Verfasst von: Barbara & Didier | Mai 30, 2011

Sibirien

Ulan Ude, 30.05.2011, 17‘341 km

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Ja, wir sind definitiv in Sibirien angekommen. Die Taiga ist scheinbar grenzenlos, nur zwischendurch gibt es einige Industriegrossstädte und ab und zu kleine Dörfer. 90% der Menschen leben in den riesigen Städten. Die Kilometerangaben auf den Strassenschildern waren während den ersten Tagen auf der M53 gegen Osten stets vierstellig: Irkutsk 1780 km, dann 1650 km, dann 1580 km, usw. Wir haben uns aber schnell daran gewöhnt, an Zeit mangelt uns ja nicht und der Pfusbus läuft nach wie vor wunderbar.

Die 100‘000 Mücken fanden dies auch einen wunderbaren Platz.


Einkaufen in kleinen Dörfern verspricht stets Spiel, Spass und Spannung.

Übernachtungsplätze sind eigentlich einfach zu finden: Einfach ab der Strasse fahren, einem kleinen Weg ein, zwei Kilometer folgen und schon ist man in der Einsamkeit. Wir übernachten aber nicht nur wild, sondern suchen auch immer wieder den Kontakt mit den Einheimischen. Einen wunderbaren Abend verbrachten wir bei der Datscha einer Familie aus Kemerowo. Die Damen genossen die sehr angenehme Gesellschaft von Katja, Warwara und Co. bei Weisswein, Tee und Luftgewehrschiessen (!), die Jungs gleich daneben mit Alexander und Cornel bei Wodka, mehr Wodka und noch mehr Vodka plus tiefgründigen Gesprächen. Zwischendurch gab es immer wieder was Feines vom Familiengrill, frisch gepflückten Bärlauch, Eier, Salat und allerlei weitere Köstlichkeiten. So läuft das hier bei den Russen. Nachdem auch die Jungs unter Aufbringung aller Konzentration wieder unsere Fahrzeuge erreichten (nur 100m, aber über eine fiese, schmale Bretterbrücke), schliefen wir tief und fest, waren aber am nächsten Morgen wieder topfit unterwegs.


Ohne Worte.


Thank you very much for a wonderful Evening!

Ein weiteres Highlight war der Besuch bei der Deutschlehrerin Lydia (sehr praktisch für uns) und dem Zeichen- und Werklehrer Sascha in Tschjasinsky. Ihre Tochter Elena ist mit einem Cousin von Cem befreundet. Das reicht hier in der Einsamkeit locker um einen Besuch zu begründen. Und was für einer! Wir wurden herzlich empfangen, bekocht, über dies und jenes informiert und erhielten eine Stadtführung (inkl. Alkoholladen, Supermarkt und Bahnhof). Danach genossen erst die Mädels und dann die Jungs die extra von Sascha eingeheizte russische Sauna im Gartenhäusschen, welch eine Wohltat! Obwohl wir noch im Westen Sibiriens waren, scheint die Zeit in gewisser Hinsicht stillgestanden zu sein. Bestes Beispiel: Gleich neben dem Städtchen verläuft eine riesige Gaspipeline zur Versorgung Europas, keine Siedlung in der ganzen Gegend ist jedoch daran angeschlossen. Geheizt wird im Winter bei bis zu -52° C überall mit Kohle, der Schnee kommt denn auch schwarz und nicht weiss vom Himmel. Statt Hitzefrei gibt’s Kältefrei: Ab -35°!


Stadtführung mit unseren Gastgebern Lydia und Sascha.


Kaviarbrötchen, Borsch, Kartoffelsalat, Poulet, Oliven, Hochprozentiges… Was wurden wir verwöhnt! Herzlichen Dank für die Gastfreundschaft!

Je zwei Kilo schwerer und mit Honig, Wurst und Fisch im Gepäck verliessen wir nach 24 Stunden das traute Heim von Lydia und Sascha und rollten weiter gegen Osten. Unbemerkt haben wir zwei Zeitzonen durchfahren und sind nun auf der Höhe von Kuala Lumpur und Perth, verrückt nicht? Was für die Bauern langsam aber sicher zum Problem wird, kommt uns gerade recht: Auch hier in Sibirien ist der Frühling viel zu warm und statt Daunenjacke und Mütze reicht oft ein T-Shirt (es sei denn, der Sibirische Wind bläst…). Wir fuhren zwar immer wieder mal durch ein Gewitter, trotzdem brannte der Wald bereits an mehreren Orten.

Ein vielzitiertes Sprichwort Russlands lautet: Russland hat zwei Probleme, schlechte Strassen und Dummköpfe. Das mit den Strassen können wir nun definitiv bestätigen, holpern wir doch stundenlang über ungeteerte Pisten oder Abschnitte, bei welchen die Schlaglöcher grösser als die Teerflächen sind. Dabei befinden wir uns immer noch auf der M53, der einzigen Ost-West-Verbindung ganz Russlands! Doch es besteht Hoffnung auf Besserung, an einigen Strassenabschnitten wird fleissig gebaut. Dummköpfe hingegen haben wir glücklicherweise noch kaum angetroffen. Hat man sie erst mal „geknackt“, sind die Russen meist freundlich, interessiert und hilfsbereit.


Die grösste Strasse Russlands: Wir trauten unseren Augen nicht!


Mal so…


…oder so.

Während wir im Kovoi Kilometer um Kilometer hinter uns brachten, entlud sich bei unseren Reisegspändli intern ein Unwetter, das sich schon lange zusammengebraut hatte. Die einberufene Aussprache war denn auch keine Aussprache mehr, sondern eine Ankündigung von Cem und Roelene, dass sie sich nach drei Monaten gemeinsamen Reisens von Muberra und Secim trennen und die Fahrt ab Irkutsk alleine fortsetzen wollen. Das hatte auch für die Pfusbuscrew entsprechende Konsequenzen. Noch vor Ort verabschiedeten wir uns und fuhren ohne Begleitung weiter. Im Prinzip änderte sich für uns ja nichts, waren wir ja von Beginn an davon ausgegangen, alleine unterwegs zu sein. Trotzdem bedauerten wir den Entscheid der beiden sehr und fühlten uns auch etwas vor den Kopf gestossen; wir hatten es doch bisher prima und waren sogar zusammen am Zukunftspläne schmieden. Wir sagen aber Merci für die tollen gemeinsamen Momente und wünschen beiden Teams eine problemlose Weiterfahrt.


Wieder alleine on the road, ein friedliches Pfusplätzchen zum Kopf auslüften.

In Irkutsk schafften wir es dank einem illegalen U-Turn für einmal, nicht mitten durchs Zentrum zu fahren. Trotzdem dauerte es fast eine Stunde, bis wir aus der Stadt raus waren um die Passstrasse zum Baikalsee in Angriff zu nehmen. Wir waren ein bisschen überrascht von der Gegend, so bergig hatten wir uns das nicht vorgestellt. Auf einmal waren wir wieder mitten im Frühling, die Bäume hatten erst zartes Laub und an schattigen Plätzchen lag noch Schnee. Entsprechend lockte der Baikalsee auch nicht zum Baden. Wer jetzt denkt, wir seien Warmduscher, dem sei gesagt, dass wir tags im See darauf die ersten Eisberge (!) entdeckten. Überhaupt ist die Gegend um den Baikalsee herum sehr speziell. Das Wetter kann sehr schnell ändern und der ruhige See verwandelt sich innert Minuten in ein tosendes Meer. Mit über 1700 Meter ist der See unglaublich tief und beinhaltet über 25% aller nicht gefrorenen Trinkwasserreserven der ganzen Welt. Kleine Dörfer, bestehend aus bunt bemalten Holzhäusern mit hübschen und grossen Gärten säumen alle 10km das Ufer. Es gibt wunderbare Plätze in der Natur, zwischendurch aber auch verfallene Industriebauten und leider stets viel Müll. Nach den vielen Fahrkilometern durch Kasachstan und Sibirien hindurch, konnten wir hier aber einen Gang herunterschalten.

Auch am Baikalsee durften wir sibirische Gastfreundschaft geniessen. Nach einem anstrengenden Tag auf der Strasse fanden wir keinen wirklich überzeugenden Platz zum Übernachten. Wir waren müde und gereizt und fragten als Notlösung in einem kleinen Dorf die ersten Menschen auf der Strasse, ob wir unser Auto für die Nacht irgendwo abstellen dürften. Kein Problem; die Hoftüre wurde geöffnet und wir konnten den Pfusbus mitten in einem überraschend grossen Bauernhof platzieren. Wir durften trotz Gegenwehr sogleich am Abendessen teilnehmen und wurden auch am nächsten Morgen zum Frühstück verköstigt. Natürlich gab es hofeigene Kartoffeln, das Hauptnahrungsmittel schlechthin hier in Russland (Für alle Patatophilen: Die Sorte heisst Adretta, wie Barbara beim Fachsimpeln herausfand). Die Notlösung verwandelte sich immer mehr in eines der Highlights unserer bisherigen Reise. Unsere Gastgeber waren Sergei und Galina, welche mit ihren Kindern Nina, Vladimir und dem Nesthäkchen Mascha sowie Sergeis Bruder Sascha und dem Grossvater hier wohnten. Besonders die älteste Tochter Nina war uns eine grosse Hilfe, da sie gut englisch sprach und uns viel interessantes über die Gegend zu erzählen hatte. Da Nina und Vladimir beide in Ulan Ude studierten, anerboten wir uns, sie am Sonntagabend dorthin zu führen. Nach einem erholsamen Ausflug an den Baikalsee luden wir die beiden samt dem Vater und rund 5 Kilo Kartoffeln sowie einem Liter Milch direkt ab der Kuh in den Pfusbus und fuhren nach Ulan Ude. Dort erwartete uns bereits ein befreundetes Ehepaar der Familie und ehe wir verstanden, was passierte, stand uns eine Datscha mit Sicht auf Ulan Ude zur alleinigen Benutzung zur Verfügung.


Posieren mit Sergei, Mascha, Nina. Thank you very very much for your hospitality!


Nina und Vladimir @ Work.

Nun müssen wir in Ulan Ude noch verschiedene Kleinigkeiten besorgen und unsere Benzintanks ganz füllen, bevor wir in Richtung Mongolei starten. Wir sind gespannt, was uns dort bevor steht.


Idylle am Baikal. Auch ein toller Schlafplatz.


Zum Znacht ein Vodka-Orange: Wir haben uns in Russland schnell eingelebt.

Liebe Grüsse an Alle!
Die Pfusbüssler


Responses

  1. Hallo zäme,
    Herzliche Gratulation zu euren tollen Beiträgen, die riesen Spass machen zu lesen. Man fühlt sich auch einwenig dabei. Wir wünschen euch eine unfall und pannenfreie Weitereise und senden liebe Grüsse aus dem Toffenholz, Susanne, Kurt und Grossvätu


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