Verfasst von: Barbara & Didier | März 30, 2011

Quer durch die Türkei

Dogubayazit, 29.03.2011, 5535km

Hallo liebe Leute
Die letzte Nacht in Downtown Istanbul verbrachten wir mangels Hotelzimmerkapazität im Pfusbus auf dem altbekannten Hinterhof, wurden aber von Rohat und seinem Boss zum Frühstück auf der Dachterrasse eingeladen, und das bei schönstem Sonnenschein, super! Als Dank deckten wir die beiden mit Schweizerschoggi ein und cruisten nach dem Abschiedsfoto wortwörtlich mitten durch die Millionenstadt und über den Bosporus zurück nach Asien, und das ganz ohne Beule! Bei herrlichem Wetter gings erst durch üble Industriegebiete, dann aber immer mal wieder über wunderschöne Pässe und Hochtäler quer durch die Türkei. Als Blondschöpfe sind wir je länger je mehr totale Exoten. Die Türken versuchen gar nicht erst ihre Neugierde zu verstecken und starren uns unverhohlen an. Immer wieder werden wir zu Cay eingeladen, sogar beim Tanken! Auch gewährte uns einmal ein Autofahrer Vortritt auf dem Fussgängerstreifen, sowas hat es in diesem Land sicher noch nie gegeben…


Thanks Rohat. We can really recommend Hotel Peninsula.


Wir überqueren den Bosporus. Wie man am Taxi vor uns erkennen kann, sind in der Türkei Fahrstreifen, Geschwindigkeitssignale und insbesondere Einbahnstrassen eher als unverbindliche Empfehlung zu betrachten.

Nach einer Übernachtung auf einer Raststätte mit wunderbarer Aussicht (und Dusche am Morgen), ging es weiter in Richtung Amasya, einer schönen alten Stadt eingepfercht zwischen hohe Berge mit in den Fels gehauenen Gräbern und Burgen. (Stellt euch die Gemmi in Leukerbad mit einer Riesenburg statt dem wüsten Hotel drauf und Gräbern im Fels für die Gemeindepräsidenten vor). Übernachten konnten wir auf dem Parkplatz einer Pension mitten in der ottomanischen Altstadt.


Amasya: 80‘000 Einwohner eingepfercht in ein wirklich enges Tal. Unten eine Teil der Altstadt, darüber die Königsgräber und noch weiter oben die stolze Burg.

Je weiter es ostwärts geht, desto wilder wird die Landschaft. Auch auf den grossen Strassen bewegt man sich jetzt häufiger an der Baumgrenze. In einem kleinen Dorf östlich von Erzincan fragten wir, ob wir in der Nähe übernachten dürften. Wir durften – und wurden sogleich von Ergün und Nebahad zum Znacht eingeladen. Wir verbrachten einen wunderbaren Abend mitten in einer türkischen Grossfamilie inklusive Nachbarschaft. Natürlich mussten wir uns auch um das Frühstück keine Gedanken machen, die deutsch sprechenden Nachbarn übersetzen beim Znacht und verköstigten uns am nächsten Morgen. Übrigens kommt hier kein Kopftuch und keine Zigarette ins Haus. Die beiden Familien sind sehr westlich orientiert.


Nach dem feinen Znacht bei Nebahad (ganz rechts) mit Familie und Nachbarn.

Schliesslich erreichten wir Dogubayazit, die letzte türkische Stadt vor der Grenze zum Iran. Am Fuss des 5100m hohen Ararats gelegen, nutzten wir die Gelegenheit, nochmals unsere Vorräte aufzufrischen und Sehenswürdigkeiten wie den Ishak Pasa Palast zu bestaunen (So Off-Saison wie wir dran sind, fast für uns alleine!). Wir übernachten auf einem einfachen Campingplatz, der von den alten Freunden Mecit und Bertil, letzterer aus Holland, geführt wird. Die Dusche – für den Morgen versprochen – funktioniert leider auch am nächsten Tag noch nicht. Was solls, wir stinken ja beide… Da wir 1900 M. ü. M. hoch sind und die Nächte sehr klar sind, können wir einen wunderbaren Sternenhimmel betrachten, wenn wir vom Teetrinken und Quatschen mit den gesetzten Herren fertig sind und zu unserem Pfusbus in die warmen Schlafsäcke zurück gehen.


Auf dem Ararat soll die Arche Noah gestrandet sein. Im Vordergrund die typische Hochlandschaft.


Hoch über dem Tal wie aus 1001 Nacht: Der Ishak Pasa Palast.

Unsere gesammelten Eindrücke nach drei Wochen Türkei: Die Menschen sind unglaublich nett und stets hilfsbereit. An unserem bisherigen Rekordtag wurden uns zwei Flaschen Wasser, eine türkische Zeitung (das liegt wohl an den mittlerweile fast akzentfreien zehn Minisätze in Türkisch), drei Mal Tee, ein Abendessen und das darauffolgende Frühstück offeriert. Bei den Restaurants in den Touristenorten ist allerdings Vorsicht geboten, man muss sich immer merken, was wieviel kostet, denn in jedem zweiten Fall passieren unerklärliche Rechnungsfehler, wenn es ums bezahlen geht. Das Land ist kulturell und landschaftlich äusserst abwechslungsreich und interessant, wenn auch generell stark verschmutz. Die grossen Strassen sind mehrheitlich ok, wenn auch im Osten teilweise von (riesigen) Schlaglöchern übersät. Die kleineren Strassen können alles Mögliche sein. Bisher kostete uns das einen Reifen. Die Benzinpreise sind ein Elend: Über 2.80 pro Liter! Bei den Hygiene- und Sicherheitsstandards muss man des Öfteren beide Augen (und die Nase) zudrücken, die kantonalen Gesundheitsinspektoren und die SUVA hätten hier wohl nichts zu lachen. Trotzdem, die Türkei ist auf jeden Fall eine Reise wert. Wir kommen gerne wieder, wenn auch den Temperaturen wegen besser einen guten Monat später.

Jetzt wechseln wir definitiv den Kulturkreis und versuchen unser Glück an der iranischen Grenze. Wir freuen uns darauf, noch weiter in den Osten einzutauchen.

Güle Güle,
Barbara & Didier


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