Verfasst von: Barbara & Didier | November 25, 2011

Buenos Aires und die Atlantikküste

Camarones, 24.11.2011, 33’200 km

Buenos Dias!

Gerade vorweg: Uns und dem Pfusbus geht es zur Zeit blendend! Die letzten paar Wochen waren allerdings nicht immer nur Schoggi. Nach unserer Rückkehr von der Osterinsel quartierten wir uns erst mal wieder bei Familie Ratti in Buenos Aires ein und hatten vor allem eines im Sinn: Sobald wie möglich mit dem Pfusbus losfahren! Der war allerdings immer noch auf dem Schiff. Unsere Nerven wurden weiter auf die Probe gestellt, denn eine Verspätungsmeldung folgte der anderen. Wir versuchten, die Wartezeit so interessant wie möglich zu gestalten, was einem in Buenos Aires zum Glück eher leicht gemacht wird. Wir tanzten Tango an Milongas, genossen das Nachtleben und machten einen mehrtägigen Abstecher über den Rio Plata nach Uruguay in das Hafenstädtchen Colonia.

Endlich wieder mal ein Weltkulturerbe dachten wir, schliesslich vermissen wir die Berner Altstadt und hatten in Zentralasien ab und zu die Möglichkeit, ein solches zu besuchen. Colonia war dann zwar eine Spur weniger eindrücklich, als wir das erwartet hatten, aber super herzig und relaxed. „Buena Onda“ (Gute Welle), nennt man das hier. Die Sonnenuntergänge waren dank der Smogglocke von Buenos Aires top und zahlreiche kleine Kaffees und Restaurants sorgten dafür, dass die Zeit schnell vorbei ging.


La Catedral del Tango:  Zuerst gibt es an der Milonga fakultativen Unterricht, dann geht es auf der Tanzfläche los.


Herziges Weltkulturerbe: Colonia


Trotz Tourismus läuft die Zeit hier ein bisschen langsamer.

Zurück in Buenos Aires ging es dann erneut daran, den Pfusbus möglichst bald bei uns zu haben. Da es uns an Zeit nicht mangelte, holten wir Haftpflicht-Offerten von verschiedenen Versicherungen ein. Die günstigste war mehr als doppelt so günstig wie die teuerste, also fiel uns dieser Entschied eher leicht. Wir engagierten einen Agenten vor Ort, um den Auslöseprozess zu vereinfachen und fielen zunächst mal aus allen Wolken, als wir den Preis hörten; quasi doppelt so teuer wie vermutet. Doch Wahl hat man je eigentlich keine. Wir konnten unsere Laune aufbessern, indem wir mit unserer Gastfamilie und unseren Schulfreunden tolle Abende verbrachten und neue Bekanntschaften machten. So geschehen zum Beispiel mit Carlos und Ana Maria, welche uns in ein tolles Restaurant ausführten. Oder an der Geburiparty vom Mann der Schulleiterin, als Nestor Subiat, seine Frau Natasha und wir schliesslich die letzten waren, die nach Hause gingen. Oder am Geburiessen von Caro, wo dank Neocolor und Tischsets Psycho-Analyse angesagt war.


Ana Maria y Carlos, Bekannte von Bekannten, luden uns zu Parilla ein.


Mit Nestor und Natasha Subiat ging es oft um Fussball, aber nicht nur! Er spielte mit der Schweizer Nati an der WM 94.


Didier und Beni mit Baum und Anna mit Geburikind Caro vor dem Kopf.

Am 11.11.11, nach über drei Wochen Verspätung, kam dann schliesslich der grosse Tag. Um 09:00 Uhr morgens ging es los mit dem Agenten und um 16:30 Nachmittags fuhren wir im Pfusbus aus dem Hafen. Die Zeit dazwischen verbrachten wir mit: Warten (weil man auf dem Hafengelände nur per Linienbus unterwegs sein darf), mit Warten (weil der Container noch beim Schiff war und nicht wie versprochen beim Ausladeterminal), mit Warten (weil noch jede Menge Papierkrieg anstand), mit Warten (weil für das scheinbar letzte Papier der Verantwortliche zwei Stunden im Mittag war) und Warten (weil für das wirklich letzte Papier noch über eine halbe Stunde beim Zoll nötig war). Wenigstens hatten wir unser Baby wieder und erst noch unversehrt und topmotiviert. Es folgte die obligatorische Fahrt  mitten durch die Stadt, ein kurzer und intensiver Abschied von unserer Gastmutter und los gings in dem Freitag-Abend-Buenos-Aires-Stau. Bei Dunkelheit erreichten wir die Laguna de Lobos, wo sich schienbar viele Overlander zuerst Mal von den Zollstrapazen erholen und ihr Auto fürs Weiterreisen fit machen. Auch wir nutzten die Gelegenheit, brauchten einen ganzen Tag, um alles neue und alte Material im Pfusbus zu verstauen und erhielten von Martin aus Deutschland jede Menge Reisetipps.  Dann endlich ging es nach acht (!) pfusbusabstinenten Wochen los ab in den Süden zur Peninsula Valdés, welche wir nach drei Tagen Fahrt erreichten.


Endlich!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Die kahle Halbinsel machte auf den ersten Blick keinen sonderlich spannenden Eindruck, entpuppte sich aber auf den zweiten als Riesenhighlight. Hier eine Liste an Tieren, welche wir dort entdeckten: Glattwale und Orcas, Seelöwen, Pinguine, Guanacos (eine Art Lama), Schwarze Witwe (ok, die hätten wir nicht gebraucht), Sträusse, Füchse, Hasen, Gürteltiere und jede Menge Vogelvieh. Aber der Reihe nach: Wir starteten mit einer Bootstour, denn man erklärte uns, dass die Wale am Ende der Saison vom Land aus nicht mehr zu sehen seien. Danach fanden wir dank einem Geheimtipp einen fast einsamen Strand und machten es uns mit unseren neuen Reisegspändli Manuela und Kai aus dem Thurgau erst mal gemütlich. Die beiden sind schon über ein Jahr in Mittel- und Südamerika ebenfalls mit einem Auto unterwegs, ersparen sich aber den Verschiffungsärger, weil sie den Camper hier kauften und auch wieder verkaufen werden.


Dieser Wal zeigte uns Bootstouristen eine imposante Showeinlage.

Der Platz entpuppte sich als Glücksfall: Ein Strand fast für uns allein und die fantastischen Meeressäuger entgegen allen Prognosen sozusagen vor der Haustüre! Besonders Morgens und Abends kamen die Kolosse mit ihren Jungen bis auf wenige Meter ans Ufer heran; wir bestaunten sie und sie bestaunten uns. Weiter draussen im Meer konnten wir sie springen sehen und besonders in der Nacht folgten herzzerreissende Gesänge (und gelegentliches Grunzen). Den grössten Teil der Zeit, es wurden schliesslich sechs Tage, verbrachten wir an unserem Strand und beobachteten also Wale. Von hier aus liess sich aber auch feststellen, dass die Wale bis auf einige Ausnahmen von den Touristenbooten nicht gerade begeistert sind. Sobald keine Boote in den Buchten zu sehen waren, tauchten die Meeressäuger auf, sonst ab. Alle vier bereuten wir, am ersten Tag pro Person über 50 Stutz für die Schlauchboottour ausgegeben zu haben, und das nicht nur wegen des Geldes.  Unsere zeitweiligen Exkursionen auf der Halbinsel waren aber ebenfalls von Erfolg gekrönt, und was für einen: Noch einmal gegen alle Prognosen sahen wir drei Orcas beim Pinguine jagen (nicht zum fressen, nur zum Spass!). Wir fassten unser Glück kaum, es war atemberaubend. Auch jede Menge faule Seeelefanten und -löwen und tollpatschige Pinguine durften wir aus nächster Nähe bestaunen. Am Abend gab es dann jeweils unter der Leitung von Grillmaster Kai eine Riesenportion frisch gegrilltes Fleisch auf den Teller. Hammer.


Ohne Scheiss keine 20 Meter Abstand. Eine Glattwalmutter mit Baby kam uns mehrmals bestaunen (und umgekehrt).


Grosses Kino: 50 Tonnen in Action.


Woooooooaaaaaaaaahhhhhhhhh!!!!!!!!!!!!!!!!!!


Am nächsten Tag, viel Geduld und Glück war nötig…


…und tatsächlich: Orcas.


Schreihälse. Die putzigen Magellanpinguine beehrten uns mit einem Konzert.

Mit Manu und Kai stimmte die Chemie trotz ganz unterschiedlicher Charakteren auf Anhieb und so beschlossen wir, noch einige Tag zusammen in Richtung Süden zu reisen. Entlang der Küste gibt es zahlreiche unberührte Strände, wir trotzten dem Wind und genossen die raue Schönheit von Patagoniens Atlantikküste. Immer wieder fandern wir schöne und total einsame Plätze zum Übernachten. Die Tage verbrachten wir mit Haushalten, Mate trinken (siehe letzter Blog), Backgammon spielen und immer wieder grillen. Für weniger als 1.5kg Fleisch zünden wir den Grill schon gar nicht mehr an.


Solche Übernachtungsplätze machen gute Laune.


Unsere Nachbarn.

Nach der fantastischen, aber sehr anstrengenden Reisezeit in Zentralasien, der Mongolei und in Russland, sowie nach der mühsamen und teuren Verschiffung und der entsprechenden Wartezeit in Buenos Aires, sind wir nun also richtig in Südamerika angekommen. Wir geniessen das Reisen mit dem Pfusbus in einer auf den ersten Eindruck sehr reisefreundlichen Umgebung. Dass wir mittlerweile über weite Teile mehr oder weniger fliessend die Landessprache beherrschen, hilft uns natürlich auch enorm, den Zeichenblock haben wir noch kein einziges Mal gebraucht. Die verhältnismässig gute Infrastruktur bedingt allerdings auch, dass man sich irgendwie einen Weg abseits des Massen-(Overlander-)Tourismus suchen muss. Wir stellen fest, wir sind längst nicht die einzigen hier. Davon zeugen leider auch manche Verbotstafeln zum wild Campen…

Unsere nächsten Pläne führen uns noch einige Tage der Küste entlang nach Süden, bevor wir dann den Kontinent durchqueren und den östlichen Anden entlang bis nach ganz unten weiter ziehen. Mal schauen.

Liebe Grüsse aus Südamerika!
Die Pfusbüssler

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Responses

  1. Hi Barbara …

    Wonderful to see you blossom ….

    Take care !

    Romain

    P.S. the invitiation to travel back via Belgium remains !

  2. ¡Holaaa! ¡Qué alegría escuchar noticias de ustedes!
    Gracias al traductor puedo entender bastante de lo que escriben. Espero que esten bien y disfrutando mucho del viaje. Las fotos estan buenisimas!!
    Les mando un beso grande desde la calurosa Buenos Aires!
    Los extrañamos!!

  3. Vous faites plaisir à voir.
    olivier

  4. Hola ihr Lieben,
    FANTASTISCH, ich werd ganz grün vor Neid! Da hat sich das lange Warten doch voll und ganz gelohnt, oder? Besser kann man´s ja gar nicht erwischen! Ich freu mich, dass ihr eure Reise nach der langen Wartezeit in Buenos Aires endlich fortsetzten könnt und es euch so gut geht- aber dafür fehlt ihr uns hier in La Capital! Ich werde mich in einer Woche auch auf den Weg machen, allerdings in die andere Richtung wie ihr, und den Norden von Argentinien erkunden! Bin gespannt, was ihr noch erleben werdet und sende euch ganz liebe Grüße aus dem heißen Buenos Aires (32 Grad im Schatten!) Carola


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