Verfasst von: Barbara & Didier | März 12, 2017

The Wairarapa

Hi Folks

Wie geht es euch? Uns hat die Nordinsel wieder. An Wellingtons Waterfront angekommen, nahmen die Kids sofort den altbekannten Leuchtturm-Spielplatz in Beschlag und nichts und niemand brachte sie von dort so schnell wieder weg. Wir genossen die Sonne und später was Feines beim Japaner, die Geschichte wiederholte sich. Aus einer Übernachtung im Hotel hingegen wurde nichts, total ausgebucht die Stadt. Das altbekannte Problem, dass der Campingplatz sehr weit ausserhalb liegt, haben wir dann mit einer Nacht auf dem Parkplatz des Te Papa Museum gelöst. Das war vollkommen legal, zentraler geht es nicht mehr und die Kinder schliefen herrlich. Nur uns Oldies waren der Verkehr und die besoffenen Ausgänger zu laut zum schlafen. Früher wären wir wohl selber trinken gegangen, die Zeiten ändern sich.

Dementsprechend müde waren wir tags darauf, jedenfalls bis wir in Masterton in der Memorial Hall sassen und den fehlenden Schlaf komplett vergassen. Da fand nämlich, so hat uns eine Spielplatzbekanntschaft in Wellington gesagt, die Weltmeisterschaft im Schafschären statt. Es war dann zwar nicht World Championship sondern World Premier Championship, aber das tat dem Erlebnis keinen Abbruch. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus Neuseeland, Australien, Schottland und Wales, klassische Sheepcountries also, und massen sich im Schafschären, Wolle sortieren und Wolle pressen. Bei allen drei Disziplinen ging es um Schnelligkeit und Präzision, Strafpunkte wurden mit der gestoppten Zeit zu einer Punkteanzahl hochgerechnet.

Wir sassen noch keine fünf Minuten auf der Zuschauertribüne, da setzte sich auch schon ein Herr in offiziellem Hemd und Kravatte zu uns und erklärte uns den Ablauf. Ein Blick durch die Halle und es war klar: Wir waren weit und breit die einzigen Touristen im Saal. Keine halbe Stunde später der nächste Herr, der uns mit den Worten „You are tourists, come with me“, gleich mit hinter die Bühne nahm und uns alles, aber wirklich alles von Anfang an erklärte und zeigte. Das fing an mit „This is a sheep. Are you with me?“, da wo die Wollknäuel auf die Bühne zu den Schafschärern beziehungsweise Wollsortierern geschleust wurden, bis dorthin, wo die geschorenen Tiere und die sortierte Wolle von Juroren bewertet und entsprechend Strafpunkte vergeben wurden. Dann weiter zur Verpflegungsküche für die Volunteers, durch den Aufenthaltsraum, das von zwei Frauen bewachte Pokal- und Preisgeldzimmer, den Presseraum und schliesslich wieder an den Kommentatoren vorbei zurück in die Halle. Und natürlich wurden wir allen und jedem vogestellt. Für Bewegung und frische Luft sorgte zwischendurch der geniale Spielplatz gleich enet der Strasse, wobei wir das Ticket am Eingang nie aus der Hosentasche kramen mussten: „We know you guys“.

Abends auf dem Campingplatz gab es ein Wiedersehen mit unserer Wellingtonspielplatzbekanntschaft, die uns ja überhaupt erst auf die Idee gebracht hatte, dem urneuseeländischen Spektakel beizuwohnen. Nevio, nur einen Tag jünger als Lysa, verstand sich auf Anhieb gut mit unseren Kids und die drei spielten, wie könnte es anders sein, Schafschären bis der Mond aufging. Dabei musste der halbe Rasen vom Campingplatz dranglauben, das ausgerissene Gras war die Wolle…
Eventhalle.

Backstage.

​​​Laura Bradley, vorne rechts, führte das Zwischenklassement bei den Intermediates an. Je tiefer die Punkte, desto besser.

Ehe wir uns versahen, sassen wir am nächsten Tag erneut auf der Zuschauertribühne. Diesmal ging es bei den Junioren um die Medallien, den Intermediates um den Finaleinzug und die Elite schärte wie wild in den Vorrunden. So ein Profischärer braucht nur etwas mehr als eine Minute pro Schaf, sechs Schafe pro Runde waren gefragt. Uns schmerzte der Rücken nur schon beim Zuschauen.

Waren wir nicht gerade mit Schafschärenschauen beschäftigt, tauchten wir in das Leben der Mastertoner ein. Jede und jeder hatte Zeit für ein Gespräch, die Verkäuferinnen in den Läden genauso wie die Angestellten vom Wollmuseum oder im Infobüro.

Määäähh.

Und dann fiel uns ein unscheinbarer Visitorguide der Region in die Hand. Kurz darauf fuhren wir zum kleinen Flughafen, wo man das auf Flugzeuge vom ersten Weltkrieg spezialisierte Museum nur fand, wenn man sehr genau danach suchte. Die Ausstellung, das merkten wir schnell, hatte Weltklasseformat. Jeder Flieger, ob Original oder exakte Replica, wurde nämlich noch geflogen. Leider nur einmal im Monat und nicht an unserem Besuchstag. Aber während uns ein älterer Herr, mit ölverschmierten Lumpen in der Hand, durch die Sammlung führte, kam doch tatsächlich der Pilot mit einer jungen Dame im Fliegerkombi und schicken Sandalen herein, setzten sich in die P-40 aus dem Zweiten Weltkrieg und voilà, wir kriegten sozusagen eine private Airshow! Und wie wir da nach dem Flug so ins Gespräch kamen, erwähnte die Frau, dass sie gerade das Flugbrevet macht, sie bald im Kashmirgebirge snowboarden geht und diese exklusive Flugzeugsammlung Peter Jackson gehört. Genau, dem Peter Jackson, Regisseur und Produzent von Lord of the Rings. Nach dieser Enthüllung hätten wir gerne auch noch rausgefunden, wer diese Frau genau war…

Für das wurden also unsere LOTR Kinoeintrittgelder gebraucht (unter anderem).

​Ein P-40 Manöver. Fast wie in „Pearl Harbour“.

Lysa wird von der schönen Unbekannten neben Eugene, den Piloten gesetzt.

Etwas Einmaliges erwartete uns auch im National Wildlife Centre vom DOC (Department of Conservation). Dort werden bedrohte einheimische Vogelarten gezüchtet und auf die Auswilderung vorbereitet. Vor wenigen Jahren schlüpfte zum grossen Erstaunen aller Beteiligten ein weisser Kiwi aus seinem Ei. Manukura, vom örtlichen Maori Chief getauft, ist kein Albino, sondern beide Elterteile trugen ein sehr seltenes rezessives Gen in sich, das die Pigmente in den Federn reduziert. In der Wildnis hätte sie nicht überlebt, weil sie im Dunklen praktisch glüht. Manukura war denn auch nicht zu übersehen in ihrem Nocturama und wir durften ihr eine ganze Weile bei der Futtersuche zuschauen. Jetzt haben wir auch eine Manukura im Pfusbus, eine aus Plüsch, die mit Julien durch dick und dünn geht.

Die weisse Manukura ist eigentlich ein North Island Brown Kiwi.

Ja und dann stand da noch so eine Telefonnummer in diesem Visitor Guide, die wir anriefen und dank der wir dann ein paar Tage später in Dannevirke, einem anderen Provinznest, mit dem Maori Steve ein Marae besuchen durften. Marae ist die Bezeichnung für eine Art Gemeindezentrum mit Versammlungshaus. Für die Maori sind sie ein heiliger Ort und dürfen daher nur mit einer persönlichen Einladung betreten werden. Touristen sind deshalb in der Regel auf eine kommerzielle Tour angewiesen. Wie uns Steve im Whare Runanga, dem Versammlungshaus, auf Maori begrüsste und sich dann geschlagene drei Stunden Zeit nahm, um uns jede Menge über Herkunft und Kultur der Maori zu erzählen und unsere Fragen zu beantworten, war daher ebenfalls eine ganz spezielle und wertvolle Erfahrung. Many Thanks Steve!

Traditionell sind die Whare Runanga mit reichen Schnitzereien verziert.

Eintreten darf man nur barfuss. Jede Schnitzerei erzählt eine eigene Geschichte.

Mit Steve am Diskutieren.

Ach ja, auch unsere Pfusplätzchen waren irgendwie anders als sonst. Übernachtet haben wir auf Campingplätzen mitten in der Stadt und doch erstaunlich ruhig, auf einem DOC Platz wo gerade eine Waldhochzeit stattfand oder auf einem Golfplatz, den wir nach Sonnenuntergang praktisch für uns allein hatten. Noch nie sind wir so wenig anderen Reisenden begegnet. Im Reiseführer steht wortwörtlich, die Gegend hat für Touristen nicht viel zu bieten und das restliche Neuseeland bezeichnet die Region als tiefste Provinz. Wir mögen sie sehr, die Provinz!

Jetzt erwarten uns die Touristenhotspots! Bis zum nächsten Mal,

Die Pfusbüssler

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Responses

  1. Ja wenn ihr schon fragt, uns geht es sehr gut. Wir haben super Wetter in Saas-Fee. Die Pisten sind grandios, zwischen 1800 und 3600 Meter über Meer. Mir fehlt nun nur noch ein Sesellift und zwei Pisten, dann habe ich sie alle. Wir merken übrigens auch, dass wir älter werden! Der Dreigänger und eine Flasche Wein am Abend sind nun einfach zu viel. Wir fühlen uns nicht mehr wohl. Aber was solls, sonst geht es uns ja wirklich gut. Gruss Pa


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