Verfasst von: Barbara & Didier | April 20, 2011

Vom Iran, durch Turkmenistan, nach Usbekistan

Bukhara, 20.04.2011, 9‘800km

Die letzten zwei Tage im Iran bedeuteten viel Fahren bei Sandsturm und steigender Anzahl Schlaglöchern, aber in Erinnerung bleiben wird einmal mehr die iranische Gastfreundschaft: Mal wurden wir auf einem Bauernhof zu Cay und Pistazien eingeladen, mal durften wir in einem staatlichen Hotel für 1/3 des effektiven Preises übernachten und im Grenzdorf Bajgiran organisierte uns die Polizei persönlich einen sicheren Schlafplatz.
Unser Fazit: Der Iran überraschte, und das positiv! Klar darf man die politische und religiöse Situation nicht verharmlosen und gewisse Anpassungen sind unerlässlich. Aber mal abgesehen von den Kleidervorschiften und der Tatsache, dass viele Websites gesperrt sind (auch unser Blog, nur dank dem Support von Roland konnten wir Euch auf dem Laufenden halten) fühlten wir uns so gar nicht auf der Achse des Bösen. Sogar einen Schluck Alkohol gabs zwischendurch, die Details geben wir aber nur unter vier Augen weiter. Daher unser Tipp: Sofort Ferien buchen!


Die Bauernhofskids hinter dem Stolz der Familie.

Gespannt erwarteten wir also den Tag des Grenzübertritts vom Iran hinein in das zweite Nordkorea: Turkmenistan. Vorerst wurden wir einmal mehr positiv überrascht. Auf der iranischen Seite erwartete uns um 07:30 Uhr beim ersten Kontrollpunkt Cay, Frühstück und Zitronencake, da der zweite erst um 08:00 Uhr öffnen würde. Danach wurden wir von einem alten Milizionär von Posten zu Posten geführt und nach ca. 20 Stempeln und Unterschriften und zahlreichen freundlichen Gesprächen zückten wir das Portemonnaie nur zum Devisenwechseln und für den Milizionär (20 Stutz Honorar, aus Goodwill liessen wir das Handeln sein). Das ganze dauerte mit Cay 90 Minuten. Die turkmenische Seite liess sich ebenfalls nicht lumpen. Auch hier verlief das ganze speditiv, ein junger Grenzwächter führte Didier von Büro zu Büro und nach einer Stunde war alles geregelt. Das ganze kostete für diverse Gebühren, Zölle, Desinfektion des Pfusbus (dieser war so stubenrein, dass die Desinfektion nur auf dem Papier stattfand) und Versicherungen (fein säuberlich quittiert) happige 140$. Dafür bekamen wir Papiere mit sage und schreibe 17 verschiedenen Stempeln und 20 Unterschriften! Der Pfusbus wurde mit Interesse innen und aussen gemustert, aber nicht wirklich durchsucht. Da wir ein Transitvisum hatten, konnten wir ohne staatlichen Guide losziehen. Als „Touristen“ wären wir 24h am Tag zwangsbegleitet worden…
Auf nach Ashgabat also, der Hauptstadt, welche nur 25km von der Grenze entfernt liegt. Da unser turkmenisch noch in den Kinderschuhen steckte und keine einzige Strasse angeschrieben war, dauerte denn auch die Suche nach dem gewünschten Hotel länger als der Grenzübertritt. Traditionsgemäss haben wir es auch in dieser Hauptstadt nicht versäumt, erst mal mitten durchs Zentrum zu fahren. Der Pfusbus fühlte sich dabei ganz wohl, haben wir beim Herumkurven doch viele von seinen Artgenossen angetroffen.
Nachdem wir bei der Fahrt durch den Balkan und die Türkei quasi behutsam auf den Iran mit seinen Eigenarten vorbereitet wurden, war Ashgabat ein echter Kulturschock: Marmor so weit das Auge reicht, futuristische Hochhäuser, breite Boulevards, riesige Monumente und Parkanlagen, Shoppingzentren, viele Neuwagen, westliche Musik und nirgends auch nur ein Papierchen auf dem Boden. Die Stadt wurde nach einem verehrenden Erdbeben 1948, das 110‘000 Opfer forderte (3/4 der Einwohner!), neu aufgebaut und ist nach der Unabhängigkeit von der UdSSR dem GW verfallen. Dazu gehören an jede Ecke ein Polizist, verwanzte und für Touristen drei Mal so teure Hotelzimmer, kein Natelempfang und gesperrte Websites. Nein, wirklich wohl haben wir uns nicht gefühlt. Aber wenn schon Kulturschock, dann richtig: Kopftuch runter, Cheeseburger und Bier im British Pub, Mars-Glace zum Dessert und ach ja, Niveashampoo haben wir auch noch gepostet.


Wer braucht all die weissen Marmorhäuser?

Wer hier wohl wohnt?

Dass die Einkünfte aus Gas- und Ölvorkommen auch anders eingesetzt werden könnten, erfuhren wir tags darauf am eigenen Leib. Während in Ashgabat achtspurige Boulevards Standard sind, ist die wichtigste Verkehrsachse von Süd nach Nord leider nur 2.5-spurig und in desolatem Zustand. Schlaglöcher, Bodenwellen und Spurrinnen setzten uns und dem Pfusbus massiv zu. Wir fielen bei Mary (nach 7h Fahrt für 300km) auf einem Truckparkplatz nur noch in die Kissen.

Eine der wenigen Attraktionen des Landes sind die riesigen Ruinen von Merv, einer Handelsstadt, welche im 12. Jahrhundert ihre Blüte hatte mit ca. 300‘000 Einwohnern (welche auch prompt alle aufgrund eines diplomatischen Fauxpas von den Mongolen massakriert wurden). Um dem Transitvisum alle Ehre zu machen, zogen wir durch und standen am nächsten Abend an der Grenze zu Usbekistan. Was so einfach tönt, war aber auch wieder ziemlich nervenaufreibend. KEINE Strassenschilder und sehr schlechte Strassen machten die Suche nach dem Grenzübergang zu einem echten Abenteuer, zumal dieser einsam und allein mitten in der Wüste steht. Eine dubiose Geschwindigkeitsbusse und 60 Dollar an einem Kontrollposten kamen auch noch dazu. Wenigstens können wir jetzt langsam unser russisch auspacken.


Gestern und Heute. Charakterfeste Arbeitstiere.

Vor dem Grenzübergang standen zwei türkische Trucks und wie könnte es anders sein: Wir wurden sofort zu Cay eingeladen. Nicht genug, wir wurden aus der improvisierten Truckküche wunderbar zum Abendessen bekocht (das erste Mal, dass wir einen Mann kochen sahen in Asien) und hatten einen lustigen Abend zu fünft. Auch die Trucker sind jeweils froh, wenn sie Turkmenistan passiert haben. Das Originalzitat dazu: „Türkye güsel (gut), Iran normal, Turkmenistan Problem“.


Schon ziemlich riskant, hier noch Fotos zu machen.

Am nächsten Tag sollte sich dieser Satz absolut bewahrheiten. Pünktlich um 08:00 standen wir vor dem turkmenischen Zollareal und wurden eingelassen. Leider stand für die Zolldeklaration keine englische Version und kein Übersetzer zur Verfügung, obwohl eines von beiden eigentlich vorhanden sein müsste, wie wir später erfuhren. Eine nette Dame in Uniform füllte die Deklarationen für uns aus. Leider dachte sie dabei nicht an unsere Reservekanister und unsere Russischkenntnisse reichten nicht aus, um diese Falle in der Zolldeklaration zu entdecken. Nach verschiedenen problemlosen Büros passierten wir schliesslich die Fahrzeugkontrolle. Man nahm es genau: Nachdem ein grosser Teil der Pfusbus-Innereien auf dem Asphalt verteilt war und noch immer nichts zu beanstanden war, holten die Herren in Uniform die Deklaration hervor und verknurrten uns zu 35 Dollar Busse wegen den Benzinkanistern und füllten unsere 80 Liter in ihre eigenen Tanks… Für vier Tage Turkmenistan also total 130$ Transitvisagebühr, 140$ Einreisekosten, 35$ „Geschwindigkeitsbusse“, 60$ dubiose Gebühr an einem Kontrollposten, sowie 35$ und 80l Benzin bei der Ausreise: „Turkmenistan: Problem“.

Die Einreise in Usbekistan gestaltete sich wiederum eher einfach und freundlich, wenn auch mit über 3h zeitintensiv. Schliesslich erreichten wir Bukhara – eine uralte, prächtige Handelsstadt an der Seidentrasse. Leider ist hier in Uzbekistan nix mit Campen, Touristen müssen sich jede Nacht in einem lizenzierten Hotel registrieren lassen. Glücklicherweise konnten wir mitten in der Altstadt im gemütlichen B&B Rustam-Zuxro unterschlüpfen. Der Patron Rustam und seine Frau Zuxro sind überaus hilfsbereit und zu Bett und Frühstück gibt’s für paar Dollars gleich noch ein feines Abendessen dazu. Grund genug nach dem anstrengenden Turkmenistan paar Tage zu bleiben.


Endlich Millionär! Um ein Auto zu kaufen, müsste man für die Geldübergabe einen LKW mieten. Die grösste Note überhaupt entspricht 50 Rappen.


Zahlreiche schöne Plätze gibt’s in Bukhara zu bestaunen.

Heute bekam der Pfusbus endlich auch seinen ersten Service. Nach fast 10‘000 km wurde Öl und Ölfilter gewechselt, Luftfilter, Stossdämpfer, Bremsen, usw. überprüft. Rustam (als ehemaliger Chauffeur) begleitete und unterstützte uns den ganzen Morgen. Interessant ist die Preisgestaltung, da wir die Teile selbst besorgen mussten: ÖL umgerechnet 30 CHF, Ölfilter 5 CHF, sechs Mannstunden Arbeit 5 CHF!


Nicht ganz so feudal wie bei der Pfusbus-Homebase-Garage Mattmüller…

Nun sagen wir tschüss bis zum nächsten Mal, die Weltenbummler

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Responses

  1. holà los dos!
    na dann gute weiterfahrt…richtung westen…klingt nicht nach südamerika, aber wer weiss, wir stellen schon mal ein paar cervezas kalt…:-)
    feliz viaje!
    anke&thomas

  2. holà los dos!
    der bus kommt mit bekannt vor…:-)
    weiterhin un feliz viaje, wer weiss, vielleicht fahren wir uns irgendwann über den weg, wäre mega!
    un abrazito
    anke&thomas
    ps : war zuerst auf http://www.pfuusbus.ch, das ist aber ein deutlich anderes projekt…

  3. Mir fröie üs immer vo euch ds läsä

    Wie o immer ds Usbekistan Oschtere gfiiret wird…der Philipp u ig wärde am Sunntig es Ei für euch tütsche… :-)

    Blibet gsung u viu witeri Abentür

    Patricia u Philipp


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