Verfasst von: Barbara & Didier | Juli 1, 2011

In Ulan Bators Oase

Ulan Bator, 30.06.2011, 20‘650 km

Liebe Leute!
Seit dem letzten Post ist eine Woche vergangen und wir sind keinen Kilometer vorwärts gekommen. Aber das ändert sich bald! Heute Vormittag kam die Chefin Sybille freudestrahlend mit einem gelben DHL Couvert in den Händen auf uns zu: Der Ersatzschlauch für die Kupplungshydraulik ist da! Wir nahmen von allen Seiten Gratulationen entgegen und fühlten uns wie Geburtstagskinder. Dank der Unkompetenz der Schweizer Post – das muss jetzt hier einfach mal gesagt werden – sind wir über eine Woche in Ulan Bator festgesessen! Vor notabene 13 Tagen haben die Schweizer Postangestellten ohne rot zu werden versprochen, dass der Brief innert 3-6 Tagen in Ulan Bator ankommen wird. Als er am neunten Tag immer noch nicht da war haben wir uns entschieden, den Schlauch ein zweites Mal per DHL senden zu lassen. Was für eine weise Entscheidung, denn das Couvert der Swiss Post International ist immer noch nicht angekommen!!!

Zum Glück gibt es für gestrandete Overlander wie wir wohl in ganz Ulan Bator keinen besseren Platz als das Oasis Guesthouse. Wir fühlen uns hier pudelwohl und fast schon ein bisschen einheimisch. Im Grunde genommen tut es nämlich gerade gut, mal ein paar Tage ein festes Lager zu haben und ein bisschen Ferien von den Ferien zu machen. Naja wenigstens versuchen wir es, aber ruhige Minuten sind auch im Oasis eine Seltenheit. Den Pfusbus auf Vordermann bringen, Einkaufen, Blog schreiben, Benzin organisieren, Dachträger verstärken lassen, dem Brief mit dem Ersatzteil hinterher telefonieren (Die Mongolische Post denkt jetzt wohl wir sind nicht ganz hundert…), die Weiterreise planen, per Skype ein Interview für eine deutsche Reisewebsite geben, ein Motorrad in einen Transporter laden, einen Lebenslauf korrigieren (es gibt tatsächlich Leute, die suchen bereits von hier aus einen Job in der Schweiz…), Reisetipps weitergeben und Reisetipps erhalten etc., etc. Im Oasis herrscht nicht nur ein ständiges Kommen und Gehen, sondern auch ein ständiges Geben und Nehmen.


So ein Pneuwechsel erfordert stets die Anwesenheit sämtlicher männlicher Overlander.


Teamwork im Oasis.

Am Wochenende haben wir uns mit Bogi zum Abendessen verabredet und ihr natürlich haargenau von unseren Gobiabenteuern berichtet. Es gab viel zu lachen und Bogi hatte uns interessante Dinge über Land und Leute zu erzählen. Zum Beispiel wurde der Dokumentarfilm „Die Geschichte vom weinenden Kamel“ exakt in der Region gedreht, wo wir waren. Falls jemand eine kompetente Reiseleiterin für die Mongolei sucht, Bogi ist die Frau!

Natürlich durfte auch ein Besuch auf dem Black Market nicht fehlen, einem der grössten Märkte in Asien überhaupt. Wir haben uns ganz genau an die Anweisungen von Sybille gehalten und sind einzig mit ein paar gut versteckten Geldnoten losgezogen. Ohne Fotoapparat, Natel und Ausweise unterwegs zu sein, war ein extrem schräges, aber befreiendes Gefühl. Der Markt war tatsächlich riesig und ein Erlebnis der Sonderklasse, man konnte von Kamelsätteln über ganze Gers bis hin zu jeglichen Kleider-, Schuhe-, Taschen-, und Sonnenbrillenfälschungen alles kaufen was das (Mongolen-) Herz begehrt. Beim Verlassen des Marktes nannten wir für umgerechnet 100 Franken ein Paar echte mongolische Reiterstiefel, ein Paar Turnschuhe, eine Sonnenbrille, ein Hemd, ein Oberteil, eine gefälschte Designer-Unterhose und drei Paar Socken unser Eigen. Nicht schlecht, oder? Der Haken an der Geschichte: Die übrigbleibenden Tugrik reichten nicht einmal mehr für die Rückfahrt mit dem Bus geschweige denn mit dem Taxi! Also blieb uns nichts anderes übrig als zu Fuss zurück zu gehen…

Bei einem erneuten Besuch beim Autodoktor ging es darum, die Federung vom Pfusbus prüfen zu lassen. Alles i.O., welch ein Wunder nach den 2000 Gobi-Kilometern! Aber leider erfüllte die Dichtung des Differenzials ihren Job nicht mehr. Also wieder auf die Suche quer durch die Stadt nach dem richtigen Ersatzteil, aber diesmal ohne die Hilfe von Tommy. Es wird hier wie in ganz Asien vorausgesetzt, dass der Kunde die Garage mit allen Ersatzteilen betritt. Für uns ist das ziemlich anspruchsvoll, denn die Ersatzteile sind nicht in grossen Zubehörshops, sondern in hunderten Kleinstläden in der ganzen Stadt verteilt zu finden. In Kombination mit dem unmöglichen Verkehr eine echte Herausforderung. Wir hätten es nicht für möglich gehalten, aber Ulan Bator übertrifft verkehrstechnisch alles, was wir bisher erlebt haben. Die Mongolen sind extrem agressive Fahrer und kennen weder Regeln noch Grenzen. Dazu kommt, dass einige grosse Strassen wegen Bauarbeiten gesperrt sind und man mitten in der Stadt auf irgendwelche haarsträubende Pisten ausweichen muss. Zum Glück hat der Pfusbus 4WD! Nach nervenaufreibenden Stunden kamen wir schliesslich inklusive Ersatzdichtung in der offiziellen Toyotagarage an, wo es uns zwei Mal hintereinander fast aus den Socken haute. Das erste Mal als wir in die Garage geführt wurden: In der Halle hatte es Platz für mindestens 30 Autos und die Empfangsdame schickte uns direkt in die Wartelounge mit Ledersesseln und Flachbildschirm, wo uns Tee serviert wurde! Zum eigenen Auto durfte man nicht, dass sei eine „Dangerous Zone“. Das zweite Mal als wir die Rechnung sahen… Aber egal, der Pfusbus ist nun wieder topfit und parat für neue Abenteuer.


Wir werden in der VIP-Wartelounge verwöhnt, der Pfusbus in der VIP-Garage.


Der letzte Oasis-Cheeseburger vor dem Restart, gefolgt vom letzten Cheesecake. Miam!

So, jetzt ist es an der Zeit, die Katze aus dem Sack zu lassen: Nach langem Hin und Her kippen wir Vladivostok aus unserer Reiseroute und fahren ab morgen Richtung Westen. Mehr dazu beim nächsten Mal. Nur so viel sei verraten, nach Hause geht es vorerst noch nicht!

Liebe Grüsse aus der Oase, die Pfusbüssler

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Responses

  1. I’m speechless .. What a trip ! Enjoy this ‚for ever‘ experience !

    Greetz

    Romain aus Belgien !

  2. Hallo Barbara und Didier,

    das Interview mit Euch ist jetzt online:
    http://pegasoreise.wordpress.com/2011/07/16/pegasopodcast-7/

    Herzliche Grüße aus Deutschland,
    Claudio

  3. Hallo Barbara und Didier,
    hat mich gefreut, so spontan mit Euch quatschen zu können. Das Interview schneide ich noch, Ende Juli steht es dann online.
    Ich wünsche Euch noch eine gute Weiterreise!
    Grüße
    Claudio

  4. Hallo zusammen

    Tolle Reise die ihr da macht. Bin beim rumsurfen auf eure Seite aufmerksam geworden. Wir sind von 2005 bis 2006 (siehe Website) auch mit dem eigenen Auto um den Globus gekurvt, und wenn einen wieder das Fernweh packt, kann man sich ein wenig „Ersatzstoff“ auf Reiseberichten wie Euren holen. Wünsche Euch weiterhin viele tolle Erlebnisse.

    Gruss, Andi


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