versahen, kämpfte sich der Pfusbus durch einen ausgewachsenen Schneesturm. Wir fanden, das ging ein bisschen zu weit, lieber Petrus! Jetzt hocken wir in Ushuaia und warten auf besseres Wetter. Am Ende der Welt weiss man eben nie was passiert…

Liebe Grüsse in die ganze Welt, Barbara und Didier

Verfasst von: Barbara & Didier | Dezember 22, 2011

Vom Atlantik in die Anden

El Calafate, 22.12.2011, 35’380 km

Liebe Familie, liebe Verwandte und Altbekannte aus der Heimat, liebe Neubekannte aus aller Welt und liebe unbekannte Leser

Wir schreiben den 22. Dezember 2011, das Jahr geht dem Ende zu und Weihnachten steht vor der Tür. Exakt der richtige Moment, um Euch allen herzlich zu danken: Für das riesige Interesse an unserem Unterfangen. Für die lieben Kommentare und E-Mails. Für die herzliche Gastfreundschaft und immense Hilfsbereitschaft. Für die spannenden Gespräche und wunderbare Momente ohne Worte. Für die vielen wertvollen Tipps und Tricks. Denn eins wissen wir ganz genau: Ohne Euch wäre diese unsere Reise nicht was sie ist. Und sie ist schlicht das Beste, was uns passieren konnte! Wenn Ihr jetzt also noch nicht so genau wisst, welchen Vorsatz Ihr für das 2012 nehmen sollt, dann hätten wir einen Tipp: Geht reisen!

Doch blicken wir nun zurück auf die vergangenen Wochen, es ist viel passiert! Immer noch mit Manu und Kai unterwegs, rollten wir langsam aber sicher der Atlantiküste nach gegen Süden. Am Cabo dos Bahias waren wir deutlich in der Unterzahl, betrug doch das Verhältnis Mensch zu Pinguin 4:25‘000, wobei der Pinguinanteil erst noch laufend zunahm. Freudig stellten wir nämlich fest, dass sich die ersten Jungen gerade aus ihren Eierschalen zwängten.


Pingu-Paradies.


Alles klar, Grosser?

Nachdem wir mehrere Nächte in unseren in den Orkanböen heftig schaukelnden Fahrzeugen schier seekrank wurden, verschlug es uns zwecks fehlender Alternative zu einer einsam gelegenen Fabrikanlage direkt am Strand. Mathias, der Jefe vor Ort, begrüsste uns  auf Englisch, was uns doch etwas spanisch vorkam. Des Rätsels Lösung: Einige Arbeiterhäuschen der nach wie vor Agaragar produzierenden Fabrik wurden zu einem Ferienresort umfunktioniert. Mathias wies uns sogleich einen windgeschützten Parkplatz vor den Fabrikmauern zu und lud uns ein, die verschiedenen Räumlichkeiten mitzubenutzen. Der Livingroom machte seinem Namen alle Ehre und  Manu und Barbara waren sich sofort einig, da war ein Einrichtungsprofi am Werk. Begeistert vom Ambiente bestellten wir ein Bier wohlweislich ohne nach dem Preis zu fragen – es lässt sich einfach besser geniessen so – und machten es uns in den Armstühlen und auf den Schaffellen bequem. Spanische Nüsschen knappernd liess es sich herrlich in tollen Patagonien-Bildbänden (die Männer) und Einrichtungsmagazinen (die Frauen) schmökern. Auf der ersten von Barbara aufgeschlagenen Seite blickte ihr der auch von uns in Colonia fotografierte rote Oldtimer entgegen (siehe letzter Blog), auf der nächsten Doppelseite Mathias und genau jene Armstühle, in welchen wir gerade sassen. Zufälle gibt’s! Zu fortgeschrittener Stunde zurück in unseren eher praktisch denn stylisch eingerichteten Camionetas taten Manu und Barbara, was frau in der Vorweihnachtszeit so tut: Die Männer aus dem Haus bzw. Auto schicken und Weihnachtsgüezi backen. Wie das geht? Man nehme ein Mödeli gesalzene Butter, ein geschätztes halbes Kilo Mehl, eine Handvoll Zucker aus Kasachstan und zwei aus Südamerika und vermische alles mit der Hälfte von drei verquirlten Eiern. Auswallen funktioniert gut mit einer Glasflasche, zum Ausstechen eignet sich ein Schnapsglas und backen tut man das Ganze in der Bratpfanne. Et voilà. Die Mailänderli schmeckten allerdings ganz und gar nicht nach Mailänderli, so dass sie einen eigenen Namen erhielten: Patagonierli!


Foto vom Foto mit Manu und Kai.


Unsere Lieblingsweihnachtsgüezi 2011: Patagonierli.

Am nächsten Morgen hiess es Abschied nehmen von Manu und Kai und schon rollten wir wieder alleine mit dem Pfusbus durch die Gegend. Wir steuerten unser Gefährt langsam gegen Westen, weg von der Atlantikküste und hin zu den Anden. Weniger Wind gab es deswegen aber nicht. Mal auf der legendären Routa 40, mal auf Nebenfeldwegen rumpelten wir wortwörtlich durch die Pampa und entdeckten zwischendurch immer wieder faszinierende Orte wie versteinerte Wälder oder die Cueva de los Manos. Kaum etwas von Menschenhand geschaffenes in Argentinien ist älter als 200 Jahre, in Patagonien allerdings findet man in Höhlen tausende Jahre alte Graffitis und Airbrushs von den Ureinwohnern.


Sieht aus wie Baum, ist aber Stein, oder doch nicht?


„Primitive Art“: 7000 Jahre alte Handabdrücke.

Unser erstes Andenhighlight sollte der Parque National Perito Moreno werden. Moreno selbst war ein Forscher und nach ihm sind ein Städtchen, ein Gletscher und ein Nationalpark benannt. Ersteres könnte man gut links liegen lassen, wenn dort nicht die letzteTankstelle und Mobileempfang für die nächsten 500 km wären. Wählt man zudem noch den Umweg in den gleichnamigen Nationalpark, wird die Durststrecke nochmals 250 km länger und der Pfusbus stösst trotz zwei Reservekanistern an seine Leistungsgrenze. Kanister 3 und 4 hatten wir anno dazumal verschenkt, schön zu wissen, dass wir damit wenigstens einen Mongolen sehr, sehr glücklich machten. Der Abstecher lohnte sich aber unbedingt. Mit durchschnittlich 1200 Besuchern pro Jahr gehört der Park eher zu den Mauerblümchen, ist aber wunderbar einsam, wild und erst noch gratis. Letzteres ein nicht ganz unwichtiges Merkmal in einem Land, wo Eintritts- und Übernachtungspreise für Ausländer um ein x-faches höher sind als für die Einheimischen. Am hübschen Lago Burmeister richteten wir uns zum Bleiben ein und trafen dabei auf die Holländer Bram und Anouk, das bisher erste Päärchen mit einer ähnlichen Reiseroute. Kein Wunder, kamen wir aus dem Reiseerfahrungen austauschen drei Tage lang gar nicht mehr hinaus. Die Campingstühle verliessen wir nur um Wasser für den Mate zu kochen, Brennholz zu suchen und zu schlafen.


Wer sucht, der findet auch im eingezäunten Patagonien tolle Pfusplätze.


Mit Anouk und Bram. Globetrotter unter sich.

Dank dem Tipp von Familie Wolfen verschlug es uns schliesslich ans Ufer des Lago Cardiel, wo der Wind für zwei Tage Pause einlegte und wir uns in Shorts und Flipflops  ans Grittibänzbacken machten, schliesslich schrieben wir den 6. Dezember. Das Resultat war allerdings eher ernüchternd, zukünftig grillen wir besser wieder Fleisch statt Bänze.
Sollen wir oder sollen wir nicht nach El Chalten, einer der vermeintlichen Touristenhochburgen in Patagonien? Wir entschieden uns für ja, und sollten es nicht bereuen. Das Wetter war bombastisch und bereits von weit her waren die Gipfel des Mount Fitz Roy und Cerro Torre zu erkennen. Wie wir später erfuhren, werden nur ganz wenige Neuankömmlinge mit diesem Panorama beehrt, denn die Region ist für notorisch schlechtes Wetter bekannt.Das Leben meinte es wiedermal sehr gut mit uns, und das nicht nur wettertechnisch: Von unseren Villa-Venus-Freunden bekamen wir den Tipp, beim Centro Alpino vorbei zu gehen und nach Carsten zu fragen. Also los, doch Carsten war gerade für länger nicht da. Dafür waren da: Seilschaft 1 bestehend aus Päde, Andy, Lorenz und Andi, Seilschaft 2 bestehend aus Roger und Simon und Seilschaft 3 bestehend aus Marcel und Stefan. Alles Schweizer ausser dem Südtiroler Simon, alles leidenschafliche Kletterer und alle mit grossen Bergsteigerplänen in Patagonien. Obwohl, oder gerade weil wir von der Bergsteigerei so gut wie keine Ahnung hatten, wurden wir herrlich aufgenommen, der Pfusbus im Vorgarten platziert und los gings mit unserer Einführung in die Freuden und Leiden der Kletterei in Patagonien.

Lektion 1: Patagonien hat die wohl interessantesten Kletterberge der Welt, aber auch die schwierigsten.
Lektion 2: Ohne Schönwetterfenster geht nix, gar nix.
Lektion 3: Entweder man hat gute Laune beim Warten, gute Laune beim Klettern oder gute Laune beim Feiern.
Lektion 4: „Dr Gipfel isch nur dr halbi Berg.“ (Zitat Marcel)
Lektion 5: Maestri war auf dem Cerro Torre, oder doch nicht? (Nicht nur für Insider eine unglaublich spannende Geschichte, googelt mal!)
Lektion 6: „Mängmal muesch eifach au öppis probierä!“ (Zitat Lorenz)
… und so weiter.


Dieses Panorama hat Seltenheitswert: Rechts Mt. Fitz Roy und Poincenot. Links der Cerro Torre und seine Brüder.


Sherpa Rohrer auf dem Gletscher mit ein bisschen Wind. Im Hintergrund der Mt. Fitz Roy.


Los expertos: Lorenz, Andy und Päde.

Zwei Tage nach unserer Ankunft bestieg Didier mit Lorenz, Andy und Patrick den Gletscher zum Fitz Roy in der Absicht, Material für die Kletterei näher an die Wand zu bringen. Leider musste die Expedition vorzeitig wegen Lawinengefahr und Sturm abgebrochen werden, die Fotos waren es aber wert! Dann war es endlich da, das Schönwetterfenster! Der Pfusbus wurde sofort zum Bergsteigertaxi umfunktioniert und eine Seilschaften nach der anderen soweit wie möglich näher an die Startpunkte chauffiert. Schliesslich waren wir nur noch zwei. Also packten auch wir unsere Rucksäcke mit Zelt und Food und machten uns auf eine dreitägige Schönfensterwetterwanderung vorbei an idyllischen Seen und Wäldern und immer mit Sicht auf die markanten Berge Mt. Fitz Roy oder Cerro Torre. Im Vergleich zu den meisten anderen (Halbschuh- und Minirock-)Wanderern waren wir material- und kleidermässig eindeutig overdressed, oder nennt man das in Argentinien underdressed?


Kohlenhydratefuttern vor dem grossen Angriff! Von links: Päde, Marcel, Stefan, Barbara, Andy, Simon, Roger, Lorenz, Andi. Vielen Dank für eure Gastfreundschaft und die tolle Zeit mit euch!!!


24:00 Uhr: Die Silberfüchsler und der Transportbus sind ready to go.


Hier hangen irgendwo die Kollegen Bergsteiger in der Wand (Ihr müsst nicht suchen, keine Chance was zu erkennen!).


Cerro Torre und seine Laguna morgens um 5.


Ja, wir mögen die Berge.

Einen Tag nach uns trudelten auch die Jungs nach und nach wieder beim Centro Alpino ein. Zwar wurden nicht ganz alle Ziele erreicht, aber alle waren gesund und zufrieden zurück, Grund genug für zahlreiches Anstossen im Centro und in der berühmtberüchtigten Cervezeria. Für uns folgten nach der theoretischen Einführung ins Bergsteigersein die praktischen Übungen am Fels, bis Didier vor lauter Muskelkater in den Unterarmen die Pfusbustüren kaum mehr aufbrachte. Herzlichen Dank Marcel und Stefan! Sozusagen als Cumbre fand just an unserem letzten Abend in El Chaltén ein wildes Asado (traditionelle argentinische Grillparty) mit dem halben Dorf statt. Ein Fest, das diverse Spuren hinterliess, legendär würden wir meinen!


Beim Cumbre-Bier (Cumbre=Gipfel).


In der Praxis.


Vorher…


… nachher: Zu diesem Zeitpunkt hatte das Asado schon eine gewisse Stimmung erreicht!

Wir verliessen El Chaltén am Montagmorgen nach dem Katerfrühstück und machten uns auf weiter in Richtung Süden, wo wir ein schönes Plätzchen für die Weihnacht suchen werden. Wir hoffen, auch ihr findet alle euer schönes Örtchen, um die Festtage zu geniessen! Frohe Weihnachtstage und alles Gute fürs neue Jahr!

Hasta luego, los Pfusbüssleros

Verfasst von: Barbara & Didier | November 25, 2011

Buenos Aires und die Atlantikküste

Camarones, 24.11.2011, 33’200 km

Buenos Dias!

Gerade vorweg: Uns und dem Pfusbus geht es zur Zeit blendend! Die letzten paar Wochen waren allerdings nicht immer nur Schoggi. Nach unserer Rückkehr von der Osterinsel quartierten wir uns erst mal wieder bei Familie Ratti in Buenos Aires ein und hatten vor allem eines im Sinn: Sobald wie möglich mit dem Pfusbus losfahren! Der war allerdings immer noch auf dem Schiff. Unsere Nerven wurden weiter auf die Probe gestellt, denn eine Verspätungsmeldung folgte der anderen. Wir versuchten, die Wartezeit so interessant wie möglich zu gestalten, was einem in Buenos Aires zum Glück eher leicht gemacht wird. Wir tanzten Tango an Milongas, genossen das Nachtleben und machten einen mehrtägigen Abstecher über den Rio Plata nach Uruguay in das Hafenstädtchen Colonia.

Endlich wieder mal ein Weltkulturerbe dachten wir, schliesslich vermissen wir die Berner Altstadt und hatten in Zentralasien ab und zu die Möglichkeit, ein solches zu besuchen. Colonia war dann zwar eine Spur weniger eindrücklich, als wir das erwartet hatten, aber super herzig und relaxed. „Buena Onda“ (Gute Welle), nennt man das hier. Die Sonnenuntergänge waren dank der Smogglocke von Buenos Aires top und zahlreiche kleine Kaffees und Restaurants sorgten dafür, dass die Zeit schnell vorbei ging.


La Catedral del Tango:  Zuerst gibt es an der Milonga fakultativen Unterricht, dann geht es auf der Tanzfläche los.


Herziges Weltkulturerbe: Colonia


Trotz Tourismus läuft die Zeit hier ein bisschen langsamer.

Zurück in Buenos Aires ging es dann erneut daran, den Pfusbus möglichst bald bei uns zu haben. Da es uns an Zeit nicht mangelte, holten wir Haftpflicht-Offerten von verschiedenen Versicherungen ein. Die günstigste war mehr als doppelt so günstig wie die teuerste, also fiel uns dieser Entschied eher leicht. Wir engagierten einen Agenten vor Ort, um den Auslöseprozess zu vereinfachen und fielen zunächst mal aus allen Wolken, als wir den Preis hörten; quasi doppelt so teuer wie vermutet. Doch Wahl hat man je eigentlich keine. Wir konnten unsere Laune aufbessern, indem wir mit unserer Gastfamilie und unseren Schulfreunden tolle Abende verbrachten und neue Bekanntschaften machten. So geschehen zum Beispiel mit Carlos und Ana Maria, welche uns in ein tolles Restaurant ausführten. Oder an der Geburiparty vom Mann der Schulleiterin, als Nestor Subiat, seine Frau Natasha und wir schliesslich die letzten waren, die nach Hause gingen. Oder am Geburiessen von Caro, wo dank Neocolor und Tischsets Psycho-Analyse angesagt war.


Ana Maria y Carlos, Bekannte von Bekannten, luden uns zu Parilla ein.


Mit Nestor und Natasha Subiat ging es oft um Fussball, aber nicht nur! Er spielte mit der Schweizer Nati an der WM 94.


Didier und Beni mit Baum und Anna mit Geburikind Caro vor dem Kopf.

Am 11.11.11, nach über drei Wochen Verspätung, kam dann schliesslich der grosse Tag. Um 09:00 Uhr morgens ging es los mit dem Agenten und um 16:30 Nachmittags fuhren wir im Pfusbus aus dem Hafen. Die Zeit dazwischen verbrachten wir mit: Warten (weil man auf dem Hafengelände nur per Linienbus unterwegs sein darf), mit Warten (weil der Container noch beim Schiff war und nicht wie versprochen beim Ausladeterminal), mit Warten (weil noch jede Menge Papierkrieg anstand), mit Warten (weil für das scheinbar letzte Papier der Verantwortliche zwei Stunden im Mittag war) und Warten (weil für das wirklich letzte Papier noch über eine halbe Stunde beim Zoll nötig war). Wenigstens hatten wir unser Baby wieder und erst noch unversehrt und topmotiviert. Es folgte die obligatorische Fahrt  mitten durch die Stadt, ein kurzer und intensiver Abschied von unserer Gastmutter und los gings in dem Freitag-Abend-Buenos-Aires-Stau. Bei Dunkelheit erreichten wir die Laguna de Lobos, wo sich schienbar viele Overlander zuerst Mal von den Zollstrapazen erholen und ihr Auto fürs Weiterreisen fit machen. Auch wir nutzten die Gelegenheit, brauchten einen ganzen Tag, um alles neue und alte Material im Pfusbus zu verstauen und erhielten von Martin aus Deutschland jede Menge Reisetipps.  Dann endlich ging es nach acht (!) pfusbusabstinenten Wochen los ab in den Süden zur Peninsula Valdés, welche wir nach drei Tagen Fahrt erreichten.


Endlich!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Die kahle Halbinsel machte auf den ersten Blick keinen sonderlich spannenden Eindruck, entpuppte sich aber auf den zweiten als Riesenhighlight. Hier eine Liste an Tieren, welche wir dort entdeckten: Glattwale und Orcas, Seelöwen, Pinguine, Guanacos (eine Art Lama), Schwarze Witwe (ok, die hätten wir nicht gebraucht), Sträusse, Füchse, Hasen, Gürteltiere und jede Menge Vogelvieh. Aber der Reihe nach: Wir starteten mit einer Bootstour, denn man erklärte uns, dass die Wale am Ende der Saison vom Land aus nicht mehr zu sehen seien. Danach fanden wir dank einem Geheimtipp einen fast einsamen Strand und machten es uns mit unseren neuen Reisegspändli Manuela und Kai aus dem Thurgau erst mal gemütlich. Die beiden sind schon über ein Jahr in Mittel- und Südamerika ebenfalls mit einem Auto unterwegs, ersparen sich aber den Verschiffungsärger, weil sie den Camper hier kauften und auch wieder verkaufen werden.


Dieser Wal zeigte uns Bootstouristen eine imposante Showeinlage.

Der Platz entpuppte sich als Glücksfall: Ein Strand fast für uns allein und die fantastischen Meeressäuger entgegen allen Prognosen sozusagen vor der Haustüre! Besonders Morgens und Abends kamen die Kolosse mit ihren Jungen bis auf wenige Meter ans Ufer heran; wir bestaunten sie und sie bestaunten uns. Weiter draussen im Meer konnten wir sie springen sehen und besonders in der Nacht folgten herzzerreissende Gesänge (und gelegentliches Grunzen). Den grössten Teil der Zeit, es wurden schliesslich sechs Tage, verbrachten wir an unserem Strand und beobachteten also Wale. Von hier aus liess sich aber auch feststellen, dass die Wale bis auf einige Ausnahmen von den Touristenbooten nicht gerade begeistert sind. Sobald keine Boote in den Buchten zu sehen waren, tauchten die Meeressäuger auf, sonst ab. Alle vier bereuten wir, am ersten Tag pro Person über 50 Stutz für die Schlauchboottour ausgegeben zu haben, und das nicht nur wegen des Geldes.  Unsere zeitweiligen Exkursionen auf der Halbinsel waren aber ebenfalls von Erfolg gekrönt, und was für einen: Noch einmal gegen alle Prognosen sahen wir drei Orcas beim Pinguine jagen (nicht zum fressen, nur zum Spass!). Wir fassten unser Glück kaum, es war atemberaubend. Auch jede Menge faule Seeelefanten und -löwen und tollpatschige Pinguine durften wir aus nächster Nähe bestaunen. Am Abend gab es dann jeweils unter der Leitung von Grillmaster Kai eine Riesenportion frisch gegrilltes Fleisch auf den Teller. Hammer.


Ohne Scheiss keine 20 Meter Abstand. Eine Glattwalmutter mit Baby kam uns mehrmals bestaunen (und umgekehrt).


Grosses Kino: 50 Tonnen in Action.


Woooooooaaaaaaaaahhhhhhhhh!!!!!!!!!!!!!!!!!!


Am nächsten Tag, viel Geduld und Glück war nötig…


…und tatsächlich: Orcas.


Schreihälse. Die putzigen Magellanpinguine beehrten uns mit einem Konzert.

Mit Manu und Kai stimmte die Chemie trotz ganz unterschiedlicher Charakteren auf Anhieb und so beschlossen wir, noch einige Tag zusammen in Richtung Süden zu reisen. Entlang der Küste gibt es zahlreiche unberührte Strände, wir trotzten dem Wind und genossen die raue Schönheit von Patagoniens Atlantikküste. Immer wieder fandern wir schöne und total einsame Plätze zum Übernachten. Die Tage verbrachten wir mit Haushalten, Mate trinken (siehe letzter Blog), Backgammon spielen und immer wieder grillen. Für weniger als 1.5kg Fleisch zünden wir den Grill schon gar nicht mehr an.


Solche Übernachtungsplätze machen gute Laune.


Unsere Nachbarn.

Nach der fantastischen, aber sehr anstrengenden Reisezeit in Zentralasien, der Mongolei und in Russland, sowie nach der mühsamen und teuren Verschiffung und der entsprechenden Wartezeit in Buenos Aires, sind wir nun also richtig in Südamerika angekommen. Wir geniessen das Reisen mit dem Pfusbus in einer auf den ersten Eindruck sehr reisefreundlichen Umgebung. Dass wir mittlerweile über weite Teile mehr oder weniger fliessend die Landessprache beherrschen, hilft uns natürlich auch enorm, den Zeichenblock haben wir noch kein einziges Mal gebraucht. Die verhältnismässig gute Infrastruktur bedingt allerdings auch, dass man sich irgendwie einen Weg abseits des Massen-(Overlander-)Tourismus suchen muss. Wir stellen fest, wir sind längst nicht die einzigen hier. Davon zeugen leider auch manche Verbotstafeln zum wild Campen…

Unsere nächsten Pläne führen uns noch einige Tage der Küste entlang nach Süden, bevor wir dann den Kontinent durchqueren und den östlichen Anden entlang bis nach ganz unten weiter ziehen. Mal schauen.

Liebe Grüsse aus Südamerika!
Die Pfusbüssler

Verfasst von: Barbara & Didier | November 1, 2011

Rapa Nui

Buenos Aires, 01.11.2011, 30’600 km

Iorana!
So grüsst man sich auf Rapa Nui bzw. der Osterinsel, wo wir die letzte Woche verbrachten. Schon lange war es Barbaras Wunschtraum, diese Insel zu besuchen und da wir ja bekanntlich noch mindestens zwei Wochen auf den Pfusbus zu warten hatten, flogen wir also über die Anden nach Santiago de Chile und satte 3’700 km über den Pazifik nach Rapa Nui. Beim Landeanflug wird man schon ein bisschen unruhig, denn nach der Ehrenrunde über der Insel steht fest, sie ist nur knapp breit genug für die Landebahn (Wieso hat man nicht in die Länge gebaut?). Die Insel ist ein Dreieck, jede Seite etwa 20 km lang und an jeder Ecke steht ein ruhender Vulkan. Wir spekulierten darauf, vor Ort eine Unterkunft zu finden, was uns nicht schwer gemacht wurde. Bereits vor der Gepäckannahme standen die Hotel- und Hostelbesitzer Spalier. Wir entschieden uns für Elvira und das Keu Henua Agroturismo Hostel. Gleiches taten Pilar, Cristina und Eusebio aus Spanien und schon hatten wir Gspänli zum Spanisch üben gefunden.


Über den Anden, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein…

Am nächsten Morgen weckten uns Gockel und Sonnenschein und nach einem Saft aus hofeigenen Früchten machten wir uns auf, zu fünft die Insel zu entdecken. Wir mieteten einen Pickup, dazu einen Guide und knobelten aus, wer hinten auf der Ladefläche Platz nehmen musste. Den Guide hätten wir uns sparen können, er hatte nämlich keinen Schimmer von Geschichte und Kultur und da es auf der Insel nur eine Rundstrasse gibt, kann man sich auch nicht verirren. Umso mehr beindruckten uns aber die über die ganze Insel verstreuten Attraktionen. Besonders die Moai, die weltbekannten Steinfiguren, strahlen eine ganz besondere Aura aus. Über einem Grab eines wichtigen Mannes wurde ab dem 14. JH. eine Plattform und darauf ein Moai gebaut, welche den Geist auffangen sollte, damit dieser weiterhin über dem Stamm wachen konnte. Leider verabschiedeten sich die Inselbewohner später von dieser Vorstellung und kippten alle Figuren kopfüber von ihren Sockeln und köpften sie. Danke für die Infos Wikipedia, du warst erst noch gratis. Die Statuen sind überall auf der Insel zu finden, meistens in Gruppen, manchmal einzeln, zum Teil schon von Gras und Erde überwachsen, zum Teil aber auch (von Japanern) renoviert und wieder an ihrem ursprünglichen Platz aufgestellt.


Wer hat den Film Rapa Nui gesehen? Hier der berüchtigte Felsen des Vogelmann-Wettbewerbs.


Rano Raraku: Aus diesem Vulkan wurden alle Moais ausgemeisselt und dann auf der Insel verteilt.


Urplötzlich wurde mit der Herstellung der Moais aufgehört, warum ist unklar. Zahlreiche angefangene Moais wurden einfach an Ort und Stelle liegen oder stehen gelassen.


Das ist nur der Kopf. Die Dinger sind zum Teil riesig und bis zu 80t schwer.


Wo ist Walter? Findet ihr den angeschnitzten Moai?


Spanisch-Schweizerisches Gruppenfoto. Wenigstens dafür war der Guide gut.

Von unseren Freunden liessen wir uns zu einem klassischen Touristenevent überreden; traditionelles Essen, traditionelle Musik und eine Tanzshow mit leicht bekleideten Häuptlingen und Südseeschönheiten. Kitsch pur, aber nach einem Glas Pisco Sour war es schliesslich ganz amüsant. Bei dieser Gelegenheit lernten wir noch die restlichen Gäste unseres kleinen Hostels kennen und am nächsten Tag machten wir uns alle zusammen auf zu einer weiteren Sightseeing-Tour, leider ohne das spanische Trio, welches Tags darauf abreiste. Unsere Equipe bestand aus dem Mexikaner Umberto, Maria Helena, Luis, Claudia, Jose Luis und Maritza aus Chile, sowie aus uns beiden Bleichgesichtern. Unterwegs pickten wir noch Marieke aus Holland auf, welche zu Fuss unterwegs war und sich uns spontan für den Rest des Tages anschloss. Zurück im Hostel machten wir uns in der Küche zu schaffen, die Jungs gingen literweise Wein einkaufen und los ging es mit einer langen und feuchtfröhlichen Tropennacht.


Showtime: Kriegsbemalung war im Preis auch inkl.! Drinks leider nicht.


Man kann es auch mit Alkohol lustig haben.

Der Durchschnittstourist bleibt nur drei Tage auf Rapa Nui, wir hatten uns trotz dreimaliger (!) Warnung der Reisebüroangestellten für 7 Tage entschieden und bereuten dies nicht im geringsten. Es gab Höhlen zu erforschen, Vulkane zu besteigen und Moais weit ab von den Touristenpfaden zu bewundern. Natürlich liessen wir es uns nicht nehmen, den Wecker zu stellen und die Moais in Tongariki im Morgengrauen zu knipsen. Nach einer halben Stunde Motocross mit dem Scooter vom einen Ende der Insel zum anderen erwartete uns eine spektakuläre Stimmung:


Am einen Ende der Insel bezauberte der Sonnenaufgang. Hier befindet sich auch die grösste Sammlung von Moais.


Weils so schön war, hier nochmal ein Föteli.


Am anderen Ende der Insel war der Sonnenuntergang attraktiv.


Weils auch hier so schön war…

An der Anzahl Bilder wird klar, wir waren tief beeindruckt und konnten nicht genug kriegen von den Moais. Das Steinmänner-Bestaunen unterbrachen wir denn auch nur zum Schlafen, Essen und Sünnelen. Zwar hat die Insel nur einen einzigen Badestrand, der ist aber wunderschön. Am letzten Tag machten wir es uns stundenlang unter einer eigenen Palme bequem, bevor wir Abschied nehmen mussten vom kleinen Tropenparadies.


Bondgirl.


Privatpalme.


Stammlokal.

Besos a todos!
Los Pfusbüsleros

Verfasst von: Barbara & Didier | Oktober 25, 2011

Buenos Aires

Hanga Roa, 24.10.2011, 30’600 km

Hola Chicos

Es ist Oktober und die Schaufensterpuppen tragen mini Minis, die farbenprächtigen Blumenbuden platzen aus allen Nähten und soeben wurde Muttertag gefeiert. Wir waren in Buenos Aires sozusagen kopfüber in einer verkehrten Welt gelandet, und das morgens um 5 Uhr. Zwei Stunden später strandeten wir in der Wohnung einer alten Dame, wo wir uns erst mal für ein paar notwenige Stunden auf die müden Ohren legten. Dann ging es zu Fuss motiviert in Richtung Schule, wie sich später herausstellte allerdings volle 180° in die falsche Richtung. Hat uns ja auch keiner gesagt, dass hier mittags die Sonne im Norden steht. Blöder Anfängerfehler heieiei… Im zweiten Anlauf haben wir es dann doch noch an die richtige Adresse geschafft. Die kleine, familiäre Sprachschule war uns auf Anhieb sympathisch, im Gegensatz zu unserer Unterkunft: Während die Dame des Hauses im Speisezimmer am reich gedeckten Tisch das Frühstück zu sich nahm, standen für die vier ausländischen Studenten im stinkenden Gang neben der vergammelten Küche einzig Kaffee und alte (angegessene?!) Zwiebackbruchstücke bereit. Die an sich stilvolle Stube war für uns leider Tabuzone, auf eine Beschreibung des Badezimmers verzichten wir freiwillig. Wir sind uns ja mittlerweile einiges gewohnt, aber alles was recht ist. Wir sind doch keine Dollarscheine schei… Esel! Nach einem vielversprechenden Besuch bei Unterkunft Nummer 2 wurden wir am darauffolgenden Tag quasi aus der Wohnung geworfen und strandeten denn auch eine volle Stunde zu früh bei Familia Ratti. Nach drei Mal klingeln wurde die Türe schliesslich schlaftrunken geöffnet, Samstagmorgen um 11 Uhr ist in Buenos Aires ja auch noch mitten in der Nacht. Aber Rattis hatten volles Verständnis für unseren Überfall und bald sassen alle zusammen beim Frühstück, am selben Tisch! Abends zog es uns in eine Parilla-Beiz (Grill), schliesslich mussten wir uns vergewissern, ob das argentinische Fleisch tatsächlich so gut ist wie sein Ruf. Es ist gut, und der Wein auch! Wir sind ungewollt in einem ziemlich noblen Restaurant gelandet, haben sehr gut gegessen und getrunken und waren danach trotzdem nicht bankrott. Argentinien gefällt uns, miam! Auch im unteren Preissegment wurden wir kulinarisch nur selten enttäuscht, und unter uns gesagt: Sogar der Big Mac schmeckt in Buenos Aires einfach besser. Ist allerdings gleich teuer wie eine Mahlzeit in einem anständigen Restaurant. Übrigens, als wir spätabends vom ersten Restaurantbesuch zurückkehrten sass die gesamte Familie Ratti vor dem Fernseher und schaute sich die Rugby-WM an ( „Los Pumas“ schafften es dann immerhin ins Viertelfinale). Wir sassen noch nicht auf dem Polster, hatten wir schon ein Glas Bier in der Hand. Irgendwann kamen noch ein paar Kollegen vorbei, und als wir uns schliesslich gegen 02:00 Uhr hundemüde Richtung Bett verabschiedeten, meinten die Jungs, es sei noch zu früh für den Ausgang, um diese Uhrzeit laufe in dem Club noch überhaupt nichts. Ans spät ins Bett gehen gewöhnten wir uns schnell, schwieriger wurde es mit dem Aufstehen. Da unsereins ja brav die Schulbank drückte, fehlten uns jede Nacht mindestens zwei Stunden Schlaf.


Muttertagsessen mit Julien (USA), Barbara, Gastbruder Federico, Didier, Gastbruder Ezequiel, Mama Marta und Gastschwester Maria Eugenia.


Unser vorübergehendes Zuhause ist denkmalgeschützt.

A propos Schule. Jeden Tag mehrere Stunden die Schulbank zu drücken, war wieder etwas völlig ungewohntes. In kleinen, internationalen Klassen ging es in rasantem Tempo vorwärts mit Diskutieren, Erzählen, Lesen, aber auch mit einer gehörigen Portion Grammatik und den schon vor 20 Jahren unbeliebten Rollenspielen! Richtig gemein war, dass jeweils nur Barbaras Klasse Hausaufgaben kriegte und Didier nach dem Ausgang immer direkt ins Bett hüpfen konnte während Barbara sich noch mit dem Subjuntivo und den Preteritos herumschlagen musste. Nebst dem Spanischunterricht gab es ein Kulturprogramm, bestehend aus Filmabenden, Yoga- und Tangolektionen, Nachhilfe (ja, die war auch nötig!), sowie gemeinsamen Essveranstaltungen in verschiedenen Formen. Die Picadas (Fingerfood-Partys) und Parillas (Grillpartys) auf der schuleigenen Dachterrasse fanden wir super, das gemeinsame Pizzabacken hat uns allerdings etwas irritiert. Des Rätsels Lösung: Die Argentinier denken doch tatsächlich, dass Pizza für Nicht-Argentinier etwas ganz spezielles ist! Zur Info: In Buenos Aires servieren mindestens zwei von drei Restaurants Pasta und Pizza. Mit der argentinischen Küche wurden wir sozusagen privat bekannt gemacht. Mehr oder weniger erfolgreich lehrten uns Marta und Fede Quittenkuchen backen und Empanadas formen und bei Anjas WG-Kollegin Clara genossen wir gleich einen ganzen Abend lang einen argentinische Kochkurs. Nach einem witzigen Abend kriegten wir sogar noch die Rezepte zugemailt, muchas gracias Clara!


Schulfreundinnen: Camila, Clara, Mariana, Barbara, Anja, Eva.


Spassige Kochschule mit Clara, Thomas, Eva, Anja und Didier.


Unter kundiger Anleitung am Empanada formen. (Didiers Werke erhielten den Namen „Empanada de Notre Dame“)

Nach der Schule ging das Leben in der niemals schlafenden Grossstadt aber erst richtig los. Wir zogen mit unseren Schulkollegen oder den Ratti-Chicos zu allen Tages- und Nachtzeiten durch die Stadt. Waren wir nicht auswärts unterwegs, gab es bei Rattis garantiert Besuch. Bei bis zu geschätzten zwanzig Argentiniern gleichzeitig in der Hütte war an Schlafen sowieso nicht zu denken, also zogen wir beim Sozialisieren und Mate trinken voll mit.


Gastbruder Federico weiht uns in die Mate-Zubereitung ein…


… während Kollege Andres alles auf Papier festhält.


Dubelisichere Mate-Anleitung

Buenos Aires ist riesig, schnell, laut, gefährlich, architektonisch ziemlich unattraktiv. Die „Porteños“, so nennen sich die Locals, machen aber alles wett. Kulturell läuft immer etwas. Wir waren in Peñas (Folklorekonzert und –Tanz), coolen Bars, Cafés, Museen und auf tollen Strassenmärkten. Die Buschauffeure sind hilfsbereit (ist auch nötig, das System ist für Anfänger eher kompliziert) und alle Leute lassen uns zum gegenseitigen Amüsement wirklich spanisch sprechen, ohne dass wir mit englisch abgewürgt werden, auch wenn die Bestellung mal ein bisschen länger dauert. Ausgeraubt wurden wir (noch?) nicht, obwohl auch schon ein Gauner die Finger in Didiers Hosentaschen hatte.


Wenn gerade kein Putsch stattfindet, können die Argentinier alle paar Jahre das kleinste von mehreren Übeln in das hübsche rosa Haus wählen. Frau Kirchner darf seit letztem Wochenende nochmals ein paar Jahre weitermachen.

Alle Argentinier tanzen Tango, so dachten wir zumindest. Weit gefehlt, obwohl der Tango ein urtypisches Element der argentinischen Kultur ist, gibt es ihn eigentlich nur von Strassenkünstlern, in Touristenshows oder in den Milongas, einer Art Tangoparty zu sehen und zu tanzen. Wir liessen uns von dem nicht abschrecken, nehmen nun bei Tanzlehrerin Barbi Lektionen und üben mehr oder weniger fleissig zu Hause, natürlich zu den hilfreichen Kommentaren der nicht-tanzenden Rattis. Uns gefällts, und obwohl der Einstieg definitiv nicht einfach ist, sieht es wirklich schon nach Tango aus, auch wenn die ganz coolen Moves noch fehlen.


Und sie tanzten einen Tango…


… und sie auch.

An der Pfusbusfront wurde es ein bisschen ruhiger: Endlich ist unser Liebling unterwegs, allerdings dauert es noch bis Anfang November bis zur Ankunft in Buenos Aires. Um die Zeit zu überbrücken, schmiedeten wir schon bald verschiedene Pläne. Iguazu-Fälle oder Uruguay, Peninsula Valdez oder Salta? Nach drei Wochen Buenos Aires war allerdings klar: Wir sind reif für die Insel! Über Amigos von Amigos organisierten wir kurzfristig Flugtickets zum Einheimischentarif und sassen kurz darauf auf Nadeln, meldete sich doch der Vulkan Puyehue drei Tage vor Abflug mit einer riesigen Aschewolke über Buenos Aires. Keine Flüge und Weltuntergangsstimmung in der Stadt. Die Vulkangötter waren uns aber freundlich gesinnt und liessen just am richtigen Tag das Fliegen wieder zu, Glück gehabt! Wo wir jetzt sind? Auf der Osterinsel am Steinmänner gucken!

Liebe Grüsse von der anderen Seite der Kugel, die Pfusbüssler

Verfasst von: Barbara & Didier | Oktober 5, 2011

Von Dänemark nach Deutschland

Buenos Aires, 03.10.2011, 30‘600 km

Buenos dias amigos!

Wir sind im Land Nummer 20 angekommen: Argentinien! Hier weichen wir rein äusserlich wieder einmal ziemlich stark von der Norm ab. Um wenigstens verbal einigermassen bei den Leuten zu sein, drücken wir deshalb vorübergehend die Schulbank. An Zeit mangelt es uns nicht, schliesslich müssen wir noch fünf Wochen auf den Pfusbus zu warten. Der Arme ist leider immer noch in Nordeuropa. Aber dazu später, denn das ist eine (ärgerliche) Geschichte für sich… Blenden wir zuerst zurück nach Dänemark, respektive Schweden. In Helsingborg rollten wir just in time auf die abfahrbereite Fähre, wo wir die letzten schwedischen Münzen loswerden wollten. Für acht schwedische Kronen gab es einzig ein Snickers zu kaufen, dachten wir jedenfalls. Die Verkäuferin war anderer Meinung, denn die Acht stand für dänische Kronen, von denen wir natürlich noch keine hatten. Sie erkannte aber die Problematik, drückte ein Auge zu und überliess uns die Schoggi sozusagen zu einem Aktionspreis in schwedischen Kronen, wie nett.

In Kopenhagen stellten wir den Pfusbus auf einem zum Campingplatz umfunktionierten alten Fort ab, sprich zwischen Kanonen und Bunker. Danach taten wir, was jeder in Kopenhagen tut: Fahrradfahren. Ziel: Die kleine Meerjungfrau. Als wir vor genau einem Jahr das gleiche taten, da war die Dame nämlich nicht daheim, sondern machte gerade einen Auslandaufenthalt an der Weltausstellung in Shanghai! Dieses Mal hatten wir Glück, sie war zu Hause. Beim Zurückradeln fiel uns plötzlich ein, dass wir just an diesem Tag die 30‘000 km-Grenze überschritten hatten. Also schnell noch einen Champagner kaufen und den Pfusbus loben gehen! Er machte seine Sache nämlich bestens und führte uns zuverlässig in der Weltgeschichte herum. Für die  mittlerweile mehrfach gespaltene Frontscheibe konnte er ja nichts dafür, da ist ein russisches LKW-Ungetüm schuld.


Zurück in der Heimat.


Auf die nächsten 30‘000 km!


Doch noch ein kleines bisschen Gstaad-Feeling im 2011.

Am nächsten Tag radelten wir per Zufall geradewegs an ein internationales Beachvolleyturnier und blieben dort natürlich stecken, schliesslich hatten wir dieses Jahr den Grand Slam in Gstaad verpasst. Das Gstaader Turnier des Vorjahres rückt uns jedes Mal in Erinnerung, wenn wir etwas auf dem Pfusbus zu montieren haben, hat der Arme doch seither 200 Hagelbeulen im Dach… Daneben verbrachten wir viele lange und mühsame Stunden im Internet, schliesslich musste noch so einiges für die Weiterreise organisiert werden.

Tags darauf rollen wir nach einem gemütlichen Brunch mit den Landesgenossen Alexandra und Andi und einem kleinen Zwischenstopp in einem Wikingerfort geradewegs ins nächste Land: Das Legoland; schliesslich sind wir beide eingefleischte Lego-Kinder. Der Lonely Planet schreibt „You will fell underdressed without your own set of little anklebiters“. Wir sind ja längstens nicht immer einverstanden mit dem Reiseführer, aber wo er recht hat, hat er recht. Bisher kämpften wir uns auf unserer Weltreise durch manch einen Stau und vorbei an unzähligen Rowdys auf vier Rädern. Im Legoland war indes zwischen den Kinderwagen fertig lustig, denn wie in den Grossstädten Zentralasiens galt auch im Reich der farbigen Klötzchen das Recht des Stärkeren im Verkehr. Sicher ist, wir haben noch nie im Leben so viele Kinderwagen auf einmal gesehen! Die Lego-Miniaturen waren teilweise sehr eindrücklich, aber ansonsten hat der Park für das Kind im Mann nicht besonders viel zu bieten.


Hola Chica, que tal?

Also weiter ins nächste Land, wo es uns sehr Spanisch vorkam, wieder Deutsch zu sprechen… In Hamburg angekommen, taten wir, was so getan werden musste: Pfusbus prüfen und neue Frontscheibe einbauen lassen, flachgelegene Matratzen in der IKEA gegen neue austauschen, mit Reiseführer für den nächsten Kontinent eindecken etc. etc. Schliesslich quartierten wir uns im Quartier Farmsen in einer kleinen Ferienwohnung ein und los ging es mit Besuch aus der Heimat.
Als erstes durften wir Barbaras Vater Pio und Inger willkommen heissen. Zusammen mit ihnen erkundeten wir Hamburg erst mal per Velo und dann ausgiebig zu Fuss. Die Stadt hat erstaunlich unterschiedliche Gesichter. Besonders gut gefallen hat uns die Speicherstadt mit den alten, backsteinfarbenen Lagerhäusern und Kanälen, die topmoderne Hafencity mit toller Architektur, hippen Beizen und der sich im Bau befindenden Elbphilharmonie der Schweizer Stararchitekten Herzog und De Meuron sowie die schönen Herrenhäuser in einigen Aussenquartieren.


Speicherstadt: Wo früher mit Kakao, Gewürzen und Teppichen gehandelt wurde.


Hafencity: Das hypermoderne Neubauviertel gilt als grösste Baustelle Europas. Pikantes Detail: 2090 wird schon wieder alles unter dem Meeresspiegel sein.


Elbphilharmonie: Kostet statt geplanten 77 nun rund 400 Mio Euro. Damit wäre Griechenland schon halb gerettet.

Der Samstagabend stand ganz im Zeichen der Beatles, die in der City quasi erwachsen wurden, bevor sie den Durchbruch hatten. Mit Steffi und ihrer Gitarre zogen wir auf den Spuren der vier Pilzköpfe durch das Schanzenviertel, St. Pauli, die Reeperbahn und die Grosse Freiheit und lauschten abwechslungsweise den witzigen Anekdoten und den bekannten Hits. Zum Abschluss gab es in einer kleinen Bar ein Livekonzert mit Herrn Schmidt und vielen leckeren Caipirinhas. Wenn schon Hamburg, dann auch Lion King. Das Musical wird seit 10 Jahren ununterbrochen gespielt und am Sonntagabend waren wir mit dabei. Merci Pa! Kompliment an die Kostümmacher, wie die verschiedenen Tierarten dargestellt wurden war schlicht umwerfend.


Die Löwen sind los!


Auf der Grossen Freiheit.


Steffi und Herr Schmidt in Action.

Noch ein Wort zum Essen: Ob beim gradlinigen Griechen oder beim authentischen Portugiesen, wir haben dank Inger und Pio fein gegessen in Hamburg. Das mitgebrachte Raclette war dann allerdings das Tüpfchen auf dem i! Jaja, sie fehlt uns langsam aber sicher, die Schweizer Küche.
Im Nu waren die vier Tage vorbei und wir fanden uns wieder am Flughafen, um Inger und Pio zu verabschieden. Wir danken Euch beiden herzlich für alles, es war einfach toll mit Euch! Bis zum nächsten Mal!


Bisschen W(+A)erbung muss sein!


Süsse dreiundzwanzig. Oder so sieht sie wenigstens aus. (A.d.R.: Text von Didier)

Am einzigen sozusagen sturmfreien Tag gab es was zu feiern: Barbaras Geburi. Nach einem ausgiebigen Frühstück kämpften wir im Kino Seite an Seite mit Harry Potter gegen das Böse, genossen dann beim Mexikaner Cerveza und Fajitas und wollten uns schliesslich der Schoggitorte annehmen. Letztere war bei unserer Heimkehr leider immer noch beinhart gefroren im Tiefkühlfach statt draussen am Auftauen, weshalb wir das grosse Tortenessen um mehrere Stunden bis knapp vor 24:00 Uhr verschieben mussten.

Tags darauf hiess es schon wieder Abschied zu nehmen, diesmal vom Pfusbus. Wir fuhren unser treues Lieblingstransportmittel in den Containerhafen, sagten Tschüss bis bald in Buenos Aires und wünschten ihm eine gute Reise. Der Abschied war hart genug, zum Glück wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wie viel Ärger wir mit dieser Verschiffung noch bekommen würden. Kaum war der Bus in der Hochsicherheitszone von Didier an einen Hafenmitarbeiter übergeben worden (Barbara durfte nicht mit), ging es los mit dem Theater. Die Agentur hat versäumt, uns mitzuteilen, dass wir noch auf einen Frachtbrief warten müssen, der aus München kommen soll. Logisch, bei einer italienischen Reederei und einem Hamburger Hafen, oder? Für uns aber ziemlich unpraktisch, denn wir würden zu diesem Zeitpunkt schon in Südamerika sein, die Flüge waren schon lange gebucht. Dann die nächste böse Überraschung: Schiff weg, Pfusbus noch im Hafen! Das Schiff hatte schon einige Tage Verspätung, also kann man es auch gleich ganz ausfallen lassen, dachten sich die Italiener wohl. Für uns äusserst blöde, denn total müssen wir nun im besten Fall zwei Wochen mehr als geplant in Südamerika auf den Pfusbus warten, denn er kam erst auf das nächste Schiff. Das heisst: Hoffentlich, denn eine Bestätigung haben wir auch jetzt noch nicht in den Fingern. Es scheint, dass im Seetransportgewerbe gängige Geschäftsprinzipien nur bedingt gelten. Wer zahlt, dem wird befohlen. Wer fragt, dem wird nicht geantwortet und Fahrpläne sind da, um nicht eingehalten zu werden, wenn überhaupt gefahren wird. Ein Wunder, haben die Chinesen nicht schon längst eine Eisenbahn in alle Himmels- bzw. Meerrichtungen gebaut, um ihre Exporte sicherzustellen.


So ein Frachtschiff lädt bis zu 13‘500 Container, hoffentlich finden die den Pfusbus in Buenos Aires wieder!


Containerhafen-Abendstimmung.


Rathaus, Binnen- und Aussenalster.

Wechseln wir zu einem erfreulicheren Thema, denn ein paar Stunden nach dem Verschiffen standen wir nämlich schon wieder am Flughafen, um Didiers Mutter Doris und Schwester Stephanie mit Freund Ivo zu empfangen. Bei schönstem Wetter standen uns weitere drei Tage Sightseeing bevor. Die Hafenrundfahrt war besonders spannend, musste da doch irgendwo gerade unser Pfusbus verladen werden (zumindest dachten wir das, naiv wie wir waren). Das Miniatur-Wunderland, die weltgrösste Modelleisenbahnanlage, zog insbesondere die beiden Jungs völlig in den Bann. Zugegeben, die Anlage war eindrücklich und wer sich Zeit nahm, entdeckte plötzlich zwischen einer Gruppe Nonnen ein paar Pinguine und andere witzige Details. Die Jagd nach dem grössten Eisbecher Hamburgs ging an einem Sonntagnachmittag zu Ende, die Dinger waren riesig! Auch Currywurst und Alsterwasser haben wir nicht ausgelassen. Dass Ivo und Stephanie im letzten Frühling drei Monate in Südamerika herumtrampten, kam uns gerade gelegen, konnten sie uns doch mit vielen Do‘s and don’t eindecken. Wie immer raste die Zeit nur so dahin und die nächste und vorläufig letzte Verabschiedung stand uns bevor. Euch Doris, Stephanie und Ivo ebenfalls ein grosses Merci, dass Ihr da wart. Wir haben es sehr genossen!


Nicht ganz jugendfreies in der Modelleisenbahnwelt.


Was geht!?


Der Beweis: Kopffotos klappen auch zu fünft!

Tja, plötzlich fühlten wir uns fast etwas verloren so ohne Familie und ohne Pfusbus. Dafür genossen wir das von Doris mitgebrachte Fondue doppelt! Im Jahr 2011 wird es einen neuen persönlichen Minusrekord geben in Sache Käserühren, normalerweise drücken wir den CH-Prokopfkonsum nämlich gewaltig nach oben! Für Selbstmitleid blieb aber keine Zeit, denn nun mussten wir selber die Koffern packen. Flug eins führte uns nach Madrid, wo wir den achtstündigen Aufenthalt gemäss Tipp von Freundin Tania im Parque del Retiro mit Horcheta trinken verbrachten. Zugegeben, der Geschmack von Horcheta ist etwas eigenwillig, aber wir fühlten uns dadurch sofort sehr madrilenisch.


Schon wieder ein neues Land, wenn auch nur kurz. Der Parque del Retiro in Madrid.

Flug Nummer zwei führte uns in einem klapprigen Jumbo über den Atlantik in den Riesenmoloch Buenos Aires. Da sind wir uns nun am akklimatisieren. Gar nicht so einfach für zwei Landeier wie wir es sind. Denn so viel ist klar: Bern ist ein Dorf!

Hasta luego, die Pfusbüssler

Verfasst von: Barbara & Didier | September 10, 2011

Von Finnland nach Schweden

Billund, 10.09.2011, 30‘400 km

Hejhej!

Wir grüssen Euch aus Skandinavien, wo wir Blondinen uns total gut integrieren (wenigstens solange wir nicht den Mund öffnen…). Berichten wollen wir euch hier über unsere Erlebnisse in Finnland und Schweden. Kaum über die russich-finnische Grenze steuerten wir auf den ersten „richtigen“ Campingplatz seit 5 Monaten zu, und der war gleich ein Glückstreffer. Klein, gemütlich und direkt am Wasser gelegen, blieben wir dort mehrere Tage um auszuspannen und Barbaras Erkältung auszukurieren. Die Besitzerin, gleichzeitig Krankenschwester, bot medizinische Hilfe an, Nachbar Akso nahm Didier mit ins nächste Dorf um einzukaufen und kochte uns mitten in der Nacht Eierschwämme. Mit Jenny und Jula aus Deutschland schliesslich verbrachten wir quatschend einen langen, gemütlichen Abend. Alle waren ganz begeistert von unserem Trip und als es uns schliesslich doch weiterzog, schenkte uns Akso zum Abschied ein Pilzmesser (mit integrierter Putzbürste) und einen ganzen Sack voll Eierschwämme und Steinpilze, die er und der Campingplatzbesitzer extra für uns gesammelt hatten!


Die Pilzputzcrew in Action.


So schlimm ist Globalisierung ja gar nicht: Es gibt seit St. Petersburg wieder echten Käse zu kaufen.


In Finnlands Süden.

Die Pilze kochten wir einen Tag später zu einem ganz besonderen Anlass, wir kriegten nämlich Besuch aus der Heimat. In Helsinki feierten wir nach über fünf Monaten Wiedersehen mit Barbaras Mutter, judihui! Das Tüpfchen auf dem i waren die Belperknollen (= sehr leckerer Käse aus Belp) und Ovomaline-Schokolade, welche Helene extra aus der Schweiz mitbrachte, mersi viu viu mau! Wir fühlten uns wie im Schlaraffenland, war doch Käse mit Abstand jenes Nahrungsmittel, das wir am meisten vermissten, dicht gefolgt von Ovoschoggi natürlich.

Zu dritt erkundeten wir Helsinki per Velo und zu Fuss. In einem Café Cappuccino geniessen, am Hafen Glace schlecken, mit der Fähre zum Suomenlinga-Fort tuckern, in den Designerläden schmökern und schwupps waren drei Tage um. Die Stadt schaffte es auf Anhieb unter die Top-Five in unserem Städte-Ranking. Aber keine Angst liebe Berner, Bern ist und bleibt die Nummer 1! Abends tauschten wir uns mit unseren Campingplatz-Nachbarn Fabienne und Adrian aus Luzern aus, welche uns in Sachen weltenbummeln noch einiges voraus haben und zurzeit mit ihren beiden Sprösslingen durch Skandinavien touren.


1-Gang und Rücktrittbremse, zum Glück ist Helsinki topfeben!


Finnlands Eisbrecher in den wohlverdienten Sommerferien.

Weiter zog es uns der Südküste Finnlands entlang nach Ekenäs, Hanko und schliesslich Turku. Auch wenn es manchmal schon gar fest nach Herbst roch, so war das Wetter gut genug zum Campen und um die Umgebung zu Fuss oder per Velo zu entdecken. Überraschenderweise war es gar nicht so einfach, plötzlich zu dritt im Pfusbus unterwegs zu sein, es haben sich bei uns während den letzten Monaten wohl einige feste (oder eher sture?) Muster gebildet. Man könnte sagen, wir mussten uns erst wieder aneinander gewöhnen.


Mutter und Tochter-Idylle.


Belegte Brötchen mit Lachs und Renntier. Mmmmmh.

Die zwei Tage in der Hafenstadt Turku wurden ziemlich schifflastig, fand doch just an diesem Weekend das Tall Ship Race statt und die zum Teil riesigen Segelschiffe waren am Quai vertäut. Mit dabei die Kruzenstern (Sie wurde von Didier sofort als eines der Schiffe vom Segelschiff-Quartett erkannt. Lange ist‘s her…) Bei Bilderbuchwetter kämpften wir uns durch die Unmengen von Zuschauern, Marktständen, Essbuden und Bühnen und fühlten uns wie am Gurtefestival. Einzig dass es auf dem Gurten keine Segelschiffe hat. Natürlich zog es auch uns auf das Wasser und so tuckerten wir auf einem romantischen alten Dampfer um die Inseln des Turku-Archipelagos.


Alte Schönheiten.


Liebe (ehemalige) Quartettspieler, erkennt Ihr sie wieder?


Gurtenersatz.


Logenplatz bei der „Parade of Sails“.

Am nächsten Tag schafften wir es gerade rechtzeitig zurück in den Hafen, um den Segelschiffen vom Tall Ship Race beim Auslaufen zuzusehen. Strategisch günstig auf einem polnischen Kriegsschiff positioniert, hatten wir beste Sicht auf die schwimmenden Beauties und die Showeinlagen der Crews. Während die Matrosen auf den seriösen Schulschiffen im weissen Anzug strammzustehen hatten, boten Crewmitglieder von anderen Seglern Tanzeinlagen zu Musik aus den segelbooteigenen Lautsprechern und Lautsprecherinnen. Wir waren recht erstaunt, wie fit die Crew des russischen Seglers Helena war, am Abend zuvor hatten wir sie noch sternhagelvoll beim Feiern des 1. Ranges im Zwischenklassement angetroffen. Können Saufen und Segeln, die Russen!

Nach wenigen schiffsfreien Einlagen wie dem Besuch des Freilichtmuseums und der Burg von Turku verstauten wir den Pfusbus schliesslich im Rumpf der Amorella für eine 11-stündige Überfahrt nach Stockholm. Bald einmal machten die Regenwolken der Sonne Platz und wir genossen die Aussicht auf die unzähligen Inseln und Inselchen der Ostsee.


Goodbye Finland.


Haben für unser Ferienhäusschen in spe paar nette Inselchen entdeckt.

In Stockholm angekommen, durften wir uns auf Einladung von Helene in einem tollen Hotel mitten in der Stadt einquartieren, was wir Pfusbüssler extrem genossen: Sauberes Bad und Bettzeug, Dusche mit Druck, herrliches Frühstücksbuffet etc.etc. Tausend Dank Ma, es war super! Da auch das Wetter prima mitspielte, hatten wir eine tolle Zeit in einer tollen Stadt. Natürlich besuchten wir das Vasa-Museum, den Royal Palace und die hübsche Altstadt. Fast schon auf Entzug, zog es uns am dritten Tag wieder aufs Schiff und wir tuckerten zum Drottningholm Slott, wo Schwedens Königspaar logiert. Eine schicke Angelegenheit. Nach St. Petersburg meisterten wir die kleidertechnische Herausforderung für den Besuch der Royal Opera mit Leichtigkeit, und so besuchten wir eines Abends die Vorstellung von La Boheme. Die Inszenierung hat uns sehr gut gefallen, sprachlich war es allerdings eine rechte Herausforderung: Gesang auf Italienisch, Obertitel auf Schwedisch.


Silvias und Karl 14 Gustavs Zuhause.


Die drei Schiffsüchtigen.

Die Tage rasten nur so dahin und ehe wir uns versahen, war es an der Zeit, von Helene Abschied zu nehmen. Es hat uns wahnsinnig gefreut, dass Du uns hier im hohen Norden besuchen kamst und wir danken Dir ganz herzlich für alles! Wir freuen uns bereits jetzt auf das Wiedersehen in der Heimat!

Während Helene wohl schon über den Wolken war, standen wir mehrere Stunden im Stau, bevor wir südlich von Stockholm ein Plätzchen zum Übernachten fanden. Didiers Mutter hat uns freundlicherweise darauf aufmerksam gemacht, dass wir just an diesem Tag 6 Monate unterwegs waren. Ein guter Grund um zwei andere Traveller, Johanna aus Stuttgart und Adrian aus Stockholm, zum Abendessen einzuladen. Die beiden reisen mit dem Fahrrad von seiner Stadt in ihre, um beide Heimatländer besser kennen zu lernen. Finden wir sehr sympathisch! Wir sponserten Pasta, Sauce und Whisky, die beiden brachten Bier und Wein. Es wurde ziemlich spät…


Wir waren nicht allein.

In Ljungby angekommen, suchten wir als erstes den staatlichen Systembolaget auf, der einzige Ort, wo man in Schweden Wein kriegt. Denn wir benötigten ein Mitbringsel, und gemäss Reiseführer macht sich in Schweden eine Flasche Wein gut. Punkt 14:00 waren wir dort, punkt 14:00 schliesst der Laden. Die Verkäuferin zeigte kein Verständnis, ihr letzter Kunde aber erkannte den Ernst der Lage und bot uns ohne zu zögern eine seiner eben erstandenen Flaschen an. Wir dachten, sowas passiert nur in Asien! Besuchstauglich ausgerüstet parkierten wir den Pfusbus wenig später auf dem Hausplatz von Kerstin und Berthon. Die beiden sind – vereinfacht gesagt – Verwandte von Bekannten und haben uns für einige Tage herzlich bei sich aufgenommen. Zum ersten Mal seit langem führten wir wieder einmal so etwas wie ein normales Leben mit Waschmaschine und Geschirrspüler, Einkaufen im Supermarkt, Besuch haben und zu Besuch gehen, Termin beim Frisör etc. Nebenher frönten wir unserem neuen Hobby „Housespotting“. Ausgerüstet mit Fahrrad und Fotoapparat oder mit Kerstin und Berton als Reiseleiter und Chauffeur streiften wir durch die Einfamilienhaussiedlungen von Ljungby. Ob alt und romantisch oder brandneu und topmodern, die Schweden haben das Häuslebauen ganz schön im Griff, finden wir.


Wie wäre es mit dem?


Oder doch vielleicht dieses?

Sehr spannend wurde der Besuch bei Tobias und seiner Familie. Barbara und Tobias haben schon viel voneinander gehört, sich aber erst ein einziges Mal gesehen, und das vor über 15 Jahren. Oder sind es schon 20? Wir alten Knochen… Das Wiedersehen war herzlich und als Gwundernasen freuten wir uns darauf, endlich mal ein klassisches Schwedenhaus von innen sehen zu dürfen. Die Familie wohnt nämlich in einem Bilderbuchhäusschen: Ochsenrot gestrichen mit weissen Fensterrahmen, schön renoviert und auf einer Lichtung mitten im Wald. Im hofeigenen Teich züchtet Tobias Speisekrebse und die Mädchen laufen darauf im Winter Schlittschuh. Auf Sophias Vorschlag, Haus und Kinder auf Zeit gegen den Pfusbus einzutauschen, sind wir sofort eingegangen, haben wir uns doch auf Anhieb sowohl ins Häusschen als auch in die drei süssen blonden Mädchen verliebt.

Richtig schnell waren wir am einzigen Sonnentag auf dem Florensee unterwegs. Auch wenn wir eigentlich mehr auf Seegelschiffe stehen, es hat ziemlich Spass gemacht im kleinen Boot mit grossem Motor über das Wasser zu brettern. Für einen der Regentage haben wir das IKEA Museum in Älmhult gespart. Dort wurde Ingvar Kamprad, der Gründer des Riesenkonzerns, geboren, und dort wurde nach dem zweiten Weltkrieg auch der erste IKEA-Laden eröffnet. Es war überraschend spannend, die Geschichte hinter den vier gelben Buchstaben zu erfahren, zumal der halbe Pfusbus mit IKEA-Produkten ausgestattet ist.


Full Speed mit Gastgeberin Kerstin und Kapitän Berthon.


Unser vorübergehendes Zuhause. Herzlichen Dank für Eure Gastfreundschaft!

Kulinarisch ging es uns ebenfalls bestens, wurden wir doch zu einem Plankstek in einem Restaurant eingeladen, wo sich schon Schwedens Königspaar verköstigte. Auch andere schwedische Spezialitäten durften wir dank Kerstin kennenlernen und schlussendlich verriet sie uns sogar das Rezept für ihren wunderbaren Äppelkaka, miam! Nach fünf Tagen machten wir uns kugelrund auf Richtung Dänemark. Ob wir die Brücke oder die Fähre wählten? Wir verraten es Euch im nächsten Post.

Hej då, die Pfusbüssler

Verfasst von: Barbara & Didier | August 18, 2011

Quer durch Russland

Vaalimaa, 18.08.2011, 28‘350 km

Hej!

Wie doch die Zeit vergeht: Kaum waren wir wieder in Russland sind wir auch schon wieder draussen! Die weiten Weiten Sibiriens, den Ural und St. Petersburg hinter uns, melden wir uns aus finnischem Gebiet. Doch dazu später mehr, denn vorerst geht es noch um Russland:

Nachdem der erste Versuch über die Russische Grenze zu kommen, bekanntlich scheiterte, war der zweite auf Anhieb erfolgreich und wir rollten bald durch das russische Altaigebirge. Zwei wesentliche Unterschiede zum mongolischen: Die Hauptstrassen sind geteert und es gibt Wälder, leider aber auch dicke Regenwolken. Es schien uns fast ein bisschen wie in den Alpen. Noch völlig im mongolischen Trott suchten wir uns gegen Abend einen von der Strasse abzweigenden Track um ein Pfusplätzchen zu finden, doch das wäre uns beinahe zum Verhängnis geworden. Vom vielen Regen war der Boden extrem glitschig und wir schlitterten mehr quer als sonst wie den Weg entlang, notabene an einem Abhang. Der Puls war denn auch ein bisschen höher als normal bis der Pfusbus gewendet und wieder auf sicherem Boden war. Gebrannt von diesem Erlebnis zogen wir es vor, im Wäldchen hinter einem kleinen Strassenimbiss zu campen, sicher ist sicher.


Wunderbares Frühstücksplätzchen im russischen Altai.


Bitte Didier, bitte, bitte…

Tags darauf fuhren wir im altbekannten Barnaul ein und wurden im selben Hotel wie vor drei Monaten vom Nachtwächter herzlich empfangen. Diesmal richtete sich unser Zimmer zwar gegen die Hauptstrasse, aber wir hatten welch Wunder WLAN! So verbrachten wir Stunden damit, Verschiffung, Flüge, Unterkünfte etc. zu organisieren. Für Sightseeing blieb gar keine Zeit. Wie praktisch, dass wir uns in der Stadt schon ein bisschen einheimisch fühlten, wussten wir doch wo welche Restaurants und Einkaufsläden sind. Ein bisschen perplex waren wir einzig, als man uns an der Kasse die Vodkaflasche wieder wegnahm, und das in Russland! Dass man uns seit 6 Monaten stets viel jünger schätzt, als wir sind, schmeichelt ja sehr, aber gleich so jung? Doch es ging anscheinend um etwas anderes: Vor 9 Uhr in der Früh darf hier schlicht niemand mit Alkohol aus einem Laden. Ob das den Alkoholmissbrauch vermindern mag, stellen wir in Frage, aber immerhin scheint man das Problem erkannt zu haben.

Am letzten Abend, wir verliessen gerade unser Stammlokal – eine Sushibar wo es auch Fischloses gibt – fuhr doch tatsächlich ein gelbes Postauto an uns vorbei! Von der PTT vor vielen Jahren ausgestaubt, dient es in Barnaul als Linienbus. Wir fühlten uns sofort noch ein bisschen heimischer.

Was unsere Route anbelangt entschlossen wir uns, Barnaul – St. Petersburg sozusagen nonstop unter die Räder zu nehmen, eventuell mit einem kurzen Abstecher nach Moskau. Nachdem uns der Nachtwächter eingeladen hatte, doch bitte im 2012 wiederzukommen, starteten wir das grosse Kilometerfressen: 4‘500 km lagen vor uns. Obwohl die Strassen in Sibirien nur zweispurig sind kamen wir überraschen gut vorwärts. Die vielen LKWs waren auf den schnurgeraden Trasses gut zu überholen und die meisten Dörfer wurden umfahren. Abends versteckten wir den Pfusbus zwischen den Birken und uns selber im Pfusbus drin. Anders ging es nicht, die Mücken hätten uns ohne zu zögern bei lebendigem Leib gefressen!


Die 1. Strophe haben wir noch auswendig gewusst, wir staunten selber!


Gut getarnt ist halb versteckt.

Im Ural änderte die Umgebung. Erstens gab es nebst Birken auch Tannen, zweitens wurde es hügelig und drittens nahm die Strassenqualität drastisch ab und viertens dafür der Verkehr zu. Barbaras Gottemeitschi hätte an den unzähligen Waschtlagen (Lastwagen) ihre helle Freude gehabt, bei uns hielt sich die Begeisterung in Grenzen. Wir änderten unsere Übernachtungstaktik und stellten den Pfusbus fortan für zwei, drei Franken auf einem bewachten Truckstop ab. Die Romantik des wilden Campens war so zwar weg, dafür tauchten wir in die erstaunlich spannende Welt des Truckerlebens ein. Es war faszinierend, diesen Ungetümen von LKWs beim Manövrieren zuzuschauen und ein Abendessen in einem sogenannten Cafe mit schwarzpinktürkisleuchtgelber Tapete und silbernen Stangen (für die Mädels, ihr wisst schon) war ein Erlebnis für sich. Auch wie das mit den Dirnen funktioniert, haben wir schnell rausbekommen, praktisch so getönte Pfusbusscheiben. Die Damen in fortgeschrittenerem Alter, die solche Truckstops führen, waren übrigens alle total nett und immer für einen Schwatz zu haben und die Nachtwächter wiesen uns stets einen Parkplatz ganz nah an ihrem Wachturm zu.


Der Pfusbus war immer der kleinste, blieb für uns aber der grösste.


Idylle beim Brunchen.


Ziemlich beeindruckend diese Felder.

Wieder auf europäischem Boden, dominierten riesige Weizen- und Sonnenblumenfelder die Landschaft und die Strasse führte mit immer mehr Verkehr immer öfter mitten durch Dörfer und Städte, was das Fahren anstrengend machte. 100 Kilometer vor Moskau entschieden wir uns, die Megacity grossräumig zu umfahren und steuerten direkt St. Petersburg an. Nach paar Stunden im Stau und ohne auch nur einen Truckstop gesichtet zu haben, fragten wir bei einem Motel an, ob wir auf dem Parkplatz übernachten dürfen. Kein Problem, kostet aber 20 Euro. Willkommen in St. Petersburg! Beim gegenüberliegenden Motel ein paar Meter weiter von der Hauptstrasse entfernt, liess man uns ohne zu zögern gratis übernachten, ein guter Ort um die vorher gesparten 20 Euro in der dazugehörigen Bar loszuwerden.

Als wir aufwachten, klopften Regentropfen aufs Pfusbusdach, und was nach einem trüben Tag aussah, dauerte schliesslich eine ganze Woche. Dank GPS-Koordinaten steuerten wir direkt auf einen Campingplatz in einem Vorort von St. Petersburg zu. Dort angekommen, war aber weit und breit kein Zelt oder Wohnmobil zu sehen, sondern nur hohe Mauern und verschlossene Tore von einem Industriegebiet. Hätten wir in den letzten paar Monaten nicht schon ein bisschen Erfahrung in der Schlafplatzsuche gesammelt, wären wir wohl wieder umgekehrt. So aber klingelten wir schliesslich bei einer unbeschrifteten Klingel eine Frau raus, die uns versicherte, dass wir hier richtig sind, sonst aber nicht weiterhelfen konnte. Nach zwanzig Minuten tauchte schliesslich ihr Mann auf und mit ihm ein deutschsprechender Ukrainer, der als Guide für einen deutschen Wohnmobilferien-Anbieter arbeitet. Diese Firma war den auch Initiantin des Campingplatzes, wo sonst in St. Petersburg können vierzig Wohnmobile gleichzeitig geparkt werden? Auf der mit Rasen überzogenen einen Hälfte des Industrieareals durften wir den Pfusbus parkieren, auf der anderen Hälfte wurden fleissig Busse und LKWs repariert. Im Bürogebäude, wo Frau und Tochter eine Internetfirma für Herrenunterwäsche (!) führten, gab es eine Küche, WC, Dusche und Waschmaschine zum Mitbenutzen und wir konnten vom Pfusbus aus ins Internet, wie praktisch. Da die Camper aus Deutschland erst in zwei Tagen erwartet wurden und sich sonst keine Individualtouristen dorthin verirrt haben, hatten wir die ganze Anlage für uns alleine. Der Besitzer höchstpersönlich führte uns zum nächstgelegenen Supermarkt und seine Tochter organisierte online zwei Eintrittskarten für Schwanensee (jaja, so was gehört bei einem Besuch in St. Petersburg einfach dazu!). Am nächsten Morgen fuhren uns Vater und Tochter gleich noch zum Peterhof, wo sie uns Eintrittskarten zum Russentarif besorgten. Ausländer zahlen mehr als dreimal so viel, sprich über 10 Franken pro Person mehr! Der Park vom Peterhof mit den weltberühmten Springbrunnen war zwar schön, haute uns aber nicht gleich aus den Socken. Das könnte aber auch am Wetter gelegen haben, es regnete…
Da sich Trekkingschuhe und ausgetragene Jeans im Ballet nicht sonderlich gut machen, jagten wir am Nachmittag in einem Shoppingzentrum erfolgreich je eine Hose und ein Paar Schuhe. Nach russicher Mode natürlich, Mann bzw. Frau passt sich ja an.


Nass von oben und von unten.


Vom Hotel war einzig die Aussicht vom Zimmer klasse, hat aber extra gekostet.


Von 02:00 bis 05:00 Uhr öffnen die Brücken für den Hochseeschiffsverkehr.


Unser Transportmittel vom Hotel ins Zentrum (auf den Fahrplan war allerdings kein Verlass).

Am nächsten Tag quartierten wir uns im via Internet gebuchten Hotel ein und erkundeten während vier Tagen das Stadtzentrum. Höhepunkt, und das hätten wir ja selber nie gedacht, war die Vorstellung von Schwanensee im schmucken Mikhailovski-Theater. Es war noch keinen Monat her und wir hatten mit dem Feldstecher in der mongolischen Wildnis Adler beobachtet, nun beobachteten wir mit dem selben Feldstecher die Mimik der Ballettänzerinnen und Tänzer. Vom vierten Balkon aus hatten wir einen super Blick auf Bühne und Orchester. Es ist schon gewaltig, was die Darsteller da leisten, insbesondere aus sportlicher Sicht. Auf jeden Fall taten einem die Zehen nur schon vom Zuschauen weh. Bis zur letzten Minute waren wir gespannt auf den Ausgang. Denn gemäss Wikipedia gibt es je nach Inszenierung vier verschiedene Enden für das Stück: Entweder stirbt der Schwan oder der Prinz oder beide oder keiner. Wir hatten Glück, es gab ein Happy End! Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute…


Verschwommene Schwäne.

Natürlich darf auch ein Besuch in der Hermitage nicht fehlen, so eine Art Russischer Louvre im ehemaligen Winterpalast des Zaren. Das weissgrüngoldene Haus hat gerade mal bescheidene 1057 Räume. Wir beschränkten uns auf die Besichtigung einer niedrigen dreistelligen Anzahl und waren danach trotzdem fix und fertig. Warum kam noch niemand auf die Idee, in solch riesigen Museen statt Souvenirs Fussmassagen anzubieten?


Der Winterpalast: Herzig, nicht?


Wachtmeister Rohrer unter seinesgleichen.


Kitschige Kirche.

Nach dem kräfteraubenden Stadtleben zog es uns wieder in den Pfusbus bzw. aufs Land und wir rollten entspannt der Russisch-Finnischen Grenze zu. Was soll denn da noch schwierig sein nach den vorangegangenen Grenzüberquerungen? Ganz so einfach wie wir uns das vorgestellt hatten, war es dann doch nicht. Noch nie war ein russischer Grenzposten so chaotisch organisiert und noch nie wurde der Pfusbus von den Russen dermassen durchsucht. Wir blieben cool und waren nach drei Stunden bei den Finnen. Diese warfen keinen einzigen Blick ins Fahrzeuginnere, wollten uns aber nach langem Studium eines dicken Bundesordner eine Steuer für ein gewerbsmässiges Transportfahrzeug aufbrummen! Wir baten die nette, extra herbeigezogene deutschsprechende Beamtin, abzuklären, ob es sich da nicht um ein Missverständnis handle. Sie dürfe sich mit einem Blick in den Pfusbus auch gerne selber vergewissern, dass wir Touristen und der Bus ein Bus zum Pfusen ist und nichts anderes. Schliesslich wurde uns mitgeteilt, dass man ausnahmsweise auf das Einziehen der Steuer verzichte, wir sollen uns aber das nächste Mal im Voraus erkunden. Hä?

Ach ja, was wir noch sagen wollten: Wir schafften 8‘000 km in Russland ohne auch nur einen einzigen Rubel Busse oder Schmiergeld zu bezahlen! Nicht schlecht, gell?

Viele Grüsse von den stolzen Pfusbüsslern

Verfasst von: Barbara & Didier | Juli 29, 2011

Im Wilden Westen der Mongolei

Barnaul, 29.07.2011, 23’700 km

Strasdwuitje liebe Leute!

Der Sprachkenner merkt es an unserer Anrede, wir sind wieder zurück in Russland, genauer gesagt in Barnaul. Hier gibt’s geteerte  Strassen!

Nun aber zurück ins Land der Holperpisten, beziehungsweise nach Ulan Bator, wo vor der Weiterfahrt als letzte Mission Tank und Reservekanister mit anständigem Benzin zu füllen waren. Nachdem die Russen nicht nur den Diesel-, sondern plötzlich auch den Benzinexport in die Mongolei eingestellt, bzw. massiv gekürzt hatten, war nur noch 80er Benzin ohne entsprechenden Rationierungstalon zu kriegen. Diesel war schon seit unserer Einreise vier Wochen zuvor praktisch nicht mehr zu haben. Wir hatten Overlander mit Dieselfahrzeugen getroffen, die Ulan Bator wieder auf direktem Weg verlassen mussten, ohne etwas vom Land gesehen zu haben… Nach dem Iran waren wir daher schon zum zweiten Mal enorm froh, dass der Pfusbus Benzin statt Diesel schluckt. Trotzdem gab uns die Situation ein bisschen zu denken, denn niemand wusste, wie sich die Benzinproblematik weiterentwickeln würde. Offiziell hiess es, die Russen hätten selber Dieselknappheit, im Hintergrund aber kursierte das Gerücht, dass die rohstoffreiche Mongolei gerade dabei war, Förderverträge zu vergeben und dabei Russland natürlich ein grosses Stück vom Kuchen haben will. Wie auch immer, während einer wortwörtlichen Nacht-und-Nebel-Aktion konnten wir am letzten Abend dank einer unkomplizierten Tankwartin doch noch 70 Liter 92er bunkern.  Am nächsten Morgen wurde der Pfusbus samt Crew vom Oasis-Team und den anwesenden Overlandern winkend verabschiedet und rollte zum ersten Mal seit Reisebeginn wieder Richtung Westen. Im Rückspiegel der Jimny von Roelene und der Töff von Cem, denn die beiden nahmen schlussendlich am selben Tag dieselbe Strecke in Angriff wie wir.

Das Orientieren und  Fahren im Westen gestaltete sich zunächst wesentlich einfacher als zuvor in der Gobi. Die ersten 400 km durften wir sogar Asphalt geniessen, bei den kraterartigen Schlaglöchern haben wir grosszügig ein Auge zugedrückt (das andere war zum Umfahren nötig…). Die nächsten 200 km folgten fertig asphaltierte Strasse und Schlammpiste im Wechsel. Danach hiess es Ade Asphalt für rund 1700 km! Zweifellos werden die wichtigsten Landesteile in ein paar Jahren mit richtiger Strasse verbunden sein. Einerseits kann dies der Wirtschaft nur gut tun, denn auch das Eisenbahnnetz ist nicht überwältigend: Es gibt im wesentlichen nur die Nord-Süd-Verbindung von Russland nach China (mit gnädigem Zwischenhalt in Ulan Bator) und zwei Linien zu den wichtigsten Bergwerkzentren. Auf der anderen Seite aber verliert die Mongolei für Reisende auch ihre Authentizität, wenn die Landschaft nur noch so vorbei fliegt. Beispielsweise wird der See Terhyin Tsagaan Nuur nach Fertigstellung der Teerstrasse nur noch eine gute Tagesetappe von der Hauptstadt entfernt sein und entsprechend touristisch überflutet werden. Wir brauchten immerhin noch drei Tage…. Unser Tipp: Die Mongolei so bald wie möglich zu besuchen! Es muss ja nicht gleich mit dem eigenen Auto sein.


Vom Auto aus…


… oder zu Fuss gibt es auch in der Zentralmongolei spektakuläre Landschaften zu entdecken.

Während unserer Reise nach Westen sassen wir nicht nur hinter dem Steuer, sondern auch auf mongolischen Gäulen und auf Holzschemeln zu Besuch bei Nomaden. Praktisch kein Pfusplätzchen bleibt dem mongolischen Auge verborgen, und was das Auge von weitem gesichtet hat, muss es auch von nahe bestaunen. Bereits am ersten Abend kriegten wir Besuch von drei Jungs hoch zu Ross und natürlich war es Ehrensache, auf ihren Pferden eine Runde zu reiten. Barbara lehnte den folgenden Heiratsantrag so höflich wie möglich ab, die Einladung in die Jurte nahmen wir aber gerne an. Am nächsten Morgen also wurden wir von der Familie empfangen, allerdings nicht in einer der Jurten, sondern nebenan in einem aus Holz zusammengezimmerten Unterschlupf. Wie es sich gehört, nahmen wir einen Schluck aus dem herumgereichten Schälchen mit milchartiger Flüssigkeit. Wie geahnt, konnte es sich nur um Arak, gegorene Stutenmilch, handeln. Mongolisch ausgesprochen wird das Getränk in etwa „Ärrg“, und so schmeckte es auch. Mit der Idee, den Geschmack im Mund so schnell wie möglich zu ändern nahmen wir dann einen herzhaften Biss von einem weissen, bröckeligen Biscuit. Es war allerdings keine Süssigkeit, sondern „Ärrl“, gegorener und getrockneter Quark. Erste Amtshandlung zurück im Pfusbus: In Windeseile die uralten Migros-Budget-Kaugummis suchen! Es scheint, dass mongolische Küche und unsere Gaumen nicht unbedingt füreinander bestimmt sind…


Reiten ja, heiraten nein.


Die Jurte unserer Gastgeber, der Aruul ist auf dem Dach am Trocknen.

Bei diesem und vielen weiteren Besuchen lernten wir auch, dass Privatsphäre für die Mongolen eine völlig andere Bedeutung hat als für uns. Innert Sekunden werden ungefragt  die Pfusbustüren geöffnet, Knöpfe gedrückt, Werkzeuge gleich ausprobiert und sämtliche Campingstühle (mit dem faszinierenden Klappmechanismus) besetzt. Insbesondere die Ordonanzklappschaufel und die Gummiwassersäcke der Schweizer Armee würden die Mongolenmänner am liebsten gleich behalten. Besonders Barbara hinterliess jedoch bei aller Technik stets den grössten Eindruck auf das mongolische Männervolk. Mehrmals haben wir auch erlebt, dass vorbeiziehende Hirten in mehr oder weniger grosser Entfernung ins Gras liegen und uns stundenlang einfach zusehen. In der Regel ging das so lange, bis entweder die Herde verschwunden oder mit einer anderen vermischt war, dann war fertig lustig. Leider ist die Sprachbarriere hier so gross wie noch nie auf unserer Reise. Eine spontane Konversation ist kaum möglich, denn mehr als zehn Wörter schaffen wir nicht wirklich, und auch diese werden meist nicht verstanden. Dank Reiseführer können wir fragen, wie gross die Herde ist und ob die Tiere schön fressen, für alles andere benötigen wir Hände, Füsse und Zeichnungsblock.


Der Lonely Planet fasziniert.


Natürlich auch das Maschin-Ger…


… und seine Bewohner.

Unsere Strecke führte uns zur alten Hauptstadt Kharkorin, wo wir das wichtigste Kloster der Mongolei besichtigen wollten. In Sichtweite der vielen Touristenbusse und Souvenirstände vor den Klostermauern änderten wir aber unsere Meinung und leisteten uns den Overlander-Luxus, später kleinere und intimere Kloster zu besichtigen. Weiter ging es via Tsetserleg zum Terhyin Tsagaan Nuur, dem Weissen See. In einem schönen Tal nahe eines erloschenen Vulkans gelegen, wurde der See vor langer Zeit durch Lavaströme gestaltet. Das ganze Gebiet gehört zu einem Naturschutzpark, weshalb wir nur in einer markierten Zone campen durften (eine für Ausländer, eine andere für Mongolen). Egal, wir waren sowieso die einzigen. Zwei Nächte im Pfusbus, zwei Mal aufwachen im Schnee, und wir fuhren einige Kilometer weiter und bezogen eine Jurte mit Holzofen. Die Romantik litt zeitweise ein bisschen unter dem allzu enthusiastischen Einfeuern oder dem nassen Holz: Mal herrschten 60 Grad, dann wieder eine Räucherhöhle. Trotzdem war es total gemütlich. Als sich das Wetter besserte, versuchten wir uns mutig und ungeachtet unserer Erfahrungen in Kirgistan wieder hoch zu Ross. Mit demselben Ergebnis. Die lieben Tiere mögen Didier nicht und umgekehrt. Diesmal gab es zwar zum Glück weder Sturz noch Bachdurchquerung, aber die Pferde waren derart unmotiviert, dass wir schneller und komfortabler zum eindrucksvollen Vulkan gewandert statt geritten wären. Wenigstens schien die Sonne und nach der fünfstündigen Reiterei lag für den härteren Typen von uns beiden (Wer wohl?) sogar ein kurzes Bad im Bergsee drin.


Terhyin Tsagaan Nuur.


Was bei den Mongolen so easy aussieht, bedeutet für uns harte Arbeit…


Am Rande des Krater-Abgrunds.


Gestern noch hat es geschneit…


Das Maschin-Ger neben dem Original.

Ein grosses liegendes S durch die Zentral- und Westmongolei führte uns weiter in Richtung Altairegion. Zunächst nach Norden über Tosontsengel, dann nach Süden über Uliastai in Richtung Altai City. Trotz dem gleichen Namen hat die Stadt mit der Region Altai nichts zu tun. Etwas nicht unübliches für die mongolischen Ortsbezeichnungen. Fragt man einen Mongolen nach dem Weg, hat man mehrere Barrieren zu überwinden: Erstens versteht der Local nur Bahnhof, wenn wir den Ortsnamen auszudrücken versuchen (Wenn wir extra nuscheln geht es besser!). Danach verstehen wir nicht, ob der Local den gleichen Ort meint, denn innerhalb derselben Gegend können mehrere Dörfer, Städte, Seen oder Berge den gleichen Namen haben. Drittens zeigt der Local dann in eine Windrichtung, der Weg dorthin kann aber völlig anders verlaufen. Naja, mittlerweile können wir damit umgehen und verfahren uns nur noch selten.


15 verschiedene Blumen auf 10 m2!


In der Zentralmongolei gab es zur Abwechslung wieder mal Bäume. Und damit auch Gelegenheit, auf der Slackline zu trainieren.


Zotteliger Mongole.


Racing-Nachwuchs bereit zum Rennen am Nadaamfestival.

Vor der Strecke Altai City – Khovd hatten wir bereits seit unserer Abreise in Ulan Bator grossen Respekt. Es erwartete uns über 400 km Wellblechpiste und Gobi-Temperaturen, was im Juli eine heisse Sache zu werden drohte. All unsere Befürchtungen wurden erfüllt. Wir starteten bei Sonnenaufgang, rüttelten 8-10 Stunden durch die Hitze und konnten danach nicht schlafen, weil es auch in der Nacht enorm warm blieb. Um dem Ganzen ein wenig Würze zu verleihen, war die einzige Brücke über den einzigen Fluss auf dieser Strecke wortwörtlich entzwei gebrochen. Also Hosenbeine raufkrempeln, die niedrigste Wassertiefe suchen und dann Augen zu und durch. Der Pfusbus bestand mit Bravour.  Alles in allem schafften wir einen stolzen Schnitt von gegen 30 km/h (Pausen nicht eingerechnet…) und die ganze Sache war nach zwei Tagen hinter uns.


So ging es über 400 km: Ratatatatatatata.


Auf der chinesischen Mauer. Die Chinesen hatten während guten Zeiten ihr Reich über die eigentliche Mauer (die berühmte) ausgedehnt und genau hier eine weitere gebaut.

Der in Ulan Bator verstärkte Dachträger gab mehrmals auf, ansonsten blieb unser Lieblingstransportmittel unbeeindruckt. Unterwegs investierten wir einige Stunden in Schweissarbeiten, unser Dachträger sieht mit seinen überall angebrachten Verstärkungen jetzt aus wie ein Panzer. Leider gab es noch eine unschöne Szene beim Bezahlen: Zwangsläufig waren wir ja nicht ganz unerfahren in Sachen Schweisskosten und zahlten nach heftigen Diskussionen schliesslich nur noch die Hälfte, aber immer noch das Doppelte zu viel. Solche Vorkommnisse blieben zum Glück die Ausnahme, und wir erinnern uns gerne an all die freundlichen und hilfsbereiten Mongolen, die wir unterwegs getroffen haben. Stellvertretend hier ein  Foto von schweizerisch-mongolischem Teamwork. Der Hirtensohn war übrigens dermassen von Didiers 60-Rappen-Rubik’s-Cube fasziniert, dass wir diesen gerne als Geschenk mitgaben.


Mongolische Hilfe beim Heimwerken!


Jaja, hier wird noch von Hand gesägt.

Im Altai-Gebirge angekommen, liessen wir es gemütlich angehen. Mit zwei Wochen Reserve bis das Visum auslief und nur noch knapp 400 km bis zur Grenze (und zum lange ersehnten russischen Asphalt) konnten wir uns tolle Schlafplätze suchen und in der Regel gleich einen oder mehrere Ruhetage zwischen jede Etappe einschieben. Die von vielen Reisenden in dieser Gegend veranstaltete Hast von einem Nationalpark zum anderen schien uns unnötig, denn überall liessen sich wunderschöne, einsame und höchst abwechslungsreiche Pfusplätze finden. Wir genossen die Zeit zu zweit, schlugen ein Buch auf, beobachteten Adler und Falken, machten schöne Wanderungen, werkelten am Pfusbus herum und liessen es uns auch aus kulinarischer Sicht gutgehen. Im Aimagzentrum Ölgi gabs nach langem wieder einmal Früchte und Gemüse und als Tüpfchen auf dem i sogar kasachisches Brot zu kaufen, miamm! Die Altairegion wird nämlich zu 90 % von Kasachen bewohnt. Der Rest bilden mongolische Minderheiten wie das Volk der Tuwa, bekannt durch die Bücher des tuwinischen Schriftstellers Galsan Tschinag.


Spatzen, Elstern, Möwen, Kraniche, Flamingos, Geier, Falken, Adler… Die Mongolei ist ein Vogelparadies. Die Raubvögel können als Futter zwischen 14 verschiedenen Murmeltierarten wählen!


Sorgen immer wieder für Nervenkitzel, die Bachdurchquerungen im Altai.


Ruhe nach dem Sturm.


Sucht den Pfusbus!

Mit der Idee, die übrigen Tugrik in Rubel zu wechseln, holperten wir am Tag vor dem geplanten Grenzübertritt zurück nach Olgi. Dort angekommen, stolperten wir in zwei von einheimischen Frauen geführte Cooperativen mit mongolisch-kasachischem Kunsthandwerk. Ihr ahnt es, der Gang zur Bank war danach nicht mehr nötig. Nachdem wir Wasser getankt und Benzinkanister verschenkt hatten, letztere sind ausserhalb der Mongolei überflüssig, machten wir uns auf Richtung Grenze. Eigentlich wollten wir 20 km davor noch ein letztes, schönes Pfusplätzchen in der Mongolei suchen um uns tags darauf möglichst früh in die Warteschlange zu stellen. Da wir aber unverhofft schon um 16:00 Uhr nur noch 20 km zu fahren hatten und uns die plötzliche Militärpräsenz etwas einschüchterte, setzten wir alles auf eine Karte und fuhren um genau 16:40 Uhr an der mongolischen Grenze vor. Die Zöllner waren begeistert von den im Art-Shop (dort wo jetzt unsere Tugrik sind…) erstandenen traditionellen Sitzkissen und in rekordverdächtiger Zeit waren wir durch die erste Grenze. Der russiche Grenzbeamte hingegen beendete um 17:10 Uhr unsere Euphorie mit grimmiger Miene und unmissverständlichen Handzeichen: Geht woher ihr gekommen seid, heute kommt niemand mehr über diese Grenze! Diskutieren war zwecklos, zumal zwei mit Kind und Kegel vollgestopfte PWs das gleiche Schicksal teilten. Ohne auch nur eine Minute in die Suche nach einem Schlafplatz zu investieren, erwartete uns auf dem mongolischen Zollareal der wohl sicherste Pfusplatz, den wir je hatten. Am nächsten Morgen rollte der Pfusbus als allererstes Fahrzeug zur russichen Grenze, nicht aber bevor die Mongolen den Datumsstempel im Pass noch von Hand angepasst hatten!

Nach zwei abenteuerlichen und kurzweiligen Monaten hiess es Abschied nehmen von diesem riesigen, wunderschönen Land mit seinen Jurten und deren Bewohnern. Wir sind glücklich und dankbar, dass wir die Mongolei auf eigene Faust nach Lust und Laune bereisen durften. Nie werden wir die wunderbaren Pfusplätze vergessen, die er- und überlebten Abenteuer und die wertvollen Begegnungen mit einem Volk, dass uns so fremd und faszinierend erschien wie noch kein anderes zuvor.


Ohne Worte 1.


Ohne Worte 2.


Ohne Worte 3.

Jetzt lassen wir aber noch die Katze aus dem Sack und erklären, warum wir nicht bis nach Vladivostok fahren. Dafür gibt es vier gute Gründe:

1. Unser Bankkontostand: Verschiffung ab Vladivostok ist wie es scheint doppelt so teuer wie ab Hamburg.

2. Unsere Nerven: Obwohl wir die Russen wirklich mögen, ist das Organisieren mit ihnen enorm schwierig. Wir haben keine Aussicht, für eine Überfahrt von Vladivostok nach Südamerika zuverlässig etwas im Voraus auf die Beine zu stellen und keine Lust in dieser Stadt evtl. für Wochen festzuhängen.

3. Unsere Liebe zur Mongolei: Wir konnten das Land so richtig auskosten und die Zentral- und Westmongolei zusammen mit dem Altaigebiet bereisen.

4. Unser Auto: Somit haben wir die Möglichkeit, den Pfusbus in Deutschland auf Herz und Nieren prüfen zu lassen.

Ausserdem gibt es zwei sehr verlockende Nebenerscheinungen: Wir können sozusagen en route St. Petersburg besichtigen und kriegen vielleicht in Nordeuropa sogar Besuch von unseren Liebsten. A propos Besuch, hat jemand von Euch Lust auf einen spontanen Citytripp im August oder September? Wie wäre es mit St. Petersburg, Helsinki, Stockholm, Göteborg, Kopenhagen oder Hamburg? Einfach bei uns melden, wir können unsere Route immer noch anpassen!

Liebe Grüsse

Die Pfusbüssler

Verfasst von: Barbara & Didier | Juli 1, 2011

In Ulan Bators Oase

Ulan Bator, 30.06.2011, 20‘650 km

Liebe Leute!
Seit dem letzten Post ist eine Woche vergangen und wir sind keinen Kilometer vorwärts gekommen. Aber das ändert sich bald! Heute Vormittag kam die Chefin Sybille freudestrahlend mit einem gelben DHL Couvert in den Händen auf uns zu: Der Ersatzschlauch für die Kupplungshydraulik ist da! Wir nahmen von allen Seiten Gratulationen entgegen und fühlten uns wie Geburtstagskinder. Dank der Unkompetenz der Schweizer Post – das muss jetzt hier einfach mal gesagt werden – sind wir über eine Woche in Ulan Bator festgesessen! Vor notabene 13 Tagen haben die Schweizer Postangestellten ohne rot zu werden versprochen, dass der Brief innert 3-6 Tagen in Ulan Bator ankommen wird. Als er am neunten Tag immer noch nicht da war haben wir uns entschieden, den Schlauch ein zweites Mal per DHL senden zu lassen. Was für eine weise Entscheidung, denn das Couvert der Swiss Post International ist immer noch nicht angekommen!!!

Zum Glück gibt es für gestrandete Overlander wie wir wohl in ganz Ulan Bator keinen besseren Platz als das Oasis Guesthouse. Wir fühlen uns hier pudelwohl und fast schon ein bisschen einheimisch. Im Grunde genommen tut es nämlich gerade gut, mal ein paar Tage ein festes Lager zu haben und ein bisschen Ferien von den Ferien zu machen. Naja wenigstens versuchen wir es, aber ruhige Minuten sind auch im Oasis eine Seltenheit. Den Pfusbus auf Vordermann bringen, Einkaufen, Blog schreiben, Benzin organisieren, Dachträger verstärken lassen, dem Brief mit dem Ersatzteil hinterher telefonieren (Die Mongolische Post denkt jetzt wohl wir sind nicht ganz hundert…), die Weiterreise planen, per Skype ein Interview für eine deutsche Reisewebsite geben, ein Motorrad in einen Transporter laden, einen Lebenslauf korrigieren (es gibt tatsächlich Leute, die suchen bereits von hier aus einen Job in der Schweiz…), Reisetipps weitergeben und Reisetipps erhalten etc., etc. Im Oasis herrscht nicht nur ein ständiges Kommen und Gehen, sondern auch ein ständiges Geben und Nehmen.


So ein Pneuwechsel erfordert stets die Anwesenheit sämtlicher männlicher Overlander.


Teamwork im Oasis.

Am Wochenende haben wir uns mit Bogi zum Abendessen verabredet und ihr natürlich haargenau von unseren Gobiabenteuern berichtet. Es gab viel zu lachen und Bogi hatte uns interessante Dinge über Land und Leute zu erzählen. Zum Beispiel wurde der Dokumentarfilm „Die Geschichte vom weinenden Kamel“ exakt in der Region gedreht, wo wir waren. Falls jemand eine kompetente Reiseleiterin für die Mongolei sucht, Bogi ist die Frau!

Natürlich durfte auch ein Besuch auf dem Black Market nicht fehlen, einem der grössten Märkte in Asien überhaupt. Wir haben uns ganz genau an die Anweisungen von Sybille gehalten und sind einzig mit ein paar gut versteckten Geldnoten losgezogen. Ohne Fotoapparat, Natel und Ausweise unterwegs zu sein, war ein extrem schräges, aber befreiendes Gefühl. Der Markt war tatsächlich riesig und ein Erlebnis der Sonderklasse, man konnte von Kamelsätteln über ganze Gers bis hin zu jeglichen Kleider-, Schuhe-, Taschen-, und Sonnenbrillenfälschungen alles kaufen was das (Mongolen-) Herz begehrt. Beim Verlassen des Marktes nannten wir für umgerechnet 100 Franken ein Paar echte mongolische Reiterstiefel, ein Paar Turnschuhe, eine Sonnenbrille, ein Hemd, ein Oberteil, eine gefälschte Designer-Unterhose und drei Paar Socken unser Eigen. Nicht schlecht, oder? Der Haken an der Geschichte: Die übrigbleibenden Tugrik reichten nicht einmal mehr für die Rückfahrt mit dem Bus geschweige denn mit dem Taxi! Also blieb uns nichts anderes übrig als zu Fuss zurück zu gehen…

Bei einem erneuten Besuch beim Autodoktor ging es darum, die Federung vom Pfusbus prüfen zu lassen. Alles i.O., welch ein Wunder nach den 2000 Gobi-Kilometern! Aber leider erfüllte die Dichtung des Differenzials ihren Job nicht mehr. Also wieder auf die Suche quer durch die Stadt nach dem richtigen Ersatzteil, aber diesmal ohne die Hilfe von Tommy. Es wird hier wie in ganz Asien vorausgesetzt, dass der Kunde die Garage mit allen Ersatzteilen betritt. Für uns ist das ziemlich anspruchsvoll, denn die Ersatzteile sind nicht in grossen Zubehörshops, sondern in hunderten Kleinstläden in der ganzen Stadt verteilt zu finden. In Kombination mit dem unmöglichen Verkehr eine echte Herausforderung. Wir hätten es nicht für möglich gehalten, aber Ulan Bator übertrifft verkehrstechnisch alles, was wir bisher erlebt haben. Die Mongolen sind extrem agressive Fahrer und kennen weder Regeln noch Grenzen. Dazu kommt, dass einige grosse Strassen wegen Bauarbeiten gesperrt sind und man mitten in der Stadt auf irgendwelche haarsträubende Pisten ausweichen muss. Zum Glück hat der Pfusbus 4WD! Nach nervenaufreibenden Stunden kamen wir schliesslich inklusive Ersatzdichtung in der offiziellen Toyotagarage an, wo es uns zwei Mal hintereinander fast aus den Socken haute. Das erste Mal als wir in die Garage geführt wurden: In der Halle hatte es Platz für mindestens 30 Autos und die Empfangsdame schickte uns direkt in die Wartelounge mit Ledersesseln und Flachbildschirm, wo uns Tee serviert wurde! Zum eigenen Auto durfte man nicht, dass sei eine „Dangerous Zone“. Das zweite Mal als wir die Rechnung sahen… Aber egal, der Pfusbus ist nun wieder topfit und parat für neue Abenteuer.


Wir werden in der VIP-Wartelounge verwöhnt, der Pfusbus in der VIP-Garage.


Der letzte Oasis-Cheeseburger vor dem Restart, gefolgt vom letzten Cheesecake. Miam!

So, jetzt ist es an der Zeit, die Katze aus dem Sack zu lassen: Nach langem Hin und Her kippen wir Vladivostok aus unserer Reiseroute und fahren ab morgen Richtung Westen. Mehr dazu beim nächsten Mal. Nur so viel sei verraten, nach Hause geht es vorerst noch nicht!

Liebe Grüsse aus der Oase, die Pfusbüssler

Verfasst von: Barbara & Didier | Juni 26, 2011

Action in der Gobi

Ulan Bator, 25.06.2011, 20‘535 km

Sain baitsgaa nuu!

Wir starten gleich mal mit dem Wichtigsten: Uns allen geht’s wieder gut! Wollt Ihr wissen warum wieder? Wir liefern Euch gerne die Details:

Nachdem am Sonntag vor drei Wochen alle (überlebens-) wichtigen Sachen wie Vorräte aufstocken, mongolische SIM Card und Strassenkarten besorgen, Postkarten schreiben, Geburtstagsgeschenke und Souvenirs nach Hause schicken erledigt waren, trafen wir uns mit Sara und David aus Fribourg zum Dinner. Also das Gebiss umdrehen (wie wir Deutschschweizer sagen) und das eingerostete Französisch wieder hervorkramen. Dank dem mongolischen Bier gelang das besser als gedacht. Auf jeden Fall war es ein lustiger Abend und als wir spät abends ins Hotel zurückkehrten, waren Federer und Nadal bereits heftig am Schwitzen. Es war ganz amüsant nach drei TV-freien Monaten wieder mal ein bisschen in die Kiste zu gucken. Und Tennis auf Russisch war sogar für uns problemlos zu verstehen. Nur das Resultat hätten wir uns andersrum gewünscht.

Ganz nach Wunsch verlief dann der folgende Morgen. Dank der Vermittlung von unseren Freunden Katrin und Leo durften wir auf die Hilfe der mongolischen Reiseleiterin Bogi zählen. Wir luden sie und unsere beiden ehemaligen Reisegefährten Roelene und Cem in den Pfusbus und fuhren gemeinsam zum Immigrationsamt. Dort half uns Bogi mit der Registration und der Visumsverlängerung und konnte gleichzeitig noch abklären, dass man also auch als Schweizer beim Grenzübergang im Altai nach Russland passieren darf. Das Schweizer Konsulat war vor ein paar Wochen genau der gegenteiligen Meinung. Interessant. Beim gemeinsamen Mittagessen weihte uns Bogi in ihre Reiseleiter-Insidergeheimnisse ein. Die Tipps waren für uns Gold wert, aber das wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Weil die Visumsverlängerung erst tags darauf abholbereit war, quartierten wir uns für eine Nacht auf dem Parkplatz des Oasis Guesthouse ein. Ein wahres Overlander-Eldorado; verschiedenste Motorräder und Campingfahrzeuge waren zwischen den Jurten geparkt und wir genossen es, auf der Terrasse mit Gleichgesinnten Erfahrungen auszutauschen. Dazu gabs kühles Bier, Wienerschnitzel und Schokoladentorte, miam! Das sind alles kleine, aber von Weltreisenden zwischendurch sehr geschätzte Details, wenn die Gastgeber deutsch-österreichischer Herkunft sind. Sowieso war uns die Art und Weise, wie Sybille und Rene den Betrieb führen, auf Anhieb sympathisch: Die Duschen dürfen auch von Einheimischen benutzt werden, mongolische Angestellte betreiben das Cafe, waschen den Reisenden die Wäsche und fungieren als Wachmänner und Gärtner. Inklusive der anliegenden Schreinerei wird so insgesamt 13 Einheimischen ein faires und nötiges Einkommen ermöglicht. Obwohl die Mongolei reich an Bodenschätzen ist, leidet ein grosser Teil der Bevölkerung an bitterer Armut. Das Leben auf dem Land wird immer schwieriger, wegen harten Wintern und trockenen Sommern verlieren viele Nomaden ihre Tiere und somit ihren Lebensunterhalt. In der (hoffnungslosen) Hoffnung auf Arbeit ziehen sie in die Stadt, stellen ihre Jurten in sogenannten Jurtenvierteln auf und leben in trostlosen Verhältnissen. Und doch haben wir noch nie so viele Landcruiser, Lexus und Hummer auf einem Haufen gesehen wie in Ulan Bator. Die Welt ist schon ungerecht…

Nachdem wir unsere Pässe wieder unser Eigen nennen konnten, stürzten wir uns ausgerüstet mit 1 GPS, 2 Reiseführern und 4 (!) Strassenkarten in unser Gobi-Abenteuer. Und was für ein Abenteuer! Dass so eine Fahrt in die Gobi kein Sonntagsausflug ist, war uns bewusst. Der Abenteuerfaktor erreichte aber ungeahnte Höhen und stellte alles vorher Erlebte locker in den Schatten. Was doch gar nicht so einfach ist nach den vergangenen drei Monaten, oder? Um Euch einen Eindruck zu vermitteln, hier ein Auszug aus dem fiktiven Tagebuch:

Tag 1: Nach nur gerade 8 Kilometer ist fertig Teerstrasse und nach 10 Kilometern halfen auch die vier verschiedenen Strassenkarten nicht mehr weiter. Wir sind uns nicht einig wo es es lang geht, dank GPS geht es aber wenigstens grob in die richtige Richtung. Die extrem schlechten Pisten, auf den Karten als Hauptstrassen eingezeichnet, helfen der Stimmung nicht gerade auf die Sprünge. Runtergekämpft fallen wir abends mitten in der Prärie in die Schlafsäcke.

Tag 2: Crosscountry auf eine andere, hoffentlich direktere Piste. Sind mutterseelenalleine unterwegs, schön und gespenstisch zugleich. Für die mittleren Dachträgerstützen ist alles etwas zu viel, sie brechen. Der Pfusbus trägt nun die 80 Liter Benzin auch noch im Bauch, für uns wird es eng. Im nächsten Dorf (seit dem letzten waren es ja auch nur gerade 8 Fahrstunden…) zeigt sich der Schweisser unbeeindruckt und flickt alles für CHF 1.50. Völlig erledigt erreichten wir das Gesteinsmassiv Baga Gadzrin Chuluu, wo uns die grandiose Landschaft für alle Strapazen entschädigt. Die Hecktüre erweist sich allerdings als kleine Spassbremse und entscheidet sich, fortan nicht mehr alleine oben zu bleiben.


Ein toller Pfusbusplatz!

Tag 3: Durch phantastische Landschaft und kleine bis gar keine Pisten mehr immer schön der Nase nach zu den Klosterruinen Sum Kökh Burd, dann weiter ins nächste Dorf zum Tanken und Wasser bunkern. Ab und zu halten wir bei einem Ger (Jurte), um nach dem Weg zu fragen. Als plötzlich mitten im Nichts eine SMS reinkommt Vollbremse und auf die Anfrage von Roelene und Cem antworten: „ Ja wir würden es schätzen, die Fahrt gemeinsam fortzusetzen“. Ein weiterer wunderschöner Übernachtungsplatz, diesmal in sanft hügeligem Gebiet. Zur Abwechslung lässt sich die Seitentüre nicht mehr schliessen, aber Mechaniker Didier behebt das Problem.


GPS – Ger Positioning System: Wo geht’s lang?


Wir kriegen Besuch.

Tag 4: Die vordere rechte Dachträgerstütze will auch nicht mehr mitmachen. Nach 100 km bzw. 4 Stunden Fahrt das nächste Dorf und der nächste Schweisser, diesmal für CHF 3.00, aber mit extra Verstärkung. Weiterfahrt zum Kloster Ongiin Khid, wo viele Fotos vom Besuch des Dalai Lama zeugen. Die Landschaft wird felsig, es ist fantastisch! Wiedersehen mit Roelene und Cem. Wir feiern unseren 100. Reisetag, sitzen bis spätabends in den Campingstühlen und geniessen das Leben.


Schön ist es hier!

Tag 5: Endlose Steppe und super Pisten. Können seit langem wieder einmal den 4. und 5. Gang benutzen. Haben nun Funkkontakt zum Suzuky Jimny und fühlen uns wie auf Expedition. Das führende Fahrzeug warnt vor grossen Steinen, Bodenwellen und Löchern in der Piste, die Landschaft fliegt vorbei, der iPod spielt „A beautiful day“ von U2. Mittagsrast im Niemandsland.


Plötzlich…


… in weiter Ferne spiegeln sich in einem Fata-Morgana-See die Körper einer Kamel-Karawane.

Wir sind hingerissen von diesem einzigartigen Schauspiel. Wieder ändert die Umgebung, Pfusbus und Jimny kämpfen sich tapfer durch den Sand. Das Thermometer klettert über 35°. Wir erreichen die Flaming Cliffs, unter uns nun auch als Flamingo Cliffs bekannt. Aus dem Nichts taucht ein Motorradfahrer auf und bietet uns Souvenirs aus Kamel- und Schafwolle an. Wir kaufen dem Jungen ein Kamel ab und schlagen unser Lager am Fusse eines riesigen, freistehenden Felsen auf.


Strassenblockade mongolischer Art.


Spektakulärer geht’s kaum.


Ohne Worte.

Tag 6: Wir beschliessen einen weiteren Tag zu bleiben und richten mit den Tarps eine chillige Desert-Lounge ein. Endlich Zeit für ein Buch. Auf der Jagd nach Fossilien entdecken wir nicht nur versteinerte Dinosaurier-Fussabdrücke, sondern auch einen Rückenwirbel. So glauben wir jedenfalls. Gegen Abend zerstört eine äusserst freche Windhose unsere Lounge innert Sekunden komplett. Wir sammeln sämtlichen Hausrat viele Meter vom Camp entfernt wieder ein und wischen gefühlte 5 kg Sand aus dem Bus. Dank der seit drei Monaten mitgeschleppten Holzkohle gibt’s mitten in der Wüste türkische Tarhana-Suppe aus dem gusseisernen südafrikanischen Poki-Topf zum Znacht. Dazu backen wir auf der finnischen Muurika frisches Brot, uns geht’s super!


Die Abendsonne lässt die Felsen glühen. Farbecht!


Selbstgebackenes Brot auf der Muurika. Miam!

Tag 7: Wir brechen unser Camp ab und fahren ins nächste Dorf um Wasser und Benzin zu tanken. Der Pfusbus läuft auch mit 80er Oktan tadellos. Beim Brunnen werden wir von einem mongolisch-koreanischen Fernsehteam gefilmt, interviewt und ein Foto mit der ganzen Crew durfte auch nicht fehlen. Wie wir es den fänden, für einen Liter 1 Tugrik zu bezahlen (0,1 Rappen). Wir antworten, Wasser sei ein kostbares Gut, insbesondere in der Gobiwüste, und als Gast in diesem wunderbaren Land zahlen wir gerne dafür. Und übrigens sei das Trinkwasser auch in der Schweiz nicht gratis. Die Crew staunt und ist von unserer Reise total beeindruckt. Nicht zum ersten und letzten Mal werden wir als verrückt taxiert, ohne Guide, Übersetzer und Fahrer unterwegs zu sein. Wir sind uns der Nachteile bewusst, geniessen aber die Vorteile x-mal mehr: Wir sind frei! Während der Fahrt zum Yolin Am Nationalpark kommen wir vom Weg ab und fahren wieder einmal crosscountry. Bei den vielen ausgetrockneten Flussbetten wird es knifflig, wir kommen nur langsam vorwärts. Die Landschaft nimmt wieder Farbe an, wir campen inmitten grasgrünen Hügeln. Didier kocht ein feines Risotto zum Znacht.


Wir werden berühmt!


Ja, uns gefällt es hier super.

Tag 8: Wanderung zu einer engen Schlucht, wo der gefrorene Bach normalerweise auch im Sommer nicht auftaut, es aber wegen der Klimaerwärmung jetzt immer öfter tut. Wir stossen tatsächlich noch auf Eis, vor allem aber das erste Mal seit langem wieder auf Touristen, und die grüssen uns nicht einmal! Die Touristenattraktion Nr. 1 der Mongolei lassen wir daher schnell hinter uns, viel lieber geniessen wir die weite, unberührte Landschaft, welche wir höchstens mit ein paar Kamelen oder Pferden teilen müssen. Abends Grosseinkauf und Geld wechseln in D-Zag (korrekterweise Dalanzagdag, aber von uns kann sich schlicht niemand den Namen merken). Nach zähen Verhandlungen kriegen wir schliesslich auch Benzin, uff… Es fühlt sich gut an mit vollem Benzin- und Wassertank und genügend Fressalien in die Wüste zu fahren. Doch wir kommen nur gerade 10 km weit: Die Pfusbuskupplung steigt aus, das gibt’s doch nicht! Doch so nah an einer Siedlung nennt man das wohl Glück im Unglück! Der Jimny schleppt uns zurück nach D-Zag, ein Landcruiserfahrer führt uns zur „Toyota-Garage“. Immerhin ist es ein gemauertes Gebäude. Es ist 20:00 Uhr, der Strom funktioniert gerade nicht und der Mechaniker geht mit unserer Stirnlampe ans Werk. Via Natel hilft unsere Bekannte Bogi freundlicherweise mit dem Übersetzen. Wir kochen auf dem Kiesplatz vor der Garage Polenta und Würstchen und sind innert kürzester Zeit stadtbekannt. Um 22:00 Uhr ist das zerlöcherte Hydraulikkabel der Kupplung ausgebaut, um 23:00 quartieren wir uns in der Garage ein, Cem und Roelene stellen ihr Zelt direkt neben der Jurte der Garagistenfamilie auf. Das Geschäft scheint zu rentieren, in der Jurte schauen sich die Frauen auf einem riesigen Flachbildschirm eine mongolische Soap an, die Jungs spielen Computerspiele und der Garagist zeigt uns Familienfotos. Wasserkocher, Kühlschrank und Elektrobackofen zeugen von der Modernisierung. Wir schlafen schlecht, in der Garage sinkt die Temperatur nicht unter 30°C und es steht in den Sternen, ob wir hier am A… der Welt ein Ersatzteil kriegen.


Heute gabs einen doppelten Vodka-Mirinda zum Znacht.


Campen mal anders.

Tag 9: Es ist 09:00 Uhr, Didier geht mit dem Garagisten auf Shoppingtour, ein Original-Ersatzteil ist nicht aufzutreiben. Beim Goldschmied wird ein Provisorium gelötet, beim Einbauen bricht das Teil. Also wieder zum Goldschmied, wieder an den Einbau. Warten, hoffen, bangen, warten, hoffen. Als Isolation wird eine Kamelhaarschnurr um den Schlauch gewickelt. Wir sind skeptisch, aber um 19:00 Uhr, nach exakt 24 Stunden, verlassen wir nach erfolgreicher Testfahrt mit dem zusammengeflickten Pfusbus D-Zag und fahren zurück in die Berge. Erwischen ein paar Mal die falsche Piste und campieren schliesslich auf einer Anhöhe zwischen zwei Canyons. Was für ein wunderbarer Not-Pfusplatz! Die Aussicht ist fantastisch und der Vollmond steigt riesig hinter den Bergen hervor.


Dank Teamwork ist der Pfusbus wieder flott.


Es grünt wieder.


Der Mond ist aufgegangen…

Tag 10: Ein Junge aus einer benachbarten Jurte bringt uns frische Milch zum Frühstück. Bei der Weiterfahrt finden wir den richtigen Track auf Anhieb und fahren 160 anstrengende, aber landschaftlich eindrückliche Kilometer Richtung Khongorin Els, den grössten Sanddünen in der Mongolei. Wellblechpisten, zu tiefe Fahrspuren und zu grosse Steine machen das Fahren schwierig, unsere Durchschnittsgeschwindigkeit fällt deutlich unter 20kmh. 30 km vor dem Ziel geben wir erschöpft auf und finden erneut einen wunderbaren Schlafplatz mit Sicht auf die Dünen.

Tag 11: Die verbleibenden Kilometer bis zu den Dünen haben es in sich, der Beifahrer muss nun auch noch Steinbrocken aus dem Weg räumen, die Hitze ist betäubend. Beim Touristen-Ger-Camp genehmigen wir uns auf der Terrasse ein Bier und sind schon nach der halben Flasche total lustig. An ein Weiterfahren ist nicht zu denken, also legen wir uns im Pavillon in den Schatten und warten auf bessere Zeiten. Gegen Abend bauen wir unser Camp direkt neben 300 Meter hohen Sanddünen auf, traumhaft! Zum Znacht gibt’s selbstgemachten Kartoffelstock, denn praktischerweise hat Barbara beim Einkaufen in Sibirien von zwei anständig angeheiterten Russen einen Kartoffelstampfer geschenkt bekommen. Erhalten via Satelittentelefon von Cem und Roelene eine schlechte und eine gute Nachricht: Gemäss Rene vom Guesthouse Oasis ist der benötigte Schlauch für den Pfusbus in Ulan Bator nicht erhältlich, doch die Pfusbus-Garage Mattmüller in Kerzers sponsert uns das Ersatzteil und Barbaras Vater organisiert den Versand von der Schweiz aus. Wir sind erleichtert und sehr dankbar für die tolle Unterstützung. Herzlichen Dank Euch allen!


Schöne Wüste.


Um dieses Foto zu schiessen, floss viel Schweiss! In der Mitte kaum zu erkennen unser Base Camp.

Tag 12: Die Hitze treibt uns aus dem Bett, wir bestimmen den Tag zum Sonntag und frühstücken wie die Könige. Der Sinn für Wochentage ist uns längst abhanden gekommen. Petrus ist freundlich und schickt einige Wolken, die Temperatur wird angenehm. Das Erklimmen der Dünen ist harte Arbeit, belohnt mit einer umwerfenden Aussicht. Pünktlich zum Abendessen fegt ein Sandsturm über unser Camp, und was für einer! Es reicht gerade noch um die Autotür zu schliessen, nicht aber das Dachfenster. Wir kleben zu dritt wie Geckos am Pfusbus und versuchen mit aller Kraft, das Tarp festzuhalten. Arme und Beine werden sandgestrahlt, das selbstgebackene Brot auf der Muurika paniert, die Temperatur sinkt drastisch. Wir flüchten zu viert in den Pfusbus und spielen Backgammon, bis sich der Sturm legt.


Draussen tobt der Sandsturm, drin herrscht gute Laune.

Tag 13: Es ist wieder heiss in der Wüste, wir brechen unser Lager gegen Mittag ab und machen einen auf Tourist: Im Discovery-Camp beziehen wir zwei Jurten mit Vollpension. Zugegebermassen ist das Essen nicht der Knaller, aber dafür dürfen wir das Kochen und Abwaschen anderen überlassen. Am späten Nachmittag steht ein Backgammon-Turnier an, später geniessen wir wieder einmal eine richtige Dusche. Die kreisrunde Rötung an Didiers Rücken, wo vor 4 Tagen eine Monsterzecke zubiss, lässt nichts Gutes erahnen.


Mongolisches Hotel.

Tag 14: Um 07:00 Uhr stehen sechs Kamele und zwei Guides bereit, wir schaffen es oben zu bleiben, während die Kamele zuerst mit den Hinterbeinen aufstehen. Der Ritt in die Dünen ist wunderschön aber nicht wirklich bequem, unsere Hintern werden sich noch tagelang daran erinnern. Wir schiessen jede Menge Fotos und stürzen uns zwei Stunden später im Camp hungrig aufs Frühstück während sich der Himmel verfinstert. Es geht zum ersten mal wieder Richtung Norden. Die Fahrt durch die Berge scheint bei Regen mystisch. Doch wieder in der Ebene zerren die Wellblechpisten an den Nerven, wir kommen nur langsam vorwärts und müssen im einzigen Dorf weit und breit wieder den Dachträger schweissen lassen. Der Kerl passt zu wenig auf und die Späne hinterlassen Blasen auf dem Pfusbusfenster. Sehr ärgerlich. Zurück bei den Flamingo-Cliffs quartieren wir uns erneut in einem Jurtencamp ein. Cem und Roelene überlassen uns beiden grosszügigerweise die einzige Doppelbettjurte. Auch das gibt’s in der Mongolei!


Auch für die Kamele war es noch früh am Morgen.


Bequem ist anders, aber lustig war es!

Tag 15: Noch vor dem Frühstück der Schock: Die vom Schweisser malträtierte Scheibe ist in 1000 Stücke zersprungen, zusammengehalten wird sie nur noch von der Abdunkelungsfolie. So eine Sch… Wir kleben alles mit Tape ab und hoffen, es so bis nach Ulan Bator zu schaffen. Der naheliegende Verdacht auf Lime Borreliose bei Didier wird durch eine SMS von unserem Arzt bestätigt, das benötigte Antibiotikum ist aber in der Gobi nicht aufzutreiben. Nach einer nervenzerrenden Übung erfahren wir telefonisch, dass wenigstens die internationale SOS Klinik in Ulan Bator helfen kann. Also so schnell wie möglich zurück in die Hauptstadt. Ulan Bator ist Luftlinie ja nur 600 Kilometer entfernt, ein Klacks irgendwo auf der Welt, nicht aber in der Mongolei. Ein einheimischer Touristenguide zeichnet auf einer von unseren vier Karten eine direkte Route ein, wir machen uns sofort auf den Weg. Die Navigation ist schwierig, während einem heftigen Gewittersturm kommen wir vom richtigen Track ab. Innert Sekunden wird das Terrain schlammig, während einer einzigen Rutschpartie schaffen es Pfusbus und Jimny gerade noch tout just auf den nächsten Hügel. Wir fühlen das Adrenalin rauschen und versuchen unser Glück crosscountry. Der Umweg kostet kostbare Stunden, wenigstens bleiben wir nicht mitten in der Pampe stecken. Beim Eindunkeln schlagen wir unser Camp erneut in wunderschöner Umgebung auf, zum Geniessen bleibt allerdings keine Zeit.

Tag 16: Wir starten morgens um 06:00 Uhr, nach fünf Stunden schaffen wir es auf die geteerte Strasse. Nach weiteren sechs Stunden erreichen wir Ulan Bator. Die Stadt versinkt im Schlamm- und Verkehrschaos, bis zur Klinik dauert es nochmals über eine Stunde. Um 18:15 finden wir endlich das richtige Gebäude, notabene eine Viertelstunde nach Betriebsschluss. Dank der Kreditkarte kriegt Didier doch noch an diesem Abend die nötigen Antibiotika, nicht aber ohne vorher eine völlig überteuerte Untersuchung über sich ergehen zu lassen. Erleichtert und hundemüde erreichen wir gerade rechtzeitig das Oasis Guesthouse, um noch ein Schnipo bestellen zu können. Nach dem Essen fallen wir im Pfusbus sofort in einen Tiefschlaf, dabei hätten wir heute doch so viel zu feiern: 20‘000 Reisekilometer und 3 Jahre Barbara & Didier!


Notabene die Hauptstrasse Ulan Bators…

Ihr seht, langweilig war es uns in den letzten Tagen keineswegs! Die Gobi hat uns wahnsinnig fasziniert, aber auch klare Grenzen aufgezeigt. Wir schätzen uns enorm glücklich, ein so grosses Abenteuer erlebt haben zu dürfen, und sind dankbar, mit einem blauen Auge davongekommen zu sein. Nie werden wir die 16 Tage in der Gobi vergessen!

Am nächsten Tag managte Barbara spontan das Oasis Guesthouse, während sich die Belegschaft auf den Betriebsausflug begab. Falls Ihr, Sybille und Rene, mal eine Auszeit braucht, wir würden also sofort ein paar Wochen übernehmen! Danach kümmerten wir uns um das Wohlergehen des Pfusbus. Erst wurden alle möglichen Öle gewechselt, dann klapperten wir mit Hilfe des einheimischen Tommy (sein richtiger Name ist für Nicht-Mongolen kaum auszusprechen) zahlreiche Autoersatzteilschuppen ab. Fündig wurden wir nicht, aber dafür bekochte uns Tommy bei sich zu Hause mit einem mongolischem Fertiggericht. Tags darauf wurde die Suche fortgesetzt und nach einigen Stunden bei verschiedenen Autodoktoren fuhr der Pfusbus mit frisch getönter Second-Hand-Scheibe und geflickter Hecktür stolz auf dem Oasis-Parkplatz vor, wo er von diversen Overlandern jubelnd empfangen wurde. Wäre das aus der Schweiz bestellte und überfällige Ersatzteil schon da, der Tag hätte nicht besser laufen können. Wir liessen uns aber die Freude nicht verderben und gingen zu sechst zum besten Inder in der Stadt essen. Sehr lecker!


Der Pfusbus war tapfer und hielt während der Behandlung ganz still. Im grünen Shirt unser Superhelfer Tommy.

Nun sitzen wir im Oasis-Cafe, schreiben Blog, lesen ein Buch oder tauschen mit Neuankömmlingen Erfahrungen aus während draussen die Regenwolken vorbeiziehen. Und gerade verkündet die Köchin, dass in einer Stunde das Cheesecake fertig ist, das passt!

Liebe Grüsse von den Abenteurern

Verfasst von: Barbara & Didier | Juni 5, 2011

Von Sibirien in die Mongolei

Ulan Bator, 05.06.2011, 18’315km

Sain baitsgaa nuu!

Wir grüssen Euch aus Ulan Bator, der Hauptstadt der Mongolei. Nach 92 Tagen on the road sind wir im Land der Nomaden angekommen, ein Traum geht in Erfüllung!

Doch zuerst zurück nach Ulan Ude, wo wir während drei Tagen wieder einmal eine Art zivilisiertes Leben führten. Nach der ersten Nacht im Garten der Datscha von Alexander machten wir uns ohne Pfusbus auf ins Zentrum, wollten wir doch endlich auch einmal in einer Marschrutka mitfahren. Marschrutkas sind Kleinbusse (häufig Pfusbuskollegen, darum werden wir auch immer verwechselt), die eine feste Route fahren. Fahr- oder Linienpläne gibt es allerdings keine, was das Benutzen von ÖV für Laien wie uns ziemlich tricky macht. Mutig standen wir also am Strassenrand und winkten auf gut Glück eine Marschrutka nach der anderen ab. Bereits das vierte Fahrzeug war ein voller Erfolg und wir landeten auf Anhieb im Zentrum. Dort hiess es erst mal den Sibirienblog aufschalten, ein paar organisatorische Mails für die Weiterreise verschicken und schon stand Nina für eine Sightseeingtour in Ulan Ude bereit. Das Herz der 400‘000 Einwohner Stadt ist angenehm übersichtlich und machte mit all den chic angezogenen Russinnen und Chinesinnen einen kosmopolitischen Eindruck. Nach der Besichtigung vom Steinmuseum, einer Uni, einer Kleintierhandlung und dem Opernhaus investierten wir eine gute Stunde um Dollar und Rubel zu beziehen und die russische SIM-Card aufzuladen. Ersteres brauchte ziemlich Nerven und kostete viel Kommission, letzteres machte man an einem der zahlreichen Automaten die aussehen wie Bankomaten und ist sehr günstig. Das Anstehen machte auf uns einen total chaotischen Eindruck, hatte aber System. Wenn man neu dazukommt, fragt man einfach „Wer ist der letzte?“ und weiss dann, dass man nach dieser Person an der Reihe ist. Schlangenstehen ist also nicht nötig.

Gegen Abend stiess Vova, Ninas Bruder, zu uns und nach dem Probieren von Kvas, laut Reiseführer einem aus Brot gebrautem Getränk, luden wir die beiden ins Kino ein: Pirates of the Caribbean 4 in 3D. Der Film hatte zwar ein paar Längen (was zugegebenermassen an unserem beschränkten Sprachverständnis liegen könnte), aber Johny Depp und Penelope Cruz auf Russisch war alleine das Eintrittsgeld wert. Beim Auswählen der Marschrutka zurück zur Datscha konnten wir auf die Hilfe unserer russischen Freunde zählen: Wie hätten wir erklären wollen, in welche Richtung es gehen muss, war die Haltestelle in der Nähe der Datscha doch namenlos.


Unsere Basis in Ulan Ude: eine typisch russische Datscha (Wochenendhäusschen) mit Kartoffelfeld.


Die ersten vier Worte im Film haben wir alle verstanden, juhuii!

Am nächsten Morgen holten wir Nina und Vova in der Stadt ab und besichtigten gemeinsam das Ethnographiemuseum, ein sibirisches Ballenberg. Nach dem Mittagessen in einem kleinen Beizli hiess es für uns noch Vorräte aufstocken und Kanister mit 98er Benzin füllen, soll es in der Mongolei doch nur noch 76er oder im Glücksfall 90er geben! Nach einem ruhigen Abend bei der Datscha verabschiedeten wir uns am nächsten Morgen schweren Herzens von Nina und machten uns auf in Richtung Süden. Nina beendet in zwei Wochen ihr Studium und beginnt einen Job als Managerin eines kleinen Ressorts an der Ostküste des Baikalsees.


Goodbye Lenin. Die grösste Lenin-Kopfstatue der Welt.

Am 2. Juni stand der grosse Tag auf dem Programm: Einreise in die Mongolei. Der (je nachdem, wen man fragt) einzige Grenzübergang in die Mongolei liegt auf gerader Linie zwischen dem Baikalsee und der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator. Das russische Grenzdorf heisst Kjaxta und ist eine waffenstarrende Garnison. Um 07.45 Uhr reihten wir uns vor dem russischen Grenzposten am Ende einer vierspurigen Schlange von Lastwagen, PW’s und Marschrutkas ein. Obwohl die Grenze um 08.00 öffnen sollte, passierte während eineinhalb Stunden gar nichts. Oder fast nichts; denn plötzlich fuhr ein BMW-Töff mit Freiburger Nummernschilder vor und schlängelte sich ganz nach vorne durch. Als alte Hasen was Grenzübertritte anbelangt reagierten wir sofort und machten uns mit David aus Corminboeuf bekannt. Dann signalisierten wir allen Anwesenden, dass wir zu unserem Freund nach vorne wollten. Auf einen Schlag hatten wir dutzende Fahrzeuge überholt und standen in der Pole Position. Als um 09.30 der Schlagbaum zum ersten Mal öffnete, fuhren David und der Pfusbus als erste zum Grenzbüro! Entgegen allen Befürchtungen war der russische Grenzübergang etwas vom effizientesten, was wir bisher erlebten. Von einer englisch sprechenden freundlichen Zollbeamtin wurden wir in ein Büro geführt, kurz ausgefragt, erhielten die nötigen Stempel und waren in 15 Min auf dem Weg zur mongolischen Seite. Der Pfusbus wurde gefühlte 10 Sekunden durchsucht, acht Sekunden davon fielen auf die Kontrolle der Fahrzeugchassisnummer. Die mongolische Seite funktionierte etwas anders. Zwar waren alle freundlich und alles verlief ohne Probleme, jedoch musste nach jedem Posten (Seuchenkontrolle, Passkontrolle, Zollkontrolle) immer wieder beim höchsten Zollbeamten eine Unterschrift abgeholt werden. Blöderweise traf das für alle anderen auch zu und vor dem kleinen Schalter herrschte ein Riesengedränge. Die Mongolen haben keine Ahnung von Schlange stehen, sind aber unglaublich gute Drängler. So war es Didier’s Aufgabe, jedes Mal mit breitem Rücken das Formular nach vorne zu strecken und den Kopf zusammen mit mehreren anderen Grenzgängern möglichst offensiv in Richtung Fensterchen zu strecken. Die Ironie der Geschichte: Als wir schlussendlich alle Unterschriften beisammen hatten, waren jene Mongolen, welche wir vor dem russischen Schlagbaum überholt hatten, schon über alle Berge.


Juhui, nach 92 Tagen und 17‘500 km ist das Pfusbusteam in der Mongolei!

Die ersten Kilometer in der Mongolei waren von drei interessanten Begegnungen mit anderen Overlandern geprägt. David ist alleine mit dem Motorrad unterwegs und fuhr nach dem Grenzübertritt direkt nach Ulan Bator. Seine Freundin fliegt dorthin und gemeinsam wollen sie drei Wochen durch die Mongolei reisen. Ein bisschen später überholten wir zwei Radfahrer. Es waren Lucie und Chris aus England, sie sind unterwegs nach Peking zur Hochzeit eines Freundes. Aha. Ihr Reiseplan hörte sich sehr sympathisch an: Von England pedalierten sie der Ostseeküste entlang nach St. Petersburg, dann mit der Eisenbahn bis Irkutsk, dann wieder mit dem Drahtesel bis nach Ulan Bator, um dann wiederum per Zug nach Peking zu fahren. Wir hatten so viel zu diskutieren, dass im Nu eine Stunde um war und wir nach dem Austausch von Kontakten und Geschenken schon wieder Abschied nehmen mussten. Zwei Stunden später lagen wir im Gras und machten einen Mittagsschlaf, als Secim und Muberra und gleich darauf auch Cem und Roelene auffuhren. Alle sechs ehemailgen Reisegefährten hatten sich unabhängig voneinander den selben Tag zum Grenzübergang ausgesucht und trafen sich mitten in der mongolische Steppe wieder! Wir unterhielten uns noch lange mit Cem und Roelene, bevor wir wieder unseren eigenen Weg gingen.


Lucie und Chris hätten sofort getauscht!


Wir auch, aber höchsten für ein paar Stunden…

Während all unsere Bekanntschaften einen direkten Weg nach Ulan Bator ansteuerten, zogen wir von der Hauptstrasse weg und fuhren Richtung Amarbayasgalant Khiid, einem der grössten buddhistischen Kloster der Mongolei. Das Kloster liegt 50 km von der nächsten Strasse entfernt in einer wunderschönen Steppen- und Hügellandschaft. Den Hin- und Rückweg über eine Rallyepiste unterbrachen wir jeweils über Nacht und campierten wild in einem kleinen Tal. Mit keiner Menschenseele weit und breit und unter einem fantastischen Sternenhimmel genossen wir das Nomadenleben in unserer „Machine-Ger“ (Autojurte). Das Kloster war den Umweg auf jeden Fall Wert. So früh im Jahr waren keine ausländischen Touristen in der Gegend und ein Mönch führte uns durch die im chinesischen Stil erbaute Anlage. Wir konnten die jungen Mönche beim disziplinierten Beten erleben und trafen den Lama (Vorsteher), welcher auch erst etwa 20 Jahre alt ist. 5 Minuten nach dem Ende der Zeremonie machten sich die Mönche mit dem Lama im FC Barcelona-Shirt voraus auf zum Fussball spielen! Auf dem Shirt stand von Hand und in lateinischen Buchstaben fett Carlos Puyol geschrieben.


Blick auf das Amarbayasgalant Kloster.


Vor den Toren der Tempelanlage.


Auf dem grössten Campingplatz der Welt!

Im Rallyestil ging es zurück auf die geteerte Strasse (Kann uns jemand sagen wieviel Seitenlage so ein Hiace aushält?) und hinein ins Verkehrschaos von Ulan Bator, wo wir uns gewollt mitten ins Zentrum vorkämpften. Dort bezogen wir für zwei Nächte ein gutes Hotel und genossen nach langem wieder einmal eine richtige Dusche, sauberes Klo und Bettzeug, Internet im Zimmer und ein kontinentales Frühstück. Was für ein Luxus!

Die Mongolei war von Anfang an als ein Highlight auf unserer Reise geplant, entsprechend gross war und ist die Vorfreude auf dieses Overlander-Eldorado. Trotzdem fühlte sich der Grenzübertritt vor ein paar Tagen für uns nicht auf Anhieb als etwas Ausserordentliches an. Wir sind so stark mit dem „Tagesgeschäft“ (Übernachtungsplatz suchen, Benzin auftreiben, Lebensmittel kaufen, Routenplanung, Waschen, Putzen, Kochen etc.) beschäftigt, dass wir mitunter das Reisen in diesen exotischen Ländern als etwas normales betrachten.  Zwischendurch müssen wir uns selber daran erinnern, dass wir da gerade etwas sehr verrücktes machen! Die Tagesroutine hat uns aber auch geholfen, Schritt für Schritt in die Reise zu versinken. Wer direkt in den Iran, nach Turkmenistan, Sibirien oder in die Mongolei fliegt, wird den Unterschied zur Heimat viel stärker als Kulturschock wahrnehmen als wir. Meistens machen wir  Schritte, welche uns Tag für Tag kulturell und geografisch weiter von zu Hause weg bringen, ab und zu aber auch wieder zurück (z.B. die Tage mit Nina in Ulan Ude). Doch es bleiben kleine, gut verdaubare Schritte, ein wunderbarer Vorteil wenn man mit dem eigenen Fahrzeug die Welt bereist. Wir können es nur weiterempfehlen!


Liebe Grüsse von den Glückspilzen

Verfasst von: Barbara & Didier | Mai 30, 2011

Sibirien

Ulan Ude, 30.05.2011, 17‘341 km

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Ja, wir sind definitiv in Sibirien angekommen. Die Taiga ist scheinbar grenzenlos, nur zwischendurch gibt es einige Industriegrossstädte und ab und zu kleine Dörfer. 90% der Menschen leben in den riesigen Städten. Die Kilometerangaben auf den Strassenschildern waren während den ersten Tagen auf der M53 gegen Osten stets vierstellig: Irkutsk 1780 km, dann 1650 km, dann 1580 km, usw. Wir haben uns aber schnell daran gewöhnt, an Zeit mangelt uns ja nicht und der Pfusbus läuft nach wie vor wunderbar.

Die 100‘000 Mücken fanden dies auch einen wunderbaren Platz.


Einkaufen in kleinen Dörfern verspricht stets Spiel, Spass und Spannung.

Übernachtungsplätze sind eigentlich einfach zu finden: Einfach ab der Strasse fahren, einem kleinen Weg ein, zwei Kilometer folgen und schon ist man in der Einsamkeit. Wir übernachten aber nicht nur wild, sondern suchen auch immer wieder den Kontakt mit den Einheimischen. Einen wunderbaren Abend verbrachten wir bei der Datscha einer Familie aus Kemerowo. Die Damen genossen die sehr angenehme Gesellschaft von Katja, Warwara und Co. bei Weisswein, Tee und Luftgewehrschiessen (!), die Jungs gleich daneben mit Alexander und Cornel bei Wodka, mehr Wodka und noch mehr Vodka plus tiefgründigen Gesprächen. Zwischendurch gab es immer wieder was Feines vom Familiengrill, frisch gepflückten Bärlauch, Eier, Salat und allerlei weitere Köstlichkeiten. So läuft das hier bei den Russen. Nachdem auch die Jungs unter Aufbringung aller Konzentration wieder unsere Fahrzeuge erreichten (nur 100m, aber über eine fiese, schmale Bretterbrücke), schliefen wir tief und fest, waren aber am nächsten Morgen wieder topfit unterwegs.


Ohne Worte.


Thank you very much for a wonderful Evening!

Ein weiteres Highlight war der Besuch bei der Deutschlehrerin Lydia (sehr praktisch für uns) und dem Zeichen- und Werklehrer Sascha in Tschjasinsky. Ihre Tochter Elena ist mit einem Cousin von Cem befreundet. Das reicht hier in der Einsamkeit locker um einen Besuch zu begründen. Und was für einer! Wir wurden herzlich empfangen, bekocht, über dies und jenes informiert und erhielten eine Stadtführung (inkl. Alkoholladen, Supermarkt und Bahnhof). Danach genossen erst die Mädels und dann die Jungs die extra von Sascha eingeheizte russische Sauna im Gartenhäusschen, welch eine Wohltat! Obwohl wir noch im Westen Sibiriens waren, scheint die Zeit in gewisser Hinsicht stillgestanden zu sein. Bestes Beispiel: Gleich neben dem Städtchen verläuft eine riesige Gaspipeline zur Versorgung Europas, keine Siedlung in der ganzen Gegend ist jedoch daran angeschlossen. Geheizt wird im Winter bei bis zu -52° C überall mit Kohle, der Schnee kommt denn auch schwarz und nicht weiss vom Himmel. Statt Hitzefrei gibt’s Kältefrei: Ab -35°!


Stadtführung mit unseren Gastgebern Lydia und Sascha.


Kaviarbrötchen, Borsch, Kartoffelsalat, Poulet, Oliven, Hochprozentiges… Was wurden wir verwöhnt! Herzlichen Dank für die Gastfreundschaft!

Je zwei Kilo schwerer und mit Honig, Wurst und Fisch im Gepäck verliessen wir nach 24 Stunden das traute Heim von Lydia und Sascha und rollten weiter gegen Osten. Unbemerkt haben wir zwei Zeitzonen durchfahren und sind nun auf der Höhe von Kuala Lumpur und Perth, verrückt nicht? Was für die Bauern langsam aber sicher zum Problem wird, kommt uns gerade recht: Auch hier in Sibirien ist der Frühling viel zu warm und statt Daunenjacke und Mütze reicht oft ein T-Shirt (es sei denn, der Sibirische Wind bläst…). Wir fuhren zwar immer wieder mal durch ein Gewitter, trotzdem brannte der Wald bereits an mehreren Orten.

Ein vielzitiertes Sprichwort Russlands lautet: Russland hat zwei Probleme, schlechte Strassen und Dummköpfe. Das mit den Strassen können wir nun definitiv bestätigen, holpern wir doch stundenlang über ungeteerte Pisten oder Abschnitte, bei welchen die Schlaglöcher grösser als die Teerflächen sind. Dabei befinden wir uns immer noch auf der M53, der einzigen Ost-West-Verbindung ganz Russlands! Doch es besteht Hoffnung auf Besserung, an einigen Strassenabschnitten wird fleissig gebaut. Dummköpfe hingegen haben wir glücklicherweise noch kaum angetroffen. Hat man sie erst mal „geknackt“, sind die Russen meist freundlich, interessiert und hilfsbereit.


Die grösste Strasse Russlands: Wir trauten unseren Augen nicht!


Mal so…


…oder so.

Während wir im Kovoi Kilometer um Kilometer hinter uns brachten, entlud sich bei unseren Reisegspändli intern ein Unwetter, das sich schon lange zusammengebraut hatte. Die einberufene Aussprache war denn auch keine Aussprache mehr, sondern eine Ankündigung von Cem und Roelene, dass sie sich nach drei Monaten gemeinsamen Reisens von Muberra und Secim trennen und die Fahrt ab Irkutsk alleine fortsetzen wollen. Das hatte auch für die Pfusbuscrew entsprechende Konsequenzen. Noch vor Ort verabschiedeten wir uns und fuhren ohne Begleitung weiter. Im Prinzip änderte sich für uns ja nichts, waren wir ja von Beginn an davon ausgegangen, alleine unterwegs zu sein. Trotzdem bedauerten wir den Entscheid der beiden sehr und fühlten uns auch etwas vor den Kopf gestossen; wir hatten es doch bisher prima und waren sogar zusammen am Zukunftspläne schmieden. Wir sagen aber Merci für die tollen gemeinsamen Momente und wünschen beiden Teams eine problemlose Weiterfahrt.


Wieder alleine on the road, ein friedliches Pfusplätzchen zum Kopf auslüften.

In Irkutsk schafften wir es dank einem illegalen U-Turn für einmal, nicht mitten durchs Zentrum zu fahren. Trotzdem dauerte es fast eine Stunde, bis wir aus der Stadt raus waren um die Passstrasse zum Baikalsee in Angriff zu nehmen. Wir waren ein bisschen überrascht von der Gegend, so bergig hatten wir uns das nicht vorgestellt. Auf einmal waren wir wieder mitten im Frühling, die Bäume hatten erst zartes Laub und an schattigen Plätzchen lag noch Schnee. Entsprechend lockte der Baikalsee auch nicht zum Baden. Wer jetzt denkt, wir seien Warmduscher, dem sei gesagt, dass wir tags im See darauf die ersten Eisberge (!) entdeckten. Überhaupt ist die Gegend um den Baikalsee herum sehr speziell. Das Wetter kann sehr schnell ändern und der ruhige See verwandelt sich innert Minuten in ein tosendes Meer. Mit über 1700 Meter ist der See unglaublich tief und beinhaltet über 25% aller nicht gefrorenen Trinkwasserreserven der ganzen Welt. Kleine Dörfer, bestehend aus bunt bemalten Holzhäusern mit hübschen und grossen Gärten säumen alle 10km das Ufer. Es gibt wunderbare Plätze in der Natur, zwischendurch aber auch verfallene Industriebauten und leider stets viel Müll. Nach den vielen Fahrkilometern durch Kasachstan und Sibirien hindurch, konnten wir hier aber einen Gang herunterschalten.

Auch am Baikalsee durften wir sibirische Gastfreundschaft geniessen. Nach einem anstrengenden Tag auf der Strasse fanden wir keinen wirklich überzeugenden Platz zum Übernachten. Wir waren müde und gereizt und fragten als Notlösung in einem kleinen Dorf die ersten Menschen auf der Strasse, ob wir unser Auto für die Nacht irgendwo abstellen dürften. Kein Problem; die Hoftüre wurde geöffnet und wir konnten den Pfusbus mitten in einem überraschend grossen Bauernhof platzieren. Wir durften trotz Gegenwehr sogleich am Abendessen teilnehmen und wurden auch am nächsten Morgen zum Frühstück verköstigt. Natürlich gab es hofeigene Kartoffeln, das Hauptnahrungsmittel schlechthin hier in Russland (Für alle Patatophilen: Die Sorte heisst Adretta, wie Barbara beim Fachsimpeln herausfand). Die Notlösung verwandelte sich immer mehr in eines der Highlights unserer bisherigen Reise. Unsere Gastgeber waren Sergei und Galina, welche mit ihren Kindern Nina, Vladimir und dem Nesthäkchen Mascha sowie Sergeis Bruder Sascha und dem Grossvater hier wohnten. Besonders die älteste Tochter Nina war uns eine grosse Hilfe, da sie gut englisch sprach und uns viel interessantes über die Gegend zu erzählen hatte. Da Nina und Vladimir beide in Ulan Ude studierten, anerboten wir uns, sie am Sonntagabend dorthin zu führen. Nach einem erholsamen Ausflug an den Baikalsee luden wir die beiden samt dem Vater und rund 5 Kilo Kartoffeln sowie einem Liter Milch direkt ab der Kuh in den Pfusbus und fuhren nach Ulan Ude. Dort erwartete uns bereits ein befreundetes Ehepaar der Familie und ehe wir verstanden, was passierte, stand uns eine Datscha mit Sicht auf Ulan Ude zur alleinigen Benutzung zur Verfügung.


Posieren mit Sergei, Mascha, Nina. Thank you very very much for your hospitality!


Nina und Vladimir @ Work.

Nun müssen wir in Ulan Ude noch verschiedene Kleinigkeiten besorgen und unsere Benzintanks ganz füllen, bevor wir in Richtung Mongolei starten. Wir sind gespannt, was uns dort bevor steht.


Idylle am Baikal. Auch ein toller Schlafplatz.


Zum Znacht ein Vodka-Orange: Wir haben uns in Russland schnell eingelebt.

Liebe Grüsse an Alle!
Die Pfusbüssler

Verfasst von: Barbara & Didier | Mai 19, 2011

Von Kirgistan via Kasachstan nach Russland

Barnaul, 19.05.2011, 14‘472 km

Priviet miteinander!
Wir melden uns aus Sibirien, genauer gesagt aus der Stadt Barnaul. Hier müssen wir zwangsläufig eine Nacht im Hotel verbringen, um uns in Russland offiziell registrieren zu lassen. Das ist immer so eine Sache mit dieser Registriererei, doch alles schön der Reihe nach: Unsere letzte Nacht in Kirgistan verbrachten wir downtown Bishkek im heruntergekommenen Innenhof von einem Backpackers. Doch da es sowieso die ganze Zeit in Strömen regnete, war die Umgebung egal, Hauptsache im Pfusbus wars trocken und warm. Nicht egal war allerdings die Tatsache, dass uns sämtliche Bankomaten Bargeld verweigerten, obwohl wir sage und schreibe 4 Kreditkarten unser Eigen nennen können. Weder die Post noch die Viseca haben auf unser Beschwerdemails geantwortet, soviel zum Schweizer Kundendienst. Wie auch immer, die letzten kirgisischen Banknoten hat uns die Polizei ein paar Meter vor dem Zoll abgeknöpft, weil wir angeblich ein Stoppschild missachten hatten. So mussten wir uns an der Grenze wenigstens nicht mehr um den Geldwechsel kümmern, man muss solche Sachen ja immer von der positiven Seite sehen, nicht war. Die Kirgisen liessen uns an der Grenze ohne Schikane weiterziehen, nicht aber die Kasachen. Die standen bereits mit Hunden bereit und wollten entweder den Pfusbus durchsuchen oder aber Schweizer Schokolade vertilgen. Didier entschloss sich dankbar für die zweite Variante, verteilte die kostbare Toblerone und konnte Barbara nach einer halben Stunde in Kasachstan wieder aufladen. Der Beifahrer muss in manchen Stan-Ländern nämlich zu Fuss über die Grenze und kriegt überhaupt nicht mit, was mit Fahrer und Fahrzeug passiert. Das mögen wir gar nicht. Nach nur gerade 3 Polizeistopps auf knapp 180 km erreichten wir Almaty, mit gegen 2 Millionen Einwohnern die grösste Stadt Kasachstans. Wie gewohnt gings erst mal mitten durchs Zentrum, bevor wir das Wiedersehen mit unseren Türkei-Iran-Grenzübertritt-Gspändli feiern konnten. Wir hatten uns nämlich für ein Campingwochenende in den Bergen verabredet, liegen doch die schönsten 4000er quasi direkt vor Almatys Haustüre. Die 4WD-Piste zu einem abgelegenen Hochtal hatte es in sich, der Pfusbus hielt aber wacker mit dem Suzuki Jimny und dem Mitsubishi Pajero mit. Beim Eindunkeln installierten wir auf über 3500 müM unser Camp direkt neben einem Bach. Als am nächsten Morgen die Sonne durch die Nebelfetzen strahlte, schien das Glück perfekt. Doch ein bisschen später tanzten kleine weisse Flocken vom Himmel, die grösser und grösser wurden…


Nein, so hatten wir uns das nicht vorgestellt.


Krisensitzung Nr. 7 von 10.

Das goldene Zitat von Cem während der 6. Krisensitzung: „I’m trying to figure out if we are brave or just stupid.“ Barbaras Bemerkung dazu: “If we survive we are brave, if we die we were very stupid…”. Ein paar Tage im Schneesturm hätten wir zwar locker überstanden. Wir mussten uns aber innert den vorgeschriebenen 5 Tagen nach Grenzübertritt in Almaty registrieren lassen, keine Ahnung was die Kasachen sonst mit uns angestellt hätten. Da wir das auf keinen Fall am eigenen Leib erfahren wollten (wir haben da schon so einige Schauergeschichten gehört), beschlossen wir nach der 8. Krisensitzung, den Pfusbus von der verschneiten Wiese auf den Weg zurück zu schaffen. Das war leichter gesagt als getan, gelang aber schlussendlich. Nach einer eiskalten Nacht stellten wir erleichtert fest, dass keine zwei Meter Schnee lagen und wir konnten problemlos unser hochalpines Camp verlassen.

Wir bezogen ein für Almaty relativ preiswertes, aber gepflegtes Hochzeits-Hotel etwas ausserhalb der Stadt und machten eine Liste mit Dingen, welche in den nächsten Tagen zu erledigen waren:

• Registration: Besonders wenn in den vorgeschriebenen fünf Tagen ein Wochenende und ein Feiertag liegen, wird‘s langsam eng.
• Visum Mongolei: Wenn der Pass wegen der Registration einen Tag nicht verfügbar, die Botschaft zum besagten Wochenende und Feiertag und auch noch am Mittwoch geschlossen ist, wird’s auch hier eng.
• Neue Reifen für den Pfusbus: Auf russisch genau DIE Reifen suchen, die an den Pfusbus passen und möglichst nach Qualität aussehen. Auch nicht gerade entspannend, besonders wenn man sich tagelang durchs Verkehrschaos quälen muss.
• Einkäufe: In Almaty kann man alles kaufen, was das Herz begehrt, nur wo? Also suchen und Vorräte aufstocken.

Kurz und gut, nach vier Tagen, 260 km im Verkehrschaos (die Stadt ist wirklich gross…), ermüdenden Märschen durch den riesigen Autoteilebasar, nervenaufreibenden Szenen bei der Registration („Ja, zum vierten Mal, wir wollen die Pässe heute noch zurück, sonst sehen wir bei der Polizeikontrolle alt aus, gopf“) war alles geschafft. Sogar Milchpulver haben wir gefunden, war ganz lustig dem russischsprechenden Verkäufer zu erklären, was wir wollten. Leider aber konnten wir mit den coolen Offroadreifen das Steuer des Pfusbus nur noch halb einschlagen, weshalb wir uns für herkömmliche Finken entscheiden mussten.
Diese Tage in Almaty haben uns einmal mehr klar gemacht, dass Reisen in diesen Länder mit Ferien nur wenig zu tun hat und die nun anstehenden 3500 km durch Kasachstan und Russland wirkten auf uns auch nicht gerade wie ein Trip auf die Malediven.

Just fürs nächste Wochenende trafen wir uns wieder mit Roelene, Cem, Muberra und Secim, welche ausserhalb der Stadt an einem idyllischen See auf uns warteten und mit welchen wir voraussichtlich bis in die Mongolei fahren werden. Im Konvoi ging es also von Almaty aus Richtung Norden. Es macht uns Spass, mit Gleichgesinnten unterwegs zu sein. Man kann Erfahrungen austauschen, ab und zu ein bisschen Verantwortung in der Gruppe aufteilen und ist gleichzeitig auch sicherer unterwegs. Vor allem aber geniessen wir es, abends am Lagerfeuer zusammen zu sitzen und zu kochen, plaudern und lachen.


Endlich kommt unsere Muurika richtig zum Zug. Feuerchef Secim überwacht Küchenchef Barbara.


Ein weiterer wunderschöner Übernachtungplatz.

Die Fahrt durch Kasachstan war geprägt von endloser Steppe, (sehr) schlechten Strassen und vielen Polizisten mit riesigen Hüten. Dank Didiers „Ich-bin-Tourist-und-verstehe-kein-Wort-Russisch-Taktik“ haben wir es ohne jegliche Strafe durchs Land geschafft, was uns doch etwas mit Stolz erfüllte. Die Menschen waren im grossen und ganzen nett und hilfsbereit, sofern nicht total besoffen. Traurig was der Vodka auch in diesem Land für Auswirkungen hat. Die Landschaft war zwar eintönig, aber der unendlichen Weite wegen doch irgendwie faszinierend. Und meistens fanden wir einen tollen Übernachtungsplatz an einem See oder Bach. Wenn „Cem Mc Gregor“ auf seinem Motorrad vor dem Pfusbus dahinknattert, fühlen wir uns jeweils wie im Doku Long Way Round. Nur dass das unser eigenes, reales Roadmovie ist!


Wohlverdiente Pause.


Typisch Kasachstan.


Alles bereit für die Fahrt nach Russland.

Am 18. Mai stand uns ein weiterer Grenzübergang bevor. In der Overlander-Szene kursieren verschiedenste Erfahrungs- und Schauerberichte über die russischen Zöllner. Entsprechend respektvoll standen wir pünktlich um 08.30 Uhr an der kasachischen Seite am Schlagbaum. Doch vorerst passierte eine Stunde lang mal rein gar nichts. Danach stempelten freundliche Zöllner unsere Pässe nach gründlicher Kontrolle ab, die Autos wurden gar nicht angeschaut. Weiter gings auf die russische Seite. Nach einer halben Stunde warten am Schlagbaum dann wiederum eine freundliche Passkontrolle und auf zur Autokontrolle. Jetzt kam’s für unsere Freunde faustdick: Ihnen fehlten die kasachischen Zolldeklarationen für die Fahrzeuge. Wir hatten bei unserem Grenzübertritt aus Kirgistan automatisch ein Doppel bekommen, bei ihrer Einreise von Usbekistan her jedoch wurde dies vergessen. Für sie hiess es nun „zurück auf Start“; wieder auf die kasachische Seite. Auf den ersten Vorschlag der Zöllner, nämlich zurück fahren um es zu holen (sind ja bloss 1400km), gingen sie nicht ein. Man einigte sich darauf, dass in drei Stunden per Fax eine Kopie geschickt werden sollte. Wir Pfusbüsler hatten ja das besagte Dokument und wagten den Alleingang zur russischen Fahrzeugkontrolle. Es geschah unglaubliches: Der Drogenhund schnüffelte 30 Sekunden am Pfusbus herum, ein kurzer Blick des Oberzöllners ins Innere (ohne rumzufingern!) und fertig, wir konnten in Russland einreisen.

Wir nutzten unseren Vorsprung und fuhren nach Rubstovsk, der ersten grösseren Stadt nach der Grenze, um ein Hotel (für die wiederum nötige Registration) und Karten (blöderweise fehlt uns allen eine schlaue Strassenkarte) aufzutreiben. Nach vier Stunden schafften es unsere Freunde auch über die Grenze, wir hatten in der Zwischenzeit trotz vollem Einsatz nichts erreicht. So beschlossen wir, noch am gleichen Abend die Stadt zu verlassen, ausserhalb zu campen und dann am nächsten Tag unser Glück in Barnaul, der Provinzhauptstadt zu probieren. Sofern wir die Receptionistin im Sovietbunkerhotel richtig verstanden haben, sollten wir morgen Nachmittag unsere Pässe mit Registrationszettel zurück erhalten und unsere Route fortsetzen können. In der Zwischenzeit geniessen wir das Leben zurück in der Zivilisation: Zuerst eine warme Dusche, dann Apero und Abendessen im stylischen japanischen Restaurant mit WiFi!

Liebe Grüsse von den Pfusbüsslern & Roelene und Cem

Verfasst von: Barbara & Didier | Mai 6, 2011

Von Usbekistan nach Kirgistan

Bishkek, 06.05.2011, 12‘200 km

Liebe Blogleser
Es ist ja irgendwie paradox: Während wir seit über einem Monat unseren eigenen Blog nicht mehr anschauen geschweige den moderieren können – die Polizeistaaten lassen grüssen – seid ihr gemäss der Statistik ganz schön fleissig am Lesen. Das freut uns natürlich sehr und wir sagen Merci für Euer Interesse!
Bevor wir Euch nun nach Kirgistan entführen zuerst noch ein paar Anekdoten aus Usbekistan. Zufällig fanden wir an unserem letzten Tag in Bukhara noch die richtige Versicherungsgesellschaft, bei der wir die nötige Auto-Haftpflicht abschliessen konnten. Da passierte wieder einmal erstaunliches: Während Didier im Gebäude innert einer Stunde das nötige Papier mit den Worten „Be our guest“ geschenkt bekam, wurde Barbara im Pfusbus von einer Schar Polizisten umringt und auf russisch über Reisepläne, Kinderanzahl, Autoherkunft etc. ausgefragt. Als Didier schliesslich zurück kam baumelte um ihren Hals ein Talisman mit einem Wolfszahn und einer Wolfsklaue! Die nette Geste von den ach so korrupten Polizisten hat uns sehr beeindruckt, der Wolf tut uns allerdings schrecklich leid. Auch sind wir bisschen unsicher, was die Schweizer Zöllner zu unserem Souvenir sagen werden, aber das dauert ja noch eine Weile… Item, nach anstrengender Fahrt über teilweise katastrophale Strassen sind wir müde in Samarkand angekommen und wen treffen wir da? Claire und Clive aus London resp. Neuseeland, mit welchen wir bereits in Bukhara gesprächsintensive Abende verbracht hatten. Die beiden sind über 10 Jahre pensioniert und bereisen seither die Welt etappenweise mit dem Rucksack. Mit Traditionen soll man nicht brechen, darum sassen wir auch in Samarkand abends wieder am selben Tisch. Per Zufall gesellten sich auch noch Vincent aus Belgien und Marc und Johanna aus Fribourg dazu. Die beiden Westschweizer lebten 2 Jahre in Saigon und reisen jetzt Überland zurück in die Heimat. Sie kippten fast aus den Schuhen, als sie das FR-Nummernschild vom Pfusbus sahen, welcher im Innenhof des B&B ein sicheres und schattiges Plätzchen zum Ausruhen genoss.
Samarkand, die weltberühmte und einst wichtige Handelsstadt an der Seidenstrasse, hat drei eindrückliche Medressen und Moscheen im Zentrum, konnte uns aber ansonsten nicht richtig begeistern. Es fehlte der Charme, alles wirkte künstlich aufgeräumt und roch ein bisschen nach Touristenfalle. Highlight war die haarsträubende und notabene illegale Besteigung eines Minarettes. Nicht dass wir von alleine auf diese Idee gekommen wären. Ein Polizist hat Didier flüsternd angesprochen mit „Mister, you want gos tower?“ Für umgerechnet 5 Stutz, die in sein eigenes Portemonnaie wanderten, schleuste er uns dann einzeln durch abgesperrte Gatter rauf über die Dächer der Stadt, so genial.


Registan in Samarkand


So sehen hier die (Koran-) Schulen aus. Medressa in Bukhara

In Tashkent waren wir einmal mehr mit Visaorganisation beschäftigt, was zeitintensiv ist und an unseren Nerven zehrte. Zum Beispiel sagte die Schweizer Botschaft in Ulaan Baatoor, die von uns präferierte Grenze sei für Schweizer geschlossen. Die mongolische Botschaft in Genf antwortete, dieselbe Grenze sei offen… Auch auf die Frage ob die beiden Grenzübergänge von Usbekistan nach Kirgistan für Touristen offen sind (für die lokale Bevölkerung sind sie geschlossen) erhielten wir vom EDA und DEZA verschiedene Antworten. Da soll noch einer schlau werden. Wir denken oft an Antoine und Christoph, welche wir im Iran angetroffen haben, und deren Leitspruch wir verinnerlichten: Trop facile c‘est pas notre style! Wie es sich für Abenteurer gehört, wagten wir schliesslich die Fahrt ins Fergana Valley, um dort unser Glück an der Grenze bei Osh zu versuchen. Gemäss unserer wertvollen Informationsquelle Lydia, sie lebt und arbeitet seit einigen Jahren in Kirgistan, sei die Stadt noch von den schweren Unruhen 2010 gekennzeichnet, aber momentan ruhig. Nach einer zweistündigen Pfusbusdurchsuchung mit Drogenhund, Sitzeaufstechen und weiteren Schikanen auf usbekischer Seite mussten wir den erkälteten kirgisischen Grenzbeamten einzig mit einer Vitamintablette bestechen und nach nur gerade 20 Minuten waren wir im Land. Es geht also auch unkompliziert… Auch in Kirgistan wimmelt es nicht gerade von Ortsschildern und Wegweisern und weil unsere Strassenkarte, obwohl Ausgabe 2011, öfters versagte, dauerte es ein Weilchen, bis wir schliesslich das Bergdorf Arslanbop erreichten. Auf dem Dorfplatz nahm uns Hayat von der Organisation Community Based Tourism (CBT) gleich in Empfang als hätten wir dort abgemacht. Wenige Minuten später stand der Pfusbus auf dem Hof eines kirgisischen B&B, wo es erstmals Cay unter blühenden Apfelbäumen gab. Während sich Didier Dostojewskij widmete, so eine Russlandreise will schliesslich vorbereitet sein, kriegte Barbara Unterricht im Brotbacken.


Im kirgisischen Gartenhäusschen.


Die Fladen werden befeuchtet und an Wand und Decke des Ofens geklebt.


Sooo lecker!

Eigentlich stand uns der Sinn mehr nach wildem Campen nach den vielen Zwangs-Hotelnächten in Usbekistan, aber da wir CBT ein unterstützenswertes Projekt finden und wir einen spannenden Einblick in den kirgisischen Alltag erhalten haben, sind wir drei Nächte geblieben. Die von der Helvetas ins Leben gerufene Organisation vermittelt in ganz Kirgistan Unterkünfte, Trekkinguides und Pferde und ermöglicht so den Einheimischen eine willkommene Einkommensaufbesserung und den Touristen einen authentischen Aufenthalt. In Arslanbop bieten Hayat und seine Staff seit kurzem auch Skitouren an. Das Skifahren, so erzählten sie uns, hat ihnen vor allem Lydia beigebracht. Nun möchten sie auch Mountainbiking ins Programm aufzunehmen. Da es sowohl an Material, Fahrtechnik und Reparaturkenntnissen mangelt, hat Hayat uns angeboten, eine Saison lang gegen Logis im Dorf zu arbeiten und den Jungs von CBT das Biken beizubringen. Nun, wir sind es uns am Überlegen! Wenn es auch jemanden von Euch liebe bikende Blogleser interessiert oder ihr euer altes Bike für einen guten Zweck weitergeben möchtet, einfach bei uns melden.
Statt mit dem Bike erkundeten wir tags darauf die Umgebung hoch zu Pferd. Leider regnete es den ganzen Tag nur einmal, und das wie aus Kübeln. Als wäre nicht allein die Tatsache auf einem Pferd zu sitzen für uns Reitbanausen genügend spektakulär, förderten auch noch steile Abhänge, rutschige Pfade und die Querung eines reissenden Baches den Adrenalinausstoss. Im gefahrlosen Baumnusswald, dem grössten der Welt, war gerade Morchelsaison, vom Pferderücken aus haben wir leider keine gesichtet. Den letzten Abschnitt bis zu einem 80 Meter hohen Wasserfall absolvierten wir dann ohne Vierbeiner, aber trotzdem auf allen Vieren. Phuu war das steil! Gelohnt hat es sich allerdings nicht sonderlich (siehe Foto).


Für einmal mit stilgerecht kirgisischem Fortbewegungsmittel unterwegs.


Mit Guide Roma vor dem unsichtbaren Wasserfall.


Die Farben sind echt!

Schliesslich forderten die Strapazen auch bei den Tieren ihren Tribut und nach einem Stolperschritt von seinem Pferd landete Didier kopfüber auf dem Boden. Der Mountainbike-Sturztechnik sei Dank blieb der Reiter unverletzt worüber nicht nur wir, sondern auch die Guides unheimlich froh waren. Klitschnass, aber um ein tolles Abenteuer reicher, erreichten wir nach 5 Stunden im Sattel unser B&B, wo es wegen dem dauernd ausfallenden Strom erst am nächsten Tag eine einigermassen warme Dusche zur Belohnung gab.


Interkultureller Huttausch: Kirgisenhut und Kopftuch gegen Schweizer Edelweiss-Mützen.

Nach 24 Stunden sinnflutartigen Regenfällen strahlte die Sonne wieder vom Himmel und wir kurierten den Reit-Muskelkater während der Fahrt Richtung Norden aus. Die Hauptstrasse war abgesehen von einigen Felsstürzen wegen dem Unwetter in angenehm gutem Zustand, die Gegend beeindruckend und der Pfusbus meisterte den ersten 3000er ohne Probleme.


Und plötzlich waren wir wieder im Schnee.

Die spektakuläre Landschaft machte Lust auf mehr und so schwenkten wir spontan nach rechts um den Highway von Suusamyr nach Kochkor unter die Räder zu nehmen. Unsere Landkarte hat bei der Namensgebung ziemlich geblufft, entpuppte sich die Strasse doch nur als Holperpiste. Die grandiose Landschaft machte jedoch alle Strapazen wett, schaut selber:

Längst waren wir uns gewohnt, auf kirgisischen Strassen jeder Grösse immer wieder auf Schaf-, Kuh-, oder Pferdeherden zu treffen, welche von Hirten hoch zu Ross oder Esel vorangetrieben wurden. Deshalb staunten wir nicht schlecht, als uns mitten im Niemandsland plötzlich jemand auf einem Drahtesel entgegen kam. Pete ist via China, Kasachstan, Kirgistan und Tajikistan unterwegs nach Afghanistan und radelt für einen guten Zweck. Da sagen wir nur „Chapeau“!
Auf über 3000 Meter gleich hinter den Schneebergen lag verborgen der See Somköl, wo wir uns ein wunderschönes Plätzchen zum Campen erhofften. Laut den Locals sei die Piste um diese Jahreszeit nur per Jeep oder aber– ist ja logisch – auf dem Pferderücken zu schaffen. Probieren geht über studieren dachten wir, nach drei Kilometer mussten wir aber dem Pfusbus zuliebe kapitulieren. Wir wollen ja noch den einen oder anderen Kilometer mit ihm unterwegs sein. Doch auch das Ersatz-Stellplätzchen gleich hinter dem Kyzart-Pass liess unsere Herzen höher schlagen. Es schläft sich wunderbar umgeben von nichts als Sternenhimmel, Bergen, Schafen, Pferden und einer einzelnen Jurte. Wir haben drum auch gleich um eine Nacht verlängert und verbrachten den Tag mit Faulenzen, Wäsche waschen und Lesen. Gelegentlich kam ein Hirte zu einem Schwatz vorbei, eine Schafherde graste friedlich neben dem Pfusbus oder eine Pferdeherde galoppierte über den Hügel. Um nicht ganz einzurosten, entschieden wir uns nachmittags, einen der zahlreichen Hügel zu erklimmen. Gleich zu Beginn der Wanderung hiess es Schuhe ausziehen, war doch der Bach mit Schmelzwasser angeschwollen und trockenen Fusses nicht mehr passierbar. Zwei wunderschöne Stunden später, wir wollten uns gerade bücken, um erneut die Schuhbändel zu öffnen, erschienen zwei äusserst aufmerksame Hirten und holten die beiden verblüfften Touristen zu sich auf die Pferderücken. Dann gings über den Bach weiter bis zum Pfusbus. So geht das…


Abends um 6.


Morgens um 6.


Statt nasse Füsse gabs nasse Hufe.

Mit der Idee endlich den neuen Post aufzuschalten und uns weiter um das Mongoleivisum zu kümmern steuerten wir tags darauf das Dorf Kochkor an. Das einzige Internetkaffee hatte allerdings gerade kein Netz und auch einen Tag warten hat nichts gebracht, dann war es nämlich entgegen den Aussagen des Besitzers geschlossen. Wir nutzten die Zeit, um auf dem Basar die Vorräte aufzustocken, genossen bei unserer Gastfamilie eine russische Bagna (so eine Art Sauna mit Holz geheizt) und verbrachten einen tollen Abend mit den beiden Backpackern Martin und Marta aus Marseille.
Am Ysikköl See konnten wir einen kleinen Kieselstrand für einen Tag und eine Nacht unser eigen nennen und Didier läutete mit einem Sprungs ins eiskalte Wasser die Sommersaison ein.
Jetzt sind wir in Bishkek und bereiten uns geistig auf den morgigen Grenzübertritt nach Kasachstan vor. Auf dass es wieder einfach geht!


Auf bald, liebe Grüsse von den Pfusbüsslern

Verfasst von: Barbara & Didier | April 20, 2011

Vom Iran, durch Turkmenistan, nach Usbekistan

Bukhara, 20.04.2011, 9‘800km

Die letzten zwei Tage im Iran bedeuteten viel Fahren bei Sandsturm und steigender Anzahl Schlaglöchern, aber in Erinnerung bleiben wird einmal mehr die iranische Gastfreundschaft: Mal wurden wir auf einem Bauernhof zu Cay und Pistazien eingeladen, mal durften wir in einem staatlichen Hotel für 1/3 des effektiven Preises übernachten und im Grenzdorf Bajgiran organisierte uns die Polizei persönlich einen sicheren Schlafplatz.
Unser Fazit: Der Iran überraschte, und das positiv! Klar darf man die politische und religiöse Situation nicht verharmlosen und gewisse Anpassungen sind unerlässlich. Aber mal abgesehen von den Kleidervorschiften und der Tatsache, dass viele Websites gesperrt sind (auch unser Blog, nur dank dem Support von Roland konnten wir Euch auf dem Laufenden halten) fühlten wir uns so gar nicht auf der Achse des Bösen. Sogar einen Schluck Alkohol gabs zwischendurch, die Details geben wir aber nur unter vier Augen weiter. Daher unser Tipp: Sofort Ferien buchen!


Die Bauernhofskids hinter dem Stolz der Familie.

Gespannt erwarteten wir also den Tag des Grenzübertritts vom Iran hinein in das zweite Nordkorea: Turkmenistan. Vorerst wurden wir einmal mehr positiv überrascht. Auf der iranischen Seite erwartete uns um 07:30 Uhr beim ersten Kontrollpunkt Cay, Frühstück und Zitronencake, da der zweite erst um 08:00 Uhr öffnen würde. Danach wurden wir von einem alten Milizionär von Posten zu Posten geführt und nach ca. 20 Stempeln und Unterschriften und zahlreichen freundlichen Gesprächen zückten wir das Portemonnaie nur zum Devisenwechseln und für den Milizionär (20 Stutz Honorar, aus Goodwill liessen wir das Handeln sein). Das ganze dauerte mit Cay 90 Minuten. Die turkmenische Seite liess sich ebenfalls nicht lumpen. Auch hier verlief das ganze speditiv, ein junger Grenzwächter führte Didier von Büro zu Büro und nach einer Stunde war alles geregelt. Das ganze kostete für diverse Gebühren, Zölle, Desinfektion des Pfusbus (dieser war so stubenrein, dass die Desinfektion nur auf dem Papier stattfand) und Versicherungen (fein säuberlich quittiert) happige 140$. Dafür bekamen wir Papiere mit sage und schreibe 17 verschiedenen Stempeln und 20 Unterschriften! Der Pfusbus wurde mit Interesse innen und aussen gemustert, aber nicht wirklich durchsucht. Da wir ein Transitvisum hatten, konnten wir ohne staatlichen Guide losziehen. Als „Touristen“ wären wir 24h am Tag zwangsbegleitet worden…
Auf nach Ashgabat also, der Hauptstadt, welche nur 25km von der Grenze entfernt liegt. Da unser turkmenisch noch in den Kinderschuhen steckte und keine einzige Strasse angeschrieben war, dauerte denn auch die Suche nach dem gewünschten Hotel länger als der Grenzübertritt. Traditionsgemäss haben wir es auch in dieser Hauptstadt nicht versäumt, erst mal mitten durchs Zentrum zu fahren. Der Pfusbus fühlte sich dabei ganz wohl, haben wir beim Herumkurven doch viele von seinen Artgenossen angetroffen.
Nachdem wir bei der Fahrt durch den Balkan und die Türkei quasi behutsam auf den Iran mit seinen Eigenarten vorbereitet wurden, war Ashgabat ein echter Kulturschock: Marmor so weit das Auge reicht, futuristische Hochhäuser, breite Boulevards, riesige Monumente und Parkanlagen, Shoppingzentren, viele Neuwagen, westliche Musik und nirgends auch nur ein Papierchen auf dem Boden. Die Stadt wurde nach einem verehrenden Erdbeben 1948, das 110‘000 Opfer forderte (3/4 der Einwohner!), neu aufgebaut und ist nach der Unabhängigkeit von der UdSSR dem GW verfallen. Dazu gehören an jede Ecke ein Polizist, verwanzte und für Touristen drei Mal so teure Hotelzimmer, kein Natelempfang und gesperrte Websites. Nein, wirklich wohl haben wir uns nicht gefühlt. Aber wenn schon Kulturschock, dann richtig: Kopftuch runter, Cheeseburger und Bier im British Pub, Mars-Glace zum Dessert und ach ja, Niveashampoo haben wir auch noch gepostet.


Wer braucht all die weissen Marmorhäuser?

Wer hier wohl wohnt?

Dass die Einkünfte aus Gas- und Ölvorkommen auch anders eingesetzt werden könnten, erfuhren wir tags darauf am eigenen Leib. Während in Ashgabat achtspurige Boulevards Standard sind, ist die wichtigste Verkehrsachse von Süd nach Nord leider nur 2.5-spurig und in desolatem Zustand. Schlaglöcher, Bodenwellen und Spurrinnen setzten uns und dem Pfusbus massiv zu. Wir fielen bei Mary (nach 7h Fahrt für 300km) auf einem Truckparkplatz nur noch in die Kissen.

Eine der wenigen Attraktionen des Landes sind die riesigen Ruinen von Merv, einer Handelsstadt, welche im 12. Jahrhundert ihre Blüte hatte mit ca. 300‘000 Einwohnern (welche auch prompt alle aufgrund eines diplomatischen Fauxpas von den Mongolen massakriert wurden). Um dem Transitvisum alle Ehre zu machen, zogen wir durch und standen am nächsten Abend an der Grenze zu Usbekistan. Was so einfach tönt, war aber auch wieder ziemlich nervenaufreibend. KEINE Strassenschilder und sehr schlechte Strassen machten die Suche nach dem Grenzübergang zu einem echten Abenteuer, zumal dieser einsam und allein mitten in der Wüste steht. Eine dubiose Geschwindigkeitsbusse und 60 Dollar an einem Kontrollposten kamen auch noch dazu. Wenigstens können wir jetzt langsam unser russisch auspacken.


Gestern und Heute. Charakterfeste Arbeitstiere.

Vor dem Grenzübergang standen zwei türkische Trucks und wie könnte es anders sein: Wir wurden sofort zu Cay eingeladen. Nicht genug, wir wurden aus der improvisierten Truckküche wunderbar zum Abendessen bekocht (das erste Mal, dass wir einen Mann kochen sahen in Asien) und hatten einen lustigen Abend zu fünft. Auch die Trucker sind jeweils froh, wenn sie Turkmenistan passiert haben. Das Originalzitat dazu: „Türkye güsel (gut), Iran normal, Turkmenistan Problem“.


Schon ziemlich riskant, hier noch Fotos zu machen.

Am nächsten Tag sollte sich dieser Satz absolut bewahrheiten. Pünktlich um 08:00 standen wir vor dem turkmenischen Zollareal und wurden eingelassen. Leider stand für die Zolldeklaration keine englische Version und kein Übersetzer zur Verfügung, obwohl eines von beiden eigentlich vorhanden sein müsste, wie wir später erfuhren. Eine nette Dame in Uniform füllte die Deklarationen für uns aus. Leider dachte sie dabei nicht an unsere Reservekanister und unsere Russischkenntnisse reichten nicht aus, um diese Falle in der Zolldeklaration zu entdecken. Nach verschiedenen problemlosen Büros passierten wir schliesslich die Fahrzeugkontrolle. Man nahm es genau: Nachdem ein grosser Teil der Pfusbus-Innereien auf dem Asphalt verteilt war und noch immer nichts zu beanstanden war, holten die Herren in Uniform die Deklaration hervor und verknurrten uns zu 35 Dollar Busse wegen den Benzinkanistern und füllten unsere 80 Liter in ihre eigenen Tanks… Für vier Tage Turkmenistan also total 130$ Transitvisagebühr, 140$ Einreisekosten, 35$ „Geschwindigkeitsbusse“, 60$ dubiose Gebühr an einem Kontrollposten, sowie 35$ und 80l Benzin bei der Ausreise: „Turkmenistan: Problem“.

Die Einreise in Usbekistan gestaltete sich wiederum eher einfach und freundlich, wenn auch mit über 3h zeitintensiv. Schliesslich erreichten wir Bukhara – eine uralte, prächtige Handelsstadt an der Seidentrasse. Leider ist hier in Uzbekistan nix mit Campen, Touristen müssen sich jede Nacht in einem lizenzierten Hotel registrieren lassen. Glücklicherweise konnten wir mitten in der Altstadt im gemütlichen B&B Rustam-Zuxro unterschlüpfen. Der Patron Rustam und seine Frau Zuxro sind überaus hilfsbereit und zu Bett und Frühstück gibt’s für paar Dollars gleich noch ein feines Abendessen dazu. Grund genug nach dem anstrengenden Turkmenistan paar Tage zu bleiben.


Endlich Millionär! Um ein Auto zu kaufen, müsste man für die Geldübergabe einen LKW mieten. Die grösste Note überhaupt entspricht 50 Rappen.


Zahlreiche schöne Plätze gibt’s in Bukhara zu bestaunen.

Heute bekam der Pfusbus endlich auch seinen ersten Service. Nach fast 10‘000 km wurde Öl und Ölfilter gewechselt, Luftfilter, Stossdämpfer, Bremsen, usw. überprüft. Rustam (als ehemaliger Chauffeur) begleitete und unterstützte uns den ganzen Morgen. Interessant ist die Preisgestaltung, da wir die Teile selbst besorgen mussten: ÖL umgerechnet 30 CHF, Ölfilter 5 CHF, sechs Mannstunden Arbeit 5 CHF!


Nicht ganz so feudal wie bei der Pfusbus-Homebase-Garage Mattmüller…

Nun sagen wir tschüss bis zum nächsten Mal, die Weltenbummler

Verfasst von: Barbara & Didier | April 13, 2011

Iran live

Damghan, 13.04.2011, 8‘200 km

Liebe Leute
Was wir hier im Iran erleben, hat so gar nichts mit den Bildern zu tun, die Radio und Fernsehen im Westen vermitteln. Die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Iraner ist enorm und jederzeit sehr herzlich. Das Interesse an uns und an unserer Heimat ist riesig, egal ob wir dieselbe Sprache sprechen oder nicht. Die Iraner, insbesondere die Jungen sind sehr genau im Bild, welches Image ihr Land im Westen hat und wir staunen über die Offenheit, wie ungefragt über Politik und Religion gesprochen wird. Wir haben den Eindruck, die Iraner sind motiviert, einen grossen Schritt vorwärts zu machen.

Manchmal scheint uns, als würden sich die wenigen Traveller im Iran wie Magnete anziehen. So geschah es, dass wir unseren zweiten und letzten Abend in Esfahan mit Margo und Jan aus Polen und Antoine und Christophe aus Frankreich in einem traditionellen Restaurant verbrachten. Keine Frage, wären wir nicht im Iran, wir hätten am Tag darauf alle einen Kater gehabt. Aber man kann es ja auch ohne Alkohol lustig haben, nicht wahr?


Den tollen Abend mit unseren polnischen und französischen Reisekollegen am Imam Square in Esfahan schlossen wir in dieser Ambiance ab.

Am nächsten Tag erwartete uns der erste Homestay im Wüstendorf Tudeshg. Muhamad Jalali – er nennt sich selber „crazy boy of the desert“ – war schon von klein auf von fremden Menschen fasziniert hat sich darum zum Ziel gesetzt, diese vorübergehend bei sich in einem traditionellen Haus zu beherbergen. Nach dem Willkommens-Cay wurden wir sogleich in den Familienalltag integriert und von Muhamads Schwägerin Fatima bekocht. Endlich mal kein Kebab, dafür wunderbare persische Küche, miam! Unser fensterloses Zimmer hatte oben in der kuppelförmigen Decke ein Loch. Am Boden lag ein grosser Teppich und zum Schlafen legte man einfach noch zwei Matratzen drauf. Fertig. Auch das Leben der Jalalis spielt sich nebst der Küche nur in einem Zimmer ab: Da wird am Boden gegessen, Tee getrunken, Hausaufgaben gemacht, gespielt und schliesslich geschlafen. Tisch und Stühle gibt es keine, und das Fladenbrot ersetzt die Gabel. Uns blieb in Tudeshg Zeit um auszuspannen, viel über den Alltag der Iraner zu lernen und all die freundlichen Nachbarn und Verwandten von Jalalis zu besuchen. Unser Teekonsum ist denn auch auf Rekordhoch und um ein vielfaches höher als bei unseren Besuchen in England…


Das Essen im Familienkreis war für uns immer wieder ein Highlight.


Dank dem unterirdischen Wasserreservoir mit seinen beiden Windtürmen bleibt das Wasser auch im heissesten Wetter angenehm kühl

Muhamad führte uns durch die 500 Jahre alte Siedlung von Tudeshg und zeigte uns, wie die Menschen dank raffinierten Wasser- und Wohnanlagen seit Jahrhunderten in dieser kargen Umgebung überleben. Während einem Ausflug zu imposanten Sanddünen konnte Didier es natürlich nicht lassen, den Pfusbus auf seine Wüstentauglichkeit zu testen. Der Spass dauerte etwa 9 Sekunden… Glücklicherweise waren bald schon zahlreiche hilfsbereite Iraner zur Stelle und schoben unseren Pfusbus wieder auf festen Grund zurück.


Gopf!


Das Rettungsteam nach vollbrachter Tat.


Sanddünen soweit das Auge reicht.

Aufgrund verschiedener Empfehlungen änderten wir unsere Pläne und zogen nach drei Tagen weiter nach Yazd, einer Wüstenstadt im Herzen von Iran. Auch hier zeugen Windtürme, bis 40 km lange Wassertunnels und wunderschöne Innenhöfe (von aussen sieht jedes Haus aus wie eine Burg) vom Erfindungsgeist der Bewohner, um in dieser heissen Gegend zu überleben. Yazd ist schon 7000 Jahre alt und gilt als eine der ältesten Städte überhaupt.


Uralte Stadt in der Wüste mit ganz viel Charme: Yazd.

In Yazd übernachteten wir in einem zum Hotel umfunktionierten Stadthaus. Das Silkroad Hotel gilt als der Treffpunkt für Reisende und so trafen wir am ersten Abend bereits auf mehr Travellers als den ganzen Monat zuvor. Nach stundenlangen Gesrpächen bei Chay, Datteln und Kamelfleisch machten wir mit André und Jörg aus Stuttgart ab, die nächsten Tage zusammen zu verbringen. Die beiden Jungs nahmen Platz im bequemen Hinterabteil unseres Pfusbus und auf gings mitten in die wunderschöne und abwechslungsreiche Wüste Dasht-e-Kavir.


Zeugen einer vergangenen Zeit: Ruinen einer Karawanserei direkt neben einer Salzwüste.


Schier endlos zieht sich die Wüste hin. Das Schild „Achtung Kamel“ ist nicht umsonst…


… et voilà. Eines von dutzenden dieser Art.


Bisher einer unsere exotischsten Lagerplätze in einer verlassenen Oase. Geschlafen wurde natürlich am Lagerfeuer unter dem wunderbaren Sternenzelt.

Im Oasendorf Garmeh fanden wir eine Unterkunft in einem Gasthaus und Zeit, die hübsche und wunderbar grüne Oase zu erkunden. Zu viert haben wir uns eine Rooftop-Bar eingerichtet und uns einen gemütlichen Abend gemacht. Den Baccardi mussten wir uns zum Pepsi dazu denken. André und Jörg, es hat Spass gemacht mit euch. Man sieht sich sicher irgendwo anders auf der grossen Kugel wieder!


Dafür zahlen andere viel Geld: Bei der Garmeh-Quelle erledigten kleine Fische die Pedicure.

Zurück in der Zivilisation – wir sitzen gerade in Damghan, Nordostiran in einer Hotellobby – bleiben uns nun noch zwei Tage in diesem wunderbaren Land, bis uns die nächsten Abenteuer in Turkmenistan erwarten. Viele liebe Grüsse aus dem Iran

Die Pfusbüsler

Verfasst von: Barbara & Didier | April 5, 2011

Welcome to Iran

Esfahan, 05.04.2011, 6950 km

Salam Alaykom
Wow, wir sind im Iran. Am Strassenrand grasen Kamele. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, mit dem eigenen Auto in so eine fremde Welt einzutauchen. Aber fangen wir vorne an, denn schon vor dem Grenzübertritt passierten tolle Dinge. Unseren vermeintlich letzten Abend auf dem Lalezar Camping in Dogubayazit verbrachten wir im Kabäuschen von den Besitzern Bertil und Mecit, leerten unseren Flachmann mit Lagavulin und ihren Ballantines, lauschten den Klängen der Balalan und dem Gesang von Mecit und diskutierten über Allah und die Welt. Bertil fungierte als Übersetzer zwischen uns und Mecit wenns mit seinem Englisch mal happerte. So erfuhren wir einerseits die Ansichten des Kurden, andererseits jenes des Holländers, der bereits seit Jahrzehnten dort lebt, was unheimlich spannend war. Schliesslich wurde Barbara eingeladen, am nächsten Morgen mit Mecits Frau den Hamam zu besuchen. Was für uns Grund genug war, den Grenzübertritt um einen Tag zu verschieben. Wir haben ja Zeit… Wellness à la Türkei war dann tatsächlich ein Once-in-a-lifetime-Erlebnis. Für umgerechnet 12 Franken Eintrittsgeld kriegte ich ein Handschuhpeeling, eine Massage, Cay und ein unvergessliches Erlebnis. Abduschen tut frau sich mit Litermassen aus Plastik, als Bekleidung reicht eine Unterhose und allenfalls noch ein BH, der Peelinghandschuh der Masseurin wird ungewaschen für eine Klientin nach der anderen gebraucht und wenn schon mal keine Männer dabei sind, dann liegt auch auf den Boden spucken und rauchen drin. So ein Hamambesuch dauert Stunden, frau plaudert, döst oder wäscht sich, die Jüngeren helfen den Alten, die kleinen Mädchen plantschen in Plastikbecken und die blauen Augen und blonden Haare der Ausländerin werden immer wieder bestaunt.
Unterdessen machte Didier Bekanntschaft mit Cem, ein in Airolo aufgewachsener Türke und Roelene aus Südafrika, welche mit St. Galler-Nummernschildern unterwegs waren; sie im Jeep, er auf dem Motorrad. Sie haben uns darauf hingewiesen, dass man seit Januar ohne Einladungsschreiben kein Mongoleivisum mehr kriegt. Was uns schnurstracks ins nächste Internetkaffee führte um dieses Einladungsschreiben zu organisieren. Nimmt denn das nie ein Ende mit diesen Visageschichten? Abends spendierten uns Mecit und Bertil einen letzten Schluck Whiskey aus den Teegläsern, bevor uns im Iran 15 abstinente Tage erwarteten. Vielen Dank für die Bewirtung, und dass wir Euch so viele Löcher in den Bauch fragen durften!


Abschiedständchen von Mecit auf seiner Balalan.

Der Grenzübertritt am 1. April – und das ist kein Scherz – dauerte schlappe 2 Stunden und war nur halb so wild wie alle Räubergeschichten, die wir im Vorfeld gehört hatten. 10 Euro Direktzahlung an einen Beamten war auch schon alles, die Überprüfung der Fahrzeuge war auch unkompliziert. Wir trafen am Grenzübergang auch wieder Cem, Roelene und ihre zwei weiteren Weggefährten (in einem Jeep) und beschlossen, die Grenzformalitäten und den ersten Tag zusammen durchzustehen. Da im Nordiran häufig türkisch gesprochen wird und Cem die Gegend bereits kennt, übernahm er für uns den Part als Guide. Nachdem Fahrzeugversicherung und Benzin (ab jetzt zum Glück immer nur umgerechnet ca. 70 Rappen pro Liter) organisiert waren, gings los im Konvoi. Wir verbrachten den ganzen Tag zusammen und fanden einen Übernachtungsplatz neben dem Sommerhaus einer Grossfamilie aus Tabris. Natürlich ging es nicht ohne Einladung und so verbrachten wir noch eine schöne Stunde spätabends Türkisch-Südafrikanisch-Schweizerisch-Iranisch mit Cay und sündhaft feinen Datteln. Unsere Reisewege trennten sich am nächsten Tag und so machte sich der Pfusbus alleine auf in Richtung Süden.


Unsere temporäre Reisegruppe.

Es war gerade der letzte Tag von No Ruz, den nichtreligiösen Neujahrsfeierlichkeiten der Iraner. An ein Vorwärtskommen auf der Autobahn war gar nicht zu denken, wir besuchten daher Kardovan, eine zum grossen Teil in den Fels gehauenen Stadt und mischten uns unter die wirklich überall picknickenden Iranern.


In Kardovan sind die Wohnungen in den Fels gehauen. Dazu gibt’s abenteuerliche Balkone und Vorplätze.

Wir übernachteten auf dem Innenhof einer Pikettstation des iranischen Roten Halbmondes, wo Didier beim (männlichen…) Personal herzlich empfangen und Barbara gerade so geduldet war. Danach noch eine Nacht in einem kleinen Bergdorf neben dem Geissenstall. Nach zwei Tagen und vielen Kilometern quer durch den Iran sind wir nun in Eshfahan angekommen. Die Stadt gilt als Perle des Irans und es gibt tatsächlich einiges zu entdecken: Endlose Basare (wo wir wirklich die einzigen Bleichgesichter sind), prächtige Moscheen und schöne Plätze und Parkanlagen. Auch hier haben wir schon wieder mehrmals nette Bekanntschaften gemacht. Besonders Barbara wird sehr häufig von jungen Frauen in Englisch angesprochen, welche an uns interessiert sind und ihr Englisch endlich mal üben wollen. Die Gespräche enden stets mit einer Fotosession und wir fühlen uns wie Hollywoodstars. Wir sind mittlerweile auch schon Halbprofis im freundlich irgendwelche Händler abwimmeln oder höflich Tee-Einladungen abschlagen („Maybe later“ funktioniert recht gut!).


Der zweitgrösste Platz der Welt ist der Imam-Square in Eshfahan.

Viel Spass macht uns der Strassenverkehr. Regeln gibt es nur eine; der Stärkere hat immer Recht. Überholt wird überall, gehupt wird ständig, Fahrstreifen werden konsequent ignoriert. An einer Tankstelle waren wir schon mitten in einer Warteschlange, welche alle paar Minuten Blechschäden, Hupkonzerte und Massenschlägereien produzierte (nach ¾ Sunden ohne Vorwärtskommen leerten wir den Ersatzkanister und fuhren davon!). Nicht zu glauben, wie sich die sonst unglaublich netten Menschen hier verwandeln, wenn sie am Steuer sitzen.

Nun wollen wir östlich in Richtung Wüste starten und Teheran quasi grossräumig umfahren. Bis bald.
Barbara & Didier

Nachtrag für Nachahmer: Entgegen früheren Berichten ist eine Benzinkarte momentan nicht nötig, mit einem Dieselfahrzeug hätten wir aber in der Schweiz gar kein Visum bekommen. Das Kopftuch ist auf den Passfotos fürs Visum nicht nötig. GPS, Computer oder anderes elektronisches Gerät wurde beim Grenzübertritt problemlos geduldet.

Verfasst von: Barbara & Didier | März 30, 2011

Quer durch die Türkei

Dogubayazit, 29.03.2011, 5535km

Hallo liebe Leute
Die letzte Nacht in Downtown Istanbul verbrachten wir mangels Hotelzimmerkapazität im Pfusbus auf dem altbekannten Hinterhof, wurden aber von Rohat und seinem Boss zum Frühstück auf der Dachterrasse eingeladen, und das bei schönstem Sonnenschein, super! Als Dank deckten wir die beiden mit Schweizerschoggi ein und cruisten nach dem Abschiedsfoto wortwörtlich mitten durch die Millionenstadt und über den Bosporus zurück nach Asien, und das ganz ohne Beule! Bei herrlichem Wetter gings erst durch üble Industriegebiete, dann aber immer mal wieder über wunderschöne Pässe und Hochtäler quer durch die Türkei. Als Blondschöpfe sind wir je länger je mehr totale Exoten. Die Türken versuchen gar nicht erst ihre Neugierde zu verstecken und starren uns unverhohlen an. Immer wieder werden wir zu Cay eingeladen, sogar beim Tanken! Auch gewährte uns einmal ein Autofahrer Vortritt auf dem Fussgängerstreifen, sowas hat es in diesem Land sicher noch nie gegeben…


Thanks Rohat. We can really recommend Hotel Peninsula.


Wir überqueren den Bosporus. Wie man am Taxi vor uns erkennen kann, sind in der Türkei Fahrstreifen, Geschwindigkeitssignale und insbesondere Einbahnstrassen eher als unverbindliche Empfehlung zu betrachten.

Nach einer Übernachtung auf einer Raststätte mit wunderbarer Aussicht (und Dusche am Morgen), ging es weiter in Richtung Amasya, einer schönen alten Stadt eingepfercht zwischen hohe Berge mit in den Fels gehauenen Gräbern und Burgen. (Stellt euch die Gemmi in Leukerbad mit einer Riesenburg statt dem wüsten Hotel drauf und Gräbern im Fels für die Gemeindepräsidenten vor). Übernachten konnten wir auf dem Parkplatz einer Pension mitten in der ottomanischen Altstadt.


Amasya: 80‘000 Einwohner eingepfercht in ein wirklich enges Tal. Unten eine Teil der Altstadt, darüber die Königsgräber und noch weiter oben die stolze Burg.

Je weiter es ostwärts geht, desto wilder wird die Landschaft. Auch auf den grossen Strassen bewegt man sich jetzt häufiger an der Baumgrenze. In einem kleinen Dorf östlich von Erzincan fragten wir, ob wir in der Nähe übernachten dürften. Wir durften – und wurden sogleich von Ergün und Nebahad zum Znacht eingeladen. Wir verbrachten einen wunderbaren Abend mitten in einer türkischen Grossfamilie inklusive Nachbarschaft. Natürlich mussten wir uns auch um das Frühstück keine Gedanken machen, die deutsch sprechenden Nachbarn übersetzen beim Znacht und verköstigten uns am nächsten Morgen. Übrigens kommt hier kein Kopftuch und keine Zigarette ins Haus. Die beiden Familien sind sehr westlich orientiert.


Nach dem feinen Znacht bei Nebahad (ganz rechts) mit Familie und Nachbarn.

Schliesslich erreichten wir Dogubayazit, die letzte türkische Stadt vor der Grenze zum Iran. Am Fuss des 5100m hohen Ararats gelegen, nutzten wir die Gelegenheit, nochmals unsere Vorräte aufzufrischen und Sehenswürdigkeiten wie den Ishak Pasa Palast zu bestaunen (So Off-Saison wie wir dran sind, fast für uns alleine!). Wir übernachten auf einem einfachen Campingplatz, der von den alten Freunden Mecit und Bertil, letzterer aus Holland, geführt wird. Die Dusche – für den Morgen versprochen – funktioniert leider auch am nächsten Tag noch nicht. Was solls, wir stinken ja beide… Da wir 1900 M. ü. M. hoch sind und die Nächte sehr klar sind, können wir einen wunderbaren Sternenhimmel betrachten, wenn wir vom Teetrinken und Quatschen mit den gesetzten Herren fertig sind und zu unserem Pfusbus in die warmen Schlafsäcke zurück gehen.


Auf dem Ararat soll die Arche Noah gestrandet sein. Im Vordergrund die typische Hochlandschaft.


Hoch über dem Tal wie aus 1001 Nacht: Der Ishak Pasa Palast.

Unsere gesammelten Eindrücke nach drei Wochen Türkei: Die Menschen sind unglaublich nett und stets hilfsbereit. An unserem bisherigen Rekordtag wurden uns zwei Flaschen Wasser, eine türkische Zeitung (das liegt wohl an den mittlerweile fast akzentfreien zehn Minisätze in Türkisch), drei Mal Tee, ein Abendessen und das darauffolgende Frühstück offeriert. Bei den Restaurants in den Touristenorten ist allerdings Vorsicht geboten, man muss sich immer merken, was wieviel kostet, denn in jedem zweiten Fall passieren unerklärliche Rechnungsfehler, wenn es ums bezahlen geht. Das Land ist kulturell und landschaftlich äusserst abwechslungsreich und interessant, wenn auch generell stark verschmutz. Die grossen Strassen sind mehrheitlich ok, wenn auch im Osten teilweise von (riesigen) Schlaglöchern übersät. Die kleineren Strassen können alles Mögliche sein. Bisher kostete uns das einen Reifen. Die Benzinpreise sind ein Elend: Über 2.80 pro Liter! Bei den Hygiene- und Sicherheitsstandards muss man des Öfteren beide Augen (und die Nase) zudrücken, die kantonalen Gesundheitsinspektoren und die SUVA hätten hier wohl nichts zu lachen. Trotzdem, die Türkei ist auf jeden Fall eine Reise wert. Wir kommen gerne wieder, wenn auch den Temperaturen wegen besser einen guten Monat später.

Jetzt wechseln wir definitiv den Kulturkreis und versuchen unser Glück an der iranischen Grenze. Wir freuen uns darauf, noch weiter in den Osten einzutauchen.

Güle Güle,
Barbara & Didier

Verfasst von: Barbara & Didier | März 24, 2011

Back in Istanbul

Istanbul, 24.03.2011, 3790 km

Hallo zusammen

Gerade vorne weg: Es gibt zwei gute Nachrichten. Nummer 1: Wir sind in Istanbul und es schneit nicht!  Nummer 2: Seit kurzem sind wir stolze Besitzer von Transitvisa für Turkmenistan. Sie mussten aber verdient sein und haben uns Zeit, Geld und Nerven gekostet.

Da die letzten paar Tage auf asiatischem Boden leider hauptsächlich kalt und trüb waren, haben wir unsere Indooraktivitäten etwas gesteigert, sprich vor allem viel geschlafen. So ein kuschelig warmer Schlafsack ist momentan Gold wert. Trotzdem wars keine Minute langweilig. Zum Beispiel haben wir unseren Pfusbus in Dikili netterweise neben einem Häusschen am Strand parkieren dürfen, dessen Besitzer zufälligerweise auch gleich ein Restaurant um die Ecke führte und uns dort ein feines Meze servierte. An Schlaf war dann allerdings lange nicht zu denken, denn der Pfusbus ist so unauffällig, dass es sich 5 Locals (natürlich alles Männer) daneben gemütlich machten und mit einem Bier das Derby Galatasaray-Fenarbace lautstark mitlebten. Die Rückfahrt ans Marmarameer führte durch wunderschöne Berglandschaft abseits der grossen Verkehrsadern. In der Nähe von Bandirma machten wir eher zufällig bei den Ruinen von Kyzikos halt. Ausser einigen herumliegenden Bruchstücken ist die Stätte noch nicht ausgegraben. Ein dahergelaufener alter Mann zeigte uns aber versteckte Tunnels und erklärte uns allerhand Interessantes. Wir unterhielten uns blendend … und verstanden kein Wort.


Lonely roads


Lonely ruins (Kyzikos)

Die Autofähre brachte uns am Sonntagabend zurück nach Istanbul, wo wir souverän den inoffiziellen Camperübernachtungsplatz an der Promenade ansteuerten. Man kennt sich ja mittlerweile ein bisschen aus in Istanbul. Danach quartierten wir uns wieder bei Rohat im Peninsula Hotel ein und genossen ein anständiges Bett, täglich eine warme Dusche und WiFi um die Weiterreise zu planen. Dazwischen assen wir uns die türkische Speisekarte rauf und runter und erlebten ein kulinarisches Abenteuer nach dem anderen. Die Annehmlichkeiten von Istanbul hatten wir aber auch nötig, brauchten wir doch viel Energie und schlussendlich 16 Tage, um die turkmenischen Visa zu besorgen. Die Details ersparen wir euch (Nachahmer dürfen sich bei uns melden).

Genau dieser Erfolg wird jetzt gefeiert; wir gehen mit Audrey aus Australien essen. Wir haben sie auf der Botschaft getroffen. Sie hat das Prozedere noch vor sich… Morgen werden wir Istanbul verlassen und starten in den wilden Osten.


Übrigens freuen wir uns immer sehr über Eure Kommentare und Mails, schliesslich interessiert es uns auch, wie es euch geht. Tausend Dank und güle güle, die Globetrotter

Verfasst von: Barbara & Didier | März 18, 2011

Westtürkei

Bergama, 18.3.2011, 3408 km

Liebe Leute


Weils so schön ist starten wir gleich mit einem Foto: Die blaue Moschee von der Dachterrasse unseres Hotels aus bei SONNENSCHEIN! Juhuii! Auf gings aus Istanbul raus in Richtung  Gallipolli Halbinsel. Schnell lernten wir, dass auf der Karte gelb eingezeichnete Strassen – das bedeutet immerhin drittgrösste Kategorie – entweder einer CH-Hauptstrasse entsprechen oder aber nicht einmal den Standard eines Feldweges erreichen. Wir sind ziemlich überzeugt, bereits in Dörfer gelangt zu sein wo vorher noch kein Mitteleuropäer war…

Was uns sehr zu denken gibt ist die Abfallentsorgung, so was haben wir echt noch nie gesehen: Das Land ist übersät von Müll; an den Zäunen, in Bäumen und Büschen hängen Plastiksäcke, die Strassengräben und ganze Felder sind ein einziger Abfallberg. Da haben sie noch was zu lernen die Türken!

Im ersten Weltkrieg versuchten die Briten hier auf der Gallipolli-Halbinsel vergeblich, den Zugang zum Schwarzen Meer zu erobern. Über 130’000 Neuseeländer, Australier, Franzosen und Türken verloren ihr Leben. Zum Gedenkfestival der gefallenen türkischen Soldaten am 18. März werden von jeder türkischen Universität 5 Studenten erwartet. Während unserem zweitägigen Aufenthalt haben die Arbeiter rund 10 von nötigen 100 Zelten gestellt, wir zweifeln ein bisschen ob das reicht bis Überübermorgen… Berkan und Cavit, Studenten aus Istanbul und hier als Volunteers beim Roten Halbmond (türkisches rotes Kreuz) tätig, waren anscheinend die Chefs. Folgedessen sassen sie mit uns den ganzen Nachmittag an der Sonne, spendieren einen türkischen Tee nach dem anderen und beantworten all unsere Fragen zu Land und Leute. Super interessant! Nach dem Besichtigen der verschiedenen Denkmäler am folgenden Tag wars an der Zeit für einen Lazy Afternoon mit Lesen, Faulenzen und Quallen vom Pier aus beobachten. Also nix mit Baden…


So haben wir uns das vorgestellt!


Schon wieder zum Cay (sprich Tschai) eingeladen, diesmal von Efendi und Familie.

Mit dem Türkisch geht’s übrigens schon recht gut, wir haben sicher bereits 10 Minisätze drauf! Ist schon spannend, kaum ist man aus Istanbul raus, spricht kein Mensch mehr Englisch. Noch ein paar Tage und wir wären bei diesem Pantomimen-Spiel (wie heisst es schon wieder?) nicht mehr zu schlagen, hihi…


Unser Pfüsbüsleri (=türkischer Kosename) bei der Überfahrt auf asiatischen Boden natürlich zu vorderst.

Nach der kurzen Überfahrt auf den asiatischen Kontinent rollten wir gegen Troja. Nein, es ist nicht wie im Film. Hollywood hat hier grössentechnisch definitiv übertrieben. Schwer nachzuvollziehen, wie die Griechen dieses kleine Städtchen während Jahren nicht einnehmen konnten. Auch wenn von Troja nicht mehr viel zu sehen ist, eindrücklich wars trotzdem, denn die Stadt wurde während 2500 Jahren zehn Mal neu gebaut.

Alexandria Troas, abseits der grossen Touristenströmen gelegen, beeindruckt mit den beiden erhaltenen Rundbogen. Alles andere wurde leider bei einem grossen Erdbeben zerstört. Auch extrem eindrücklich waren die Ruinen von Assos, hoch über dem Meer auf einem Hügel gelegen. Wir versetzten uns gedanklich 3000 Jahre zurück und streiften stundenlang durch Tempelanlagen, Theater, Marktplatz, Badeanlagen usw. Ausser einer Schlange, Didier hat nur den letzten (!) Meter von ihr gesehen, hatten wir die Ruinen für uns alleine. Eine schöne Nebenerscheinung wenn man nicht in der Hochsaison unterwegs ist. Dank dem Tipp von Samira und Rahim aus München quetschten wir den Pfusbus gegen Abend durch ein winziges Gässchen am Hafen bis zu ihrem Übernachtungsplatz, wo wir zusammen einen langen, gemütlichen Abend mit Reisefachsimpeln, Bier und Raki verbrachten. War wirklich toll, danke Euch beiden!

Unser letztes Ruinenziel war Bergama (oder Pergamon). Landschaftlich zwar nicht mehr ganz so schön gelegen wie Assos, dafür aber noch eine Spur eindrücklicher. Die Stadt hat mit ihren 150‘000 Einwohnern an und auf einem Berg wohl etwa so ausgesehen wie die weisse Stadt in Lord of the Rings: Riesige Burganlagen, Theater, Tempel und Wohnsiedlungen.


Hübsche kleine Ruinen (Alexandria Troas)


Grosse Ruinen in grossartiger Landschaft (Assos)


Riesige Ruinen. Die weisse Stadt lässt grüssen. Das Theater fasste über 10’000 Personen und ist viel steiler als das Allmendstadion (Pergamon)

Jetzt gehts wieder auf nach Istanbul, wo „inshallah“ das turkmenische Visum auf uns wartet.


Liebe Grüsse von den Pfüsbüslern

Verfasst von: Barbara & Didier | März 10, 2011

Bulgarien und Istanbul

Istanbul, 10.3.11, 2700km

Merhaba (Türkisches Hallo)
Wir sind bereits in Istanbul! Aber alles der Reihe nach: Nachdem die Hotelwäscherei Didiers Badehose unter den Bergen von Badetüchern gefunden hatte – sie war nämlich fachmännisch in eben einem dieser Tücher eingerollt – verliessen wir Sofia und rollten weiter Richtung Osten. Wir kamen allerdings keine 2 Kilometer weit, bevor uns auch schon die Polizei stoppte. Der Pfusbus und wir meisterten die Kontrolle allerdings souverän und weiter gings mehr oder weniger holpernd nach Plovdiv. Dort haben wir uns den nach wie vor kalten Temperaturen wegen im Voraus bei einem Hostel angemeldet mit den Worten „we have GPS and will find you“. Das war dann allerdings zu optimistisch. Die abenteuerliche Irrfahrt durch mittelalterliche Gässchen mit Pflastersteinen so gross wie der Unspunnenstein war noch von der lustigen Sorte. Der sich ans Auto klammernde verwahrloste Roma dann leider von der erschreckenden. Mit Hilfe von Natel und Nelly vom Hostel sowie konsequentem Ignorieren von Fahrverbotstafeln schafften wir die Anfahrt dann doch noch und wurden gleich mit Tee und Kaffee begrüsst. Der Pfusbus stand zentimetergenau eingepasst auf dem Vorplätzchen und beherbergt uns in der Nacht, im Hostel durften wir alles Sanitäre und WiFi benutzen sowie Zmörgelen. Das Znacht in einem typisch bulgarischen Restaurant war lecker, leider schafften wir von der Menge her schon die Vorspeise nicht. Auch ist uns nun sonnenklar, warum Dracula in Rumänien und nicht in Bulgarien Zuhause ist: Überall ist Knoblauch dran!


Unser Schlafplatz mitten in der Altstadt von Plovtiv.

Nachdem wir Plovtiv verliessen, fuhren wir direkt auf der Autobahn weiter in Richtung Türkei. Der Grenzübertritt war einfach, ein kurzer Blick des Zollbeamten in den Innenraum des Pfusbus genügte und die Prüfung war bestanden. Wir fuhren weiter an Edirne vorbei und fanden schlussendlich ein sicheres Plätzchen zum Schlafen vor einem Motel auf einer riesigen Autobahnraststätte. Das Motel war zwar noch nicht eröffnet, wir durften aber trotzdem gegen eine kleine Gebühr Dusche und WC’s benutzen und wurden die ganze Nacht von zwei Nachtportiers überwacht. Wieso die jedoch schon im noch leeren Motel engagiert waren, haben wir nicht herausgefunden. Die Nacht war dann aber wieder weniger lustig: Ein Schneesturm aus Sibirien schüttelte den Pfusbus die ganze Nacht durch und forderte unsere Schlafsäcke aufs äusserste. Es hat sich definitiv gelohnt, hier nicht zu sparen.

Die 16 Millionen-Stadt Istanbul ist wirklich ein Riesending. Trotzdem fanden wir die turkmenische Botschaft in einem Quartier in der Nähe des Flughafens mit nur minimalen Umwegen, den Navigationskünsten von Barbara und Freestyle-Fahrkünsten von Didier sei gedankt. Das turkmenische Visum fehlt uns leider noch für unsere Reise durch die Stan-Länder. Vor der Botschaft erklärten uns drei in ein Wachhäuschen eingezwängte Typen auf Turkmenisch, dass die Visaabteilung erst in zwei Tagen wieder öffnen würde. Zur Sicherheit zückten wir das Handy als wir ausser Sichtweite waren und telefonierten direkt in die Botschaft hinein. Dort wurde diesmal in perfekten Englisch leider aber das genau gleiche erzählt.

Auch hier in Istanbul verfolgt uns der Schneesturm, welcher uns nun schon einige Tage auf Trab hält. Wir haben darum in einem kleinen Hotel unmittelbar in der Nähe von Topkapi-Palast, Hagia Sofia und blauer Moschee ein Zimmer bezogen. Der Receptionist heisst Rohat, ist Kurde, in unserem Alter und ein sehr netter Typ (wie übrigens alle Türken die nicht gerade hinter dem Steuer sitzen). Sein Hotel ist aufgrund einer Lonely Planet-Empfehlung fast immer ausgebucht. Rohat ist 24 Stunden an der Reception aufzufinden, ab und zu schläft er dahinter auf einer Bank. Frei hat er nur 3 Nächte pro Woche, Ferien gibt’s keine. Da sein Vater krank ist, musste er als ältester Sohn die Schule abbrechen und hat nun für die Familie zu sorgen.
Übrigens: Wer hat „Midnight Express“ gelesen und dann geschworen, er werde nie in die Türkei gehen? Wir gehörten auch dazu. Jetzt übernachten wir 50m Luftlinie vom berüchtigten Gefängnis entfernt, es heisst jetzt aber „Four Seasons Hotel“ und liegt weit über unserem Budget…


Zum obenstehenden Foto gibt’s noch eine hübsche Geschichte. Die nette Bekannte des Receptionisten passt nämlich auf den Pfusbus auf: Sobald wir uns nähern schaut sie immer aus dem Fenster (oben rechts in der Mauer) und winkt uns zu. Da sie ebenso viel Englisch spricht wie wir Türkisch haben wir ihr mit Pantomime zu verstehen gegeben, dass es hier sehr kalt ist. Darauf liess sie an einer Schnur ein Körbchen mit einer selbstgestrickten Zipfelmütze darin runter, wir legten 15 Lira rein und der Deal war perfekt!


Die Hagia Sofia: Den Schneesturm haben wir wegretouchiert.

Die Zeit bis Donnerstag verbrachten wir mit Sightseeing, Handeln auf dem Basar, Einkaufen von Fake-Hochzeitsringen und Recherche für unsere weitere Reise. Istanbul hat einiges zu bieten, allerdings ist das Wetter ein echter Stimmungsdämpfer. Die schönen Pärke und hübschen Cafés lassen nur ahnen, wie toll die Stadt an einem warmen Abend sein muss. Heute Morgen brachen wir auf und sprachen auf der turkmenischen Botschaft für unser Transitvisum vor. In zehn Tagen dürfen wir anrufen und uns erkundigen, ob das Visum ausgestellt wurde oder nicht (Drückt uns die Daumen!) und es im Idealfall wiederum in Istanbul abholen. Bis dahin werden wir nun ein bisschen in den Süden fahren und die Mittelmeerküste und alte griechische Steine ansehen.


Hey Mitch, hier gibt es auch prima Sitzsäcke! Wir hoffen, du bist happy mit deinem Einkauf auf unserem Basar.


Bis später! (Hoffentlich dann ohne Zipfelmütze…)

Verfasst von: Barbara & Didier | März 6, 2011

On the Road

Liebe Leute
Nach letzten hektischen Tagen in der Heimat und herzerreissendem Abschiednehmen von Eltern und Geschwistern ist es so weit: We are on the road. Da wir aus visatechnischen Gründen möglichst bald Istanbul erreichen möchten, liessen wir Mailand, Verona und Venedig links bzw. rechts liegen und machten nach einer ersten Nacht auf einem Firmengelände in Mendrisio erst wieder in Piran, Slovenien halt. Das venezianische Städchen steckte noch mitten im Winterschlaf, für uns zeigte sich nach einer eisigen Nacht aber zum ersten Mal die Sonne. Der aufgeschlossene Kellner wollte von uns für Kaffee, Tee und Toast auf der Terrasse direkt am Meer nur gerade 5 Euro, „to save money for your trip“. Molto sympatico!

Piran ist eines von wohl zahlreichen wunderschönen Adriastädtchen. Wir wollen diese Gegend später mal genauer erkunden.


Nicht schlecht staunten wir bei der Weiterreise über die Temperaturanzeigen auf der Autobahn, von angenehmen + 9°C bei Sonne sank die Temperatur nach nur einem Tunnel auf – 4°C! Das Foto spricht für sich…

In Slavonski Brod durften wir den Pfusbus auf dem Grundstück von Ljubica  mitten zwischen die Cars von ihrem Ehemann parken, und am folgenden Morgen ihre Gastfreundschaft bei einer Tasse Kaffe geniessen. Tat super gut nach einer weiteren eisigen Nacht.

Der Pfusbus mit einem seiner 6 grossen Brüdern auf dem Innenhof von Ljubica.

Weiter gings nonstopp quer durch das nebelverhangene Serbien bis nach Sofia. Dort war das telefonisch gebuchte Hotel zwar wegen einem Missverständnis doppelt so teuer wie gedacht, alle drei haben es aber auch doppelt so fest genossen: der Pfusbus in seinem sicher bewachten Undergroundparking, wir in unserem luxuriösen Hotelzimmer mit kuschligem Bett, sauberem Klo, Badewanne (ideal zum Wäsche waschen….), Internet und tollem Frühstücksbuffet. Jetzt gehts weiter Richtung Türkei.
Ach übrigens, ratet mal, an welcher der fünf passierten Grenzen wir das einzige mal rausgenommen und kontrolliert wurden!? In Chiasso! Als der Zöllner von der geplanten Route erfuhr, fiel im wortwörtlich der Kinnladen runter, und wir durften ohne weitere Kontrolle weiterröllelen.

Verfasst von: Barbara & Didier | Februar 27, 2011

Endspurt: Pfusbus-Ausbau 2 und Abschiedsparty

Die gute Nachricht: Wir sind mit den Visa so weit wie wir uns das vorgestellt hatten (Dank ein paar Extradollar für die Kyrgysische Botschaft zur schnelleren Bearbeitung), die Wohnung ist leer und sauber, eine grandiose Abschiedsparty ist auch schon Geschichte und der Pfusbus wartet darauf, defintiv beladen zu werden. Ein Riesenmerci an Simu, Christine, Pascal, Steph, Ivo, Helene, Inger, Pio, Rölu, Bruno, Dämu, Urs und allen anderen, welche uns in den letzten Wochen beim Zügeln, Putzen, Pfusbusausbauen, Partyorganisieren etc. unterstützt haben.

Der Pfusbus-Ausbau Aussen
Um uns im Innenraum noch ein bisschen mehr Frischluft zu spendieren, haben wir zum ersten Mal so richtig Hand an den Pfusbus selbst gelegt und eine Dachluke eingebaut. Unkomplizierter als erwartet und schöner als erhofft haben wir nun die Möglichkeit auch bei geschlossenen Seitenscheiben frische Luft zirkulieren zu lassen.


Wie man am Blick des Experten (rechts) erkennen kann, waren Zweifel fehl am Platz…


… denn so kam das ganze dann heraus. (Nochmals Merci viumau, Simu!)

Ausserdem entschieden wir uns, vom extrem auffälligen Blümchen-Look des Pfusbus Abschied zu nehmen, um ihm einen cooleres Aussehen zu verpassen. Mit getönten Scheiben sticht er nun nicht mehr ganz so aus der Menge, zugleich haben wir bessere Sicht nach Aussen bei besserem Schutz vor neugierigen Blicken ins Innenleben Pfusbus.


Beim Wind und Regentest: Der Pfusbus mit getönten Scheiben, dem Dachkorb mit Kanistern sowie unserem selbstgebauten Low-Budget-Vordach.

Die Abschiedparty
Am letzten Freitag war es nun soweit: Die meisten Freunde trafen wir für lange Zeit zum letzten Mal. Dass dabei die Korken knallen und unsere reichhaltigen Flüssigkeitsvorräte abgebaut werden mussten, war klar. Wir feierten Pfusbus-Taufe, Mimikri-Hochzeit, Geburtstag und Abschiedsparty. Auf dem partyeigenen Flohmarkt konnte man unser restliches Hab und Gut erstehen. Wir danken allen herzlich für den Zustupf ins Reisekässeli und die Geschenke. Ebenfalls ein Riesenmerci an Tätschmeisterin, Pfarrer, Schamane, Köchen und Konditoren sowie allen Partygästen für den fantastischen Abend!


Unter Anleitung des fachkundigen Schamanen wird der Pfusbus gesegnet.


Einfach Ringe tauschen reichte natürlich nicht.


Von 0 bis 60, und aus Frankreich bis Russland. Alle sind gekommen, um mit uns anzustossen.

Verfasst von: Barbara & Didier | Februar 3, 2011

Vorbereitung ist alles, oder?

Der Point of No Return war die Kündigung von Wohnung und Arbeit. Ab diesem Zeitpunkt haben wir uns erst einmal tagelang durch Lonely Planets und das Web gekämpft um die verschiedenen Einreisebestimmungen zusammenzusuchen. Und sind ganz schön auf die Welt gekommen: Das schaffen wir nie bis im März alle Visa zu besorgen! Und keine Frachtfirma will unseren Pfusbus über den Pazifik schiffen! Nach ein paar Tiefs haben wir erkannt: wir müssen den typischen Schweizer in uns zum Schweigen bringen und das „immer alles im Voraus planen und absichern wollen“ ablegen. Seither gehen wir bedeutend entspannter ans Werk. Gleichwohl ist der Aufwand für die Vorbereitung gewaltig. Nicht dass wir nicht vorgewarnt gewesen wären, unterschätzt haben wir es trotzdem: Route planen, Visa besorgen, Impfen, Russisch lernen, Versicherungen anpassen, Wohnung auflösen, Schriften wechseln, Pfusbus vorbereiten und stets fleissig das Knie trainieren. Langweile? Was ist das?

Grösste Knacknuss ist bis jetzt die Verschiffung von Vladivostok nach Südamerika. Trotz angestrengter Suche gibt’s noch keine schlaue Lösung. Auch die Visabesorgung ist eine Sache für sich. Die Russen wollen vor allem eines: viel Geld, die Kasachen schenkten uns ein Bildband über ihr Land und für das Iranvisum war scheinbar ein Passfoto mit Kopftuch nötig. Gemäss dem iranischen Beamten war dem aber nicht so, das Probetragen für die Fotosession hätte also nicht sein müssen. Jetzt heisst es Daumen drücken, damit auch mit den restlichen Visa alles klappt.

Ein bisschen einfacher war die Suche nach einem Russischkurs. Gleich mit der ersten Anfrage hat es geklappt und seither bringt uns Mascha geduldig die russische Sprache näher, oder versucht es zumindest. Denn mit 30 geht’s halt doch nicht mehr so einfach wie mit 15, oder ist das nur eine Ausrede? Item, obwohl wir den Unterschied zwischen den drei verschiedenen Buchstaben sch, sch, und sch immer noch nicht begriffen haben, mui ootschien lubiem ruuski jesik!


Essen liegt an unserem Tisch schon lange nicht mehr drin. Hier sieht es noch harmlos aus.

Bisserl Arbeit wird nun noch das Zügeln geben. Unsere Wohnung geben wir zwar nur ungern auf, aber mit Steff konnten wir eine würdige Nachfolgerin finden. Wir sind sicher, du bewohnst unser Bijoux in Ehren.

Auch am Arbeitsplatz heisst es Endspurt. Nur noch 1 x früh aufstehen, judihuii! Trotzdem, nach 6 ½ bzw. 8 Jahren fällt der Abschied gar nicht so leicht.

Ab Übermorgen haben wir nun drei Wochen Zeit, uns sozusagen vollberuflich um die letzten Vorbereitungen zu kümmern. Der Countdown läuft!

Verfasst von: Barbara & Didier | Dezember 12, 2010

Der Pfusbus-Ausbau 1

Wir sind technisch und handwerklich nicht ganz unbegabt, doch waren wir weit von den zum Ausbau benötigten Kenntnissen entfernt. Also gingen wir daran, das entsprechende Knowhow in Elektrik, Automechanik und Innenausbau zu holen: Mit Hilfe von Simu (Automech und Schreiner), Rölu (Electronic Artist) und unseren Vätern (Baufachleute) absolvierten wir Schreiner-, Mech- und Elektrikerlehre in Rekordzeit, herzlichen Dank für Eure tolle Unterstützung!

Mit dem Ausbau gings im Januar 2010 los. Zuerst kramten wir unsere bescheidenen Schulkenntnisse in Technisch zeichnen wieder aus der hintersten Schublade des Gedächnisses hervor, fertigten jede Menge Skizzen und begutachteten unzählige andere ähnliche Fahrzeuge live oder online. Gleichzeitig klapperten wir jeden Campingzubehör- und Heimwerkerladen zwischen Bern und Paris ab: Niemand kennt das Sortiment von Do-it, Obi, Bauhaus oder Leroy Merlin besser als wir. Danach entschlossen wir uns, das Innenleben des Pfusbus folgendermassen zu gestalten: Zum Schlafen einen Zwischenboden aus Holz, darunter ein Schienensystem für Plastikkisten, um alle möglichen Sachen zu verstauen. Da wir nicht allzu breit sind, können wir den Platz neben dem Bett für einen Aufbau mit Rako-Kisten nutzen. Zwischen Bett und Fahrerkabine eine kleine Küche mit Kühlbox und Benzinkocher, welche wir auch draussen verwenden können. Zum Sitzen dient das Kopfende des Bettes und eine zusätzliche Sitzbank mit Stauraum, Wasserkanister und Abfallbehälter darunter.

Wir haben eine Bleigelbatterie für Kühlbox und 12V Steckdosen eingebaut, welche während des Fahrens über die Lichtmaschine geladen wird. Um elektrische Kleingeräte zu laden, haben wir einen 220V Wechselrichter mit eingebaut. Damit wir aus versehen nicht die Starterbatterie leeren und dann nicht mehr losfahren können, trennt ein Relais die Batterien, sobald der Pfusbus steht.


Die unteren Hohlräume werden mit Hohlraumversiegelungsspray behandelt, isoliert und dann mit einer Dampfsperre versehen. Die Holmen lassen wir leer, damit die (dicke) Luft nach oben trotzdem noch zirkulieren kann.


Für den Zwischenboden und alle anderen Holzeinbauten verwenden wir leichtes  Tannenholz.


Dank Expertenhilfe mittlerweile in der Lage, fast alles selber zu machen: Der Heimwerker-King beim Verlegen der Küchenelektrik.


Der Hausfrauentraum. Von links: Küche mit Coleman Benzinkocher, darunter der portable Besteckkoffer, Esswarenbehälter und Kühlbox. Rechts davon das Elektrikabteil, darüber Waschbecken und Wechselrichter. Rechts die Sitzbank mit Stauraum und Wasserkanister.


Neben dem Bett unser Deluxe-Kleiderschrank.


Nach getaner Arbeit: Simu und Didier beim wohlverdienten Bier. Die Tischplatte kann unmittelbar über der Kühlbox eingesteckt werden und verschwindet dann wieder unter dem Zwischenboden. (Keine Erklärung für das Bier unten links…)

Verfasst von: Barbara & Didier | Dezember 3, 2010

Der Pfusbus

Da stand er also: Der weisse Toyota Hiace mit 4WD auf dem Parkplatz der Toyotagarage im Nachbardorf schien wie auf uns zu warten. Mit Jahrgang 1995 gehört er noch zur Sorte Auto, welche ohne Computer repariert werden können und zu der Sorte Toyota, welche ewig fahren (so sagt man. „Houz alängä!“).
Der Bus hat einen langen Radstand,  ein zuschaltbarer 4WD, ein ebenfalls zuschaltbares Reduktionsgetriebe und ist ausserdem serienmässig höher gelegt. Angetrieben wird er von einem 2.4l Benzinmotor. Er hat zwar schon einige Kilometer auf dem Buckel, allerdings wurde er in seiner Jugend von den SBB als Vermessungsfahrzeug benutzt. Für uns heisst das: Regelmässige Wartung, keine schwere Beladung und kein Rowdytum. Ausserdem können wir bei Fragen und Problemen auch stets beim Garagisten vorbei gehen. Schnell war klar, wir gehören zusammen!


Es war Liebe auf den ersten Blick!

Ohne Riesenbudget war klar, es mussten überall einfache Lösungen her. Ebenfalls wollten wir möglichst wenig am Fahrzeug selbst verändern, denn kaputt geht meist nur, was man selber gebastelt hat. 


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